Ausgabe 
9 (14.10.1849) 41
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Neunter Jahrgang.

14- Oktober RW4S.

Die -ritte Generalversammlung -er katholischen Vereinein Regen-burg. *)

I

RegenSburg, 2. Oct. Die dritte Generalversammlung deS katho-lischen VereineS Deutschlands ist nunmehr eröffnet und eS scheint, daß sieden in Mainz und Breslau abgehaltenen an Großartigkeit, an Zahl derAbgeordneten und an Wichtigkeit der Verhandlungen nicht nachstehenwerde. Bei der gestern Abend abgehaltenen Vorversammlung im ReichssaaledeS alten RathhauseS waren bei 200 Deputirte der Einzclvereine gegen-wärtig, unter welchen zur größten Freude aller Anwesenden besonders derKatholikenvcrein in Linz stark vertreten ist. Alle anwesenden Deputirtcnnahmen, nachdem sie die nothwendigen Vorfragen schnell erledigt hatten,an der allgemeinen Versammlung deS Centralvereines von RegenSburg Abends um 7 Uhr Antheil und waren freudig überrascht beim Eintritts indie zu diesem Zwecke besonders eingerichtete St. Ulrichskirche ganz in derNähe des prächtigen DomeS. Dieser Tempel, in welchem seit Jahren keinGottesdienst mehr gehalten wird, ist^Mrch.die edle Freigebigkeit deS Hoch-würdigsten Bischofs und durch den Kunstsinn. §sjies Mitgliedes des VereineSfür die allgemeinen Versammlungen auf daS^psÄtpollste und zweckmäßigsteeingerichtet. Die Rednerbühnc, der Sitz.dzKjPrsistdenlen und des Bureau's,so wie die Gallerien find mit Scharlach und . Sammet reichlich verziert;!Blumengewinde und Laubwerk durchziehen die ganze Kirche; die Büste deSheiligen Vaters PiuS IX. auf der einen und die deS KönigS von Bayern auf der andern Seite erheben sich majestätisch in einem Walde seltener Blu-men und Ziersträucher, indessen das Kreuz deS ErlöserS und unter dem-selben das Bild der seligsten Gottenmuiter segnend und gnadeverheißendüber dem Ganzen schwebt.

Vor etwa 3000 Männern, Frauen und Jungfrauen eröffnete derPräsident deS RegenSburger Vereines in kurzen aber herzlichen Worten dieVersammlung, worauf Stadtpfarrer Eberhard in einer tief ergreifendenund überzeugenden Rede nachwies, wie einzig und allein von der vollkomm-nen kirchlichen Freiheit auch die Erlangung der wahren, ächten Volksfrei-heit bedingt sey. Nachdem hierauf einer der Abgeordneten deS PiuSvereineSvon Mainz über die Wirksamkeit deS dortigen VereineS gesprochen unddarauf hingewiesen hatte, wie die katholischen Vereine leider noch nicht inder Lage sind, den WohlthätigkeitSzweck, die Werke der christlichen Näch-stenliebe u. s. w. zu ihrer vorzüglichsten, geschweige denn zu ihrer ausschließ-lichen Aufgabe zu machen, da die kirchliche Freiheit, wenn gleich überallversprochen, noch nirgends zur Wirklichkeit, zum Leben geworden sey, »Deß-halb die Vereine nach wie vor mit Muth, mit Geduld und Ausdauerkämpfen und ringen und dazu durch daS Gebet der Einzelnen und derGesammtheit sich stärken müssen bestieg der edle Graf Jos. v. Stol-berg den Rednerstuhl und schilderte die Eindrücke, welche der Anblick Re-genSburgS, seiner alten Gebäude, seines Kirchhofes und deS ehrwürdigenDomes auf ihn gemacht. Auf dem Begräbnißplatze, wo die Gebeine sovieler Tausende ruhen, trat ihm mächtig ergreifend daS Bild des TodeSvor Augen ein Sinnbild deS geistigen Schlafes, in welchem nur zulange die Katholiken gefesselt waren. Aber daS allerheiligste Sacrament, derin demselben wahrhaft gegenwärtige Gott und Heiland verkündete ihm Auf-erstehung und Leben, dessen die Katholiken aber nur dann theilhaftig wer-den, wenn sie rein und untadelhaft, frei von Sünden in die innigste Lebens-gemeinschaft mit ihrem Heilande treten, unwandelbar fest im Glauben anihn, unerschütterlich in der Liebe und treuen Anhänglichkeit an unsereMutter, die Kirche, opferwillig selbst bis zur Hingabe unseres Lebens dieedlen Zwecke deS katholischen VereineS stets im Auge behalten und darunterbesonders die Werke der christlichen Liebe in Ausübung bringen.

