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Neunter Jahrgang
V. Lctober L 81 S.
Ein Lebensbild, oder Blick auf die von Hirscher vorge-schlagenen Diöcesansyuodxn. *)
Nach einem langen faulen Frieden ist endlich der Kampf losgebrochen,der zur Entscheidung führen muß. Dieß wäre nun in sich kein beklagcnS-werthe« Ereigniss; denn, bestehet einmal keine innige geistige Verwandt-schaft, so bleibt nur zu wünschen übrig, daß der vorhandene innereZwiespalt offenkundig und dadurch eine Ausscheidung herbeigeführt werde.Können die durch zu lange Verzögerung gelinderer Heilmittel in den ver-schiedenen Theilen deS Körpers angesammelten Krankheitsstoffe nicht andersmehr überwunden werden, dann müssen sie zu einem Geschwüre sich bilden,dessen schleunigste Entfernung nur dem Organismus die vollkommene Ge-sundheit wieder bringen kann. Aber im höchsten Grade beklagenswert!) isteS, wenn Männer, die nach ihrer Stellung dazu berufen und verpflichtet"sind, zur Heilung und dazu, daß die Krankheit nicht weiter um sich fresseund bis dahin gesunde Theile ergreife, auS allen Kräften mitzuwirken,diese Stellung und ihren dadurch bedingten Einfluß zur Verschlimmerungdeö Zustandes verkehren, oder wenn sie als die einzigen und unfehlbarenHeil- und RcttungSmittel solche in Vorschlag bringen, die, weil dem in-nern Wesen und der- normalen Entwickelung deS Organismus geradezu ent-gegen, unfehlbar zum Verderben desselben auöschlagen müssen.
Dieß scheint unS nun, je näher und allseitiger wir die Sache prüfen,mit der Hirscher'schen Schrift im höchsten Grade der Fall zu seyn, einerSchrift, die leicht, besonders bei den gegenwärtigen Zeitverhältnissen, inihren Wirkungen unheilvoller werden könnte, als Anfangs auch der Um-sichtigste zu berechnen im Stande war. Wohl ist Hirscher' n zu keiner Zeitseines Wirkens als öffentlicher Lehrer von allen seinen Schülern unge-theilter Beifall gezollt worden, und auch , heute noch stehet, Gott sey Dank,der weitaus größte Theil selbst des Klerus in Süodeutschland, von demnördlichen gar nicht zu reden, nicht auf seiner Seite. Aber er zählt dochunter den Geistlichen viele und sehr rührige Anhänger, und darunter solche,die in ihren Forderungen weit über seine Resormvorschläge hinausgehen,und nur als Abschlagzahlung sich dieselben gefallen lassen, werden, in derfesten Ueberzeugung, baß die Fluthcn der Revolution, ist sie einmal los-gebrochen, weil über die von Hirscher gesteckten Gränzen hinausstürzenund gar Manches mit sich fortreißen werden, was er unverändert zu er-halten wünschte. Die Nichtigkeit dieser Berechnung ist durch die Vorgängeauf dem politischen Gebiete gewährleistet; denn auch hier wurden die Män-ner, welche die Freiheil deö deutschen Volkes aufrichtig gewollt und ange-strebt, gar bald von der überstürzenden Strömung verschlungen und Anderetraten an ihre Stelle, welche das Vaterland bis an den äußersten RanddeS AbgrundeS geschleppt haben. Dazu kömmt das große Ansehen, wel-ches Hirscher bei den katholischen Laien genießt. Daß ihm dar wesentlichsteErfordernis zu einem ächten Reformator in der Kirche abgehet, wissen sienicht, und können sie nicht beurtheilen; daS gerechte Mißtrauen, welcheser durch eine seiner ersten Schriften, cke gcnuina missac notiono, gegensich erweckt und da« Verwerfungsurtheil der Kirche ist ihnen unbekanntgeblieben oder sie sind durch' die spätern wissenschaftlichen Arbeiten deSMannes vollkommen mit ihm ausgesöhnt worden, so daß ein entschiedenesund kräftiges Entgegentreten leicht großes Mißvergnügen und lauten Tadelbei ihnen erwecken kann. In der That, unS banget aufrichtig bei diesemGedanken, und im Hinblicke auf die Vorgänge deS sechzehnten Jahrhun-derts gewahren wir mit Schaudern die Parole: sackn esk alca!
Mit freudiger Haft ergriffen wir in dieser GemülhSstimmung daö„offene Sendschreiben über die kirchlichen Zustände derGegenwart an Dr. I. B. von Hirscher, Domcapitular undj
Professor der Theologie in Freiburg im BreiSgau, vonDr. Fr. X. Dieringer, Professor der Theologie in Bonn," welche« so eben im Verlag von Kirchheim und Schott erschienen ist. ESist ein von Liebe und Dankbarkeit erfüllter Schüler, welcher seinem „gelieb-ten Lehrer und Freund" ehrfurchtsvoll nahet und' seine Bedenken und seineBesorgnisse in gedrängtester Kürze vor ihm ausschüttet. WaS immer indem Schriftchen Gutes und Billiges enthalten ist, findet Beifall und An-erkennung; aber auch auf daS Gefährliche, Irrige und Falsche, welchesleider Jener an Zahl bei Weitem übertrifft, wird, oft nur in ganz kleinenaber körnigen Sätzen, hingewiesen, jedoch immer mit dem Schmerze unddem Zartgefühle eines ebenbürtigen SohneS, der dessen kein Hehl hat, daßer dem irrenden Lehrer für die „durch ihn ihm gewordene Anregung in denUniversitätsjahren und für dessen spätere väterliche Freundschaft zu stetem' Danke verpflichtet sey."
Als die gelungenste Partie in dem kurzen „Sendschreiben" (cS ent-hält 30 SS.), das wir hiermit unsern Lesern zur größten Verbreitunganempfehlen, erscheint uns die Schilderung der neuen Diöcesansynode, wieHirscher sie im Auge hat. Was der gelehrte Verfasser darüber nieder-schreibt, ist wirklich ein Lebensbild, daS er, als Mitglied des Frankfurter-Parlamentes, getreuer als irgend ein Anderer zu zeichnen im Stande war.Nachdem er Hirscher'S Aeußerung über das berühmte Buch BenedictXlV.ckc uznncl» ckioecessua gebührend zurechtgewiesen, fährt er fort:
„Sie haben daher.wohlgethan, Ihren Vorschlag nicht auf daS beste,hende Recht zu gründen, sondern sich nach anderweitigen Stützen umzu-sehen, und ich muß gestehen, Sie haben Einzelheiten auS der Geschichteder, drei ersten christlichen Jahrhunderte mit vielem Geschicke verwendet.Es sind aber folgende Wahrheiten Ihrer Beachtung völlig entgangen:erstens, keine Diöcesan , keine Provincial-, und keine National - Synodeist befugt, auS eigener Machtvollkommenheit von den zu Recht bestehendenkirchlichen Vorschriften abzuweichen; auf die alte Praxis dürften Sie dahernur unter der Bedingung zurückgreifen, daß entweder die Gesammtkirche inihrer Gesetzgebung die entiprechenden Aenderungen bewerkstelligt, oder aberdaS Oberhaupt der Kirche Ihnen eine Dispense von dem allgemeinen Ge-setz ertheilt hätte; zweitens, die alte Sprengelsynode hatte überall dieProvinzialsynode zu ihrer Voraussetzung, so oft cS Angelegenheiten vonallgemein kirchlicher Wichtigkeit galt, Sie hingegen wollen von Unten nachOben schreiten und den Bischof durch die Sprengelsynode zum Mandatarseiner Heerde machen; drittens, der theilweise Verzicht deS Bischofs aussein ausschließliches Entscheidungsrecht zu Gunsten seines PreSbyteriumS(die hörende und geleitete Kirche hat niemals mitentschieden) war nichtbloß durch den geringen Umfang deS Sprengels und den kirchlichen Eiferder Priesterschaft gefahrlos, sondern selbst motivirt durch daS Wechselver-hältniß zwischen Bischof und Priester, gemäß dessen der Letztere nach an-derer Seite hin in ungleich größerer Abhängigkeit stand — Pfarrer miteigenem Pfarrrechte, einer eigenen Pfründe, mit selbstständiger Verwaltungder PredigtamteS, der Meßfeier, deS Beichtstuhles kennt bekanntlich dasvon Ihnen angerufene Zeitalter nicht; viertens, die kirchliche Verfassungwar überhaupt erst in der Ausbildung begriffen und strebte festen Normenentgegen; wollten Sie z. B. von der Primatialgewalt nur so viel geltenlassen, als bis auf die Tage deS heiligen Cyprian factisch zur Anwen-dung gekommen, so würden sich Ihre Ansichten schwerlich mit der katholi-schen Lehre vereinbaren können.
UebrigcnS ist eS Ihnen nicht einmal möglich, unter den gegebenenVerhältnissen Ihre Berufung auf die alte Uebung allseitig wahrzuhalten.Ich komme damit auf die practische Seite Ihres Vorschlages.
^ Nach der constanten Uebung der Kirche sind alle SeelsorgSgeistlichen-nicht allein synvdalberech tigt, sondern synodalpfl ich tig, und nur dieRücksicht auf daS Wohl LeS Ganzen kann und soll den Bischof vermögen,
*) MS dem Katholik,