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9 (21.10.1849) 42
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tiefer Gemüthlichkeit, welche Unwissenheit und Verwirrung in Sachen desGlaubens bei der sogenannten höheren Schichte der Gesellschaft herrsche,bei jener Schichte, welche auS dem Brockhaus'schen Conversationslerikon,als aus ihrem Evangelium, alle Weisheit schöpft, die keine anderentheologischen und politischen Vorlesungen hört, als die, welche jeder Commisvoyageur an den TablcS d'Hote der großen Gasthöfe hält. Sodann erinnerteer, daß die katholischen Vereine, weil doch die Welt, wie sie nun einmalsey, gegenwärtig noch einen unauslöschlichen Haß wider die geistlichenCorporationen hege, in der Hand Gottes das Mittel zu seyn schienen zurRegeneration der tief zerrissenen und in religiöser und sittlicher Beziehungverkommenen Welt. Darum müßten aber auch die Mitglieder dieser Vereinedie drei OrdenSgelübde in einem gewissen Sinne zu den ihrigen machen;sie müßten arm seyn im Geiste, um reich zu werden zur Linderung derNoth der Armen, keusch, nüchtern und gerecht, um nachzukommen derForderung deS Heilandes:Seyd vollkommen, wie euer himmlischer Vatervollkommen ist," gehorsam gegen die Gebote GotteS, gegen die Gesetzeder Kirche