. Nach ihm berichtete Domcapitular und Professor Dr. Baltzer aus! BreSlau höchst Erfreuliches über die schlesischen Vereine und ermähnte ineindringender Weise, unverrückt fest zu halten in brüderlicher Liebe undEintracht an den durch die beiden Generalversammlungen in Mainz undBreSlau aufgestellten Satzungen und Beschlüssen, weil nur dadurch, aberalSdann auch ganz zuverlässig, der endliche Sieg, wenn gleich nach großenMühen und schweren Opfern, unS nicht fehlen werde. Der Präsident deSseitherigen Vororte», deS Centralvereines von BreSlan, Licentiat Dr. Wick,lenkte hierauf in einer überwältigenden Rede die Augen und Herzen derAnwesenden nach Rom , der Multerstadt der ganzen Christenheit. Er schil-derte die Leiden, den tiefen Schmerz, die bitteren Verfolgungen deS heiligenVaters, deS besten aller Fürsten , des glorreichen unter den großen Nach-folgern deö Apostelfürsten Petrus . Er erwähnte, wie die Feinde der Küchezu allen Zeiten und so auch in unseren Tagen vor Allem die giftigen Pfeileihres Angriffes auf den ehrwürdigen Vater der gesammtrn Christenheitgerichtet, von der Ueberzeugung geleitet, daß, wenn das Haupt deS Leibesleide, blute und zur Unmacht herabgedrückt werde, auch die Glieder deSLeibeS bald absterben müßten. Darum sey eS nicht allein eine schöne Auf-gabe, sondern eine heilige Pflicht der Vereine, den Verunglimpfungen derschlechten Presse, in welcher die Feinde des Christenthumes ihr Gift in! überreichem Maaße ausspritzen, mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten,und durch belehrende Verträge in den VereinSvcrsammlungen und bei jedersich darbietenden Gelegenheit eS hervorzuheben, was die ganze civilisirteWelt, was Europa und waS ganz vorzugsweise Deutschland dem aposto-lischen Stuhle zu Rom und den großen Päpsten, welche denselben geziert,zu verdanken habe. Daran reihte der mit vielen Beifallrufen oft unter-brochene Redner die Aufforderung zum unablässigen andächtigen Gebete,daß Gott in seiner unendlichen Güte der Christenheit verleihen möge, rechtbald ein schönes Dankfest begehen zu können zur Feier der frohen RückkehrdeS heiligen VaterS in die Mauern der ewigen Stadt, in die Mitte einesVolkes, daS ihm mit Undank seine Liebe vergolten, daS sein väterlichesHerz mit Bitterkeit gekränkt hat.

Nach diesem ausgezeichneten Vortrage lenkte Obercaplan RulandauS Berlin die Augen der Anwesenden auf Berlin, nicht um sie von Rom abzuwenden, sondern um nachzuweisen, wie die katholische Bevölkerung derHauptstadt Preußens , namentlich die, welche dem Handwerker-, dem Ar-beiter-, dem sogenannten niederen Stande angehört, in ihrer treuen An-hänglichkeit an die Kirche und an daS ehrwürdige Oberhaupt derselben,in ihrer lebendigen Begeisterung für alles Große und Edle, waS die Kircheschafft, schützt und pflegt, in der innigsten Ueberzeugung, daß nur inihrem Schooße der Keim einer besseren Zukunft und die regenerircndeLebenskraft der ganzen Menschheit ruhet im Verhältnisse zu den gerin-gen Mitteln und der Mühseligkeit deS Erwerbes derselben wahrhaft Slau-nenSwertheS, besonders in dem Werke der christlichen Liebe bis daher schongeleistet hat. Daran knüpfte er die Bitte, daß die bessergestellten, daß diewohlhabenden Katholiken Deutschlands den armen GlaubenSbrüdern in dendortigen Gegenden zu Hilfe kommen möchten; sey einem Jeden derselbenauch ein einziger Kreuzer zu viel dann bitte er im Namen seiner Com-mittenten wenigstens um ein Vater Unser und Gcgrüßet seyst du Maria!

Zum Schlüsse sprach Herr Stadtpfarrer Frank auS Spalt darüber,wie die katholische Kirche die einzige und wahre Mutter aller Association,deS ganzen VcreinSwesenS sey; wie sie durch ihre Anstalten und OrdenAlles, waS der CommuniSmus und Socialismus Wahres in sich enthalte,längst verwirklicht, aber auch den verderblichen Auswüchsen kräftig gewehrthabe, und schloß mit den ernsten Worten, daß wenn die Söhne und Kin-der einer so reich begabten, von Gott gesetzten Mutter untergehen, eSlediglich durch ihre Schuld, durch ihre Trägheit und Feigheit geschehen! könne. So schloß der zur Vorfeier bestimmte höchst genußreiche Abend und

') Berichte des Mainzer Journals, Dr. Riffel.