158
Einzelne von ihrer Pflicht zu entbinden, so wie auch diese auS derselbenRücksicht von ihrem Rechte abstehen können. Da die Synoden in derRegel nur drei Tage dauern, so ist eS in kleinen Sprengeln beinahe allenGeistlichen möglich, denselben beizuwohnen. Die von Ihnen beantragteSynove dürfte aber eben so viele Monate dauern, so daß in der günstig-sten Zeit deS Jahres vielleicht die Hälfte Ihres Klerus daran Theil neh-men könnte unv müßte, also in runver Summe etwa 600 Priester. WollenSie billig seyn unv Ihre eigenen Grundsätze nicht über den Haufen wer-fen, so müssen Sie jeder kirchlichen Gemeinve einen Repräsentanten gönnen,und zwar müssen Sie eS die Stimmenmehrheit der Gemeindeglieder ent-scheiden lassen, welcher Laie sie auf der Synode vertreten solle. Die Ma-jorität siegt, und die Minderheit muß sich fügen, und Sie, die Kirchen-obern, müssen eS sich gefallen lassen, wenn Ihnen aufgewühlte Gemeindenstatt der so sehr perhorreScirten „Einseitigen" die ärgsten Schreier und fri-volsten Gesellen auf den Hals schicken. So ist'S recht; denn in Ihrem auchauf daS kirchliche Gebiet überzupflanzenden Con st Nationalismus müssenalle Parteien vertreten seyn, und da entscheidet nicht die Wahrheit, son-dern der Wille, und die Wahrheit muß sich nach der größer» Zahl derEinzelwillen richte». Sie werden also 600 gcborne und 700 gewählteSynodalmitglieder haben.
Ich setze nun voraus, und daS will in Ihrem Lande sicher vielheißen, das ganze Bargeschäft wäre ruhig und ohne öffentliches Aergernißabgelaufen, Pfarrer und Capläne hätten sich friedlich über Bleiben undGehen vereinbart, die Laienabgeordneten wären der getreue Ausdruck derkirchlichen Meinungen und Bestrebungen deS Sprengels, der Erzbischof»erstünde sich zur Stellung eines unverantwortlichen Monarchen (Venen manübrigens das Bleiben auch sauer machen kann), und die Domherren wärendie verantwortlichen Minister, wie sie denn auch häufig prätendiren, daßder Bischof nichts ohne sie thun solle und dürfe, und der Generalvicarwäre der Ministerpräsident: kennen Sie die Tausendkünstler, die eS über-nehmen könnten, die Leitung einer solchen Versammlung zu vollziehen,nichts zu sagen von der Schwerfälligkeit und Unverständlichkeit der Debatte?
Ich fahre fort, Günstiges vorauszusetzen. Der Bischof hält eS mitRücksicht auf bestimmte Geister und um mögliche Scandale zu vermeiden— da ja keine dogmatischen Fragen erlediget werden sollen — für zweck-dienlich, von der Ablegung deS tridentinischen Glaubensbekenntnisses Um-gang zu nehmen. Die 1300 Synodalen sind beisammen. ES geht mitLeitung und Debatte leidlich. ES sind drei Parteien: Rechts die Ultra-montanen, meist auS jungen Priestern und „einseitigen," zum Theil vor-nehmen Laien, bei manchem Minister nicht zum Besten angeschrieben; Linksdie Radikalen vom reinsten Wasser unter den bekannten Führern, wenn sienicht etwa wegen weltlicher „Mißgriffe" anderswo sich aufhalten; in derMitte die schwankenden, die zu Zeilen so und anders sind, hier aber jeden-falls den AuSschlag geben.
Eö kommt in Lebensfragen zur Abstimmung. Die Rechte siegt;die Linke erhitzt, sich und lärmt, fügt sich zum Schein und wartet bessereZeiten ab, um die Sache abermals aufzunehmen; Lxnoclus guoguo ckioo-cosiinae HUto/anms Iu>l»-untur, und waS läßt sich bei fortgesetzter (hiergesetzmäßiger) Wühlerei nicht Alles ausrichten! Die Linke siegt; dieRechte hält den Beschluß für unkirchlich, folglich auch für ungiltig, weilmit Lehre und Verfassung der Gesammtkirche im Widerstreit liegend; Ruf:man muß sich der Mehrheit beugen; AuStritt der Entschiedensten; derBischof tritt der Mehrheit bei, daS Schisma ist da; er verweigert denBeitritt und löst die Versammlung aus; die letzten Dinge sind schlimmerals die ersten. Die Mitte siegt durch Beitritt einer der beiden Frac-tionen, und man hat entweder halbe Maaßregeln wie bisher, oder eineder beiden entgegenstehenden Parteien tritt in bleibenden Widerspruch.
Sie sehen, daß ich kein „Phantast" bin, sondern die Sache concretnehme. Und einen solchen kirchlichen Landtag sollten Sie in Baden auf-führen wollen, in dieser Zeit der geistigen Aufregung, unter solchen Kon-stellationen der geistigen Strebungen? „Regung und Bewegung muß seyn,"sagen Sie (S. 30.); ja die würden Sie haben, aber Erfolge keine an-dern als größere Erbitterung der Parteien und vielleicht oder wahrschein-lich ein Schisma. Sie haben freilich diese Ansicht nicht, sondern behaup-ten : „Der gute Geist muß doch wohl, auch wenn sein Gegensatz auftritt,den Sieg davon tragen (S. 28.)." DaS macht Ihrem Herzen Ehre;aber ich wünsche Ihnen nicht, daß Sie die bittere gegentheilige Erfahrungmachen müssen. Der „gute Geist" ist nur da, wo man mit derKirche sammelt, nicht aber wo man von Vornherein ihreVorschriften als unzeitgemäß wegwirft, und zweifelhafteweltliche Institutionen in die Kirche einführt."
Möchten diese letzten Worte doch überall und von Allen recht beher-ziget werden! Möchten Alle erkennen, waS uns,- was der Kirche zumFrieden dienet! Ohne das innigste und engste Anschließen an die Kirche,
an ihren Geist, an ihre Institutionen werden wir eS nie zu einer gedeih-lichen Pflege deS lebendigen Christenthums bringen.
Wünsche eine- Seelsorgers zur Berücksichtigung bei dernächsten Provincialsynode in Bayern oder Oesterreich,zur Hebung der Moralität.
t Nach dem Zeugnisse der Geschichte waren die ohne Gottesfurchtzügellos herrschenden Leidenschaften, genährt durch den Rationalismus,die Ursache deS Versalls der Staaten der alten Welt, so wie der Barbareiin den ersten christlichen Jahrhunderten in den Ländern, wo man von demGlauben und der Uebung der Lehre Jesu abfiel. Daher Zoroaster, Ho-Hi, Orpheus , MinoS rc. den Staat auf positive Religion gründeten.Die jungen Alhenienser mußten im agraulischen Tempel den Eid ablegen:„Ich schwöre bis zu meinem letzten Athemzuge für daS Wohl der Religionund des Vaterlandes zu streiten, und werde immer dem Glauben meinerVäter anhängen." Der Römer Cato fürchtete die Einführung der Philo-sophie der Griechen in sein Vaterland bloß aus dem Grunde, weil er vor-sah, daß, wenn die Römer durch den Rationalismus die Gottes-furcht verlassen und über alles streiten, sie mit dem Unglauben und derzügellosen Herrschaft der Leidenschaften endigen und dadurch den Staatauflösen würden. DaS Princip der protestantischen Religionsparteien, derGrundsatz der freien Selbstprüfung, der allen Leidenschaften freien,vernunftlosen Spielraum gestattet, zu dem sich im unsern Tagen auch soviele sogenannte gebildete Katholiken bekennen, ist unstreitig die Grund-Ursache deS im März v. I. herrschend gewordenen StrebenS unterdem Titel eines einigen Deutschlands nach zügelloser Freiheit,die als Gesetzlosigkeit nothwendig zur Barbarei führt. Diese Ka-tholiken schließen sich zwar selbst von der katholischen Religion auS, dieDeutschland einst zu einem so mächtigen, kraftvollen einigen Volk gemachthat. DaS Beispiel der herrschenden Leidenschaften unserer Tage wirkt aber,weil von Oben, sehr verderblich auf da« noch gläubige Volk, so daß da-Streben der Provincial- und Synodalsynoden wohl zunächst aufmöglichst kräftige Unterstützung der Moralität des Volkes wird gerichtetseyn müssen. Wie die ersten Christen als Tugendbund, durch die heiligeTaufe dazu berufen und geheiligt, dem damaligen gesetzlosen Zustande mitsiegreicher Kraft gemeinschaftlich entgegenstanden; so muß dieß auch jetztgegen die beginnende Barbarei durch gründliche Bekehrungzu Gott geschehen, welche durch gotteSsürchtige Priester, und durch An-wendung der kräftigsten Mittel zur wirklichen Erneuerung deS TaufbundeSwird gefördert werben können.
Nur Priester, die, bei den nöthigen Kenntnissen, als Folge wahrerRückkehr zu Gott, an ihm und in göttlichen Dingen ihre grösste Freudefinden, daher sich am liebsten damit beschäftigen, werden die MoralitätdeS Volkes am segenreichsten fördern. Damit nur wirklich zu Gott be-kehrten Theologen die Priesterweihe ertheilt werden könne, wäre zu wün-schen, daß besonders daS Studium der christlichen Moral von selbst,bekehrten Lehrern in der Weise der christlichen Moral vom BischöfeSailer auch zu diesem Zwecke benützt wurde.
Die Bekehrung und Heiligung deS Volkes würde sehr gefördert wer-den durch jährliche öffentliche Erneuerung deS TaufbundeS auf oberhirt-lichen Befehl zur österlichen Zeit, und durch vollständigere Bestimmungendreier Kirchengebote.
Die Jnmoralität deS Volkes ist unstreitig Folge der NichterneuerungdeS TaufbundeS, da man, ohne öffentliche Erneuerung desselben, ge-wöhnlich zur Bekehrung zu Gott nicht bewogen wird. Um zum ernstlichenNachdenken über die Tauspflichten veranlaßt zu werden, ist ein oberhirt-licher Befehl zur öffentlichen Erneuerung deS TaufbundeS nothwendig.Der Gedanke, vor der Ostercommunion allen unsittlichen Reden und Hand-lungen als Werken des SaianS selbst vor allen, die an diesem Tage zurOsterbeicht bestimmt sind, entsagen zu müssen, würde auf ähnliche Weise,wie die, welche als Erwachsene getauft werden, die als Kinder Getauftenzum ernsten Nachdenken über die Tauspflichten und dadurch zur Buße be-wegen, wozu auch die Furcht beitragen würde, im Falle der Nichtbefol-gung derselben getadelt zu werden, da man gewöhnlich die Menschenmehr als Gott fürchtet. Da die als Erwachsene Getauften in Amerika sich nicht mehr volltrinken, sich der Unzucht, der Dieberei rc. enthalten,würde eine ähnliche Erneuerung des TaufbundeS nicht solche Folgen haben?Würden dadurch die Taufe und Communion aufhören, mehr nur äußereGebräuche zu seyn, durch die man, wie einst die auf die Beschneibungstolzen Juden, vergeblich ohne heiligen Wandel, den Himmel hofft, sowürden durch solche Bekehrung die Christen wieder ein heiliger Bund wer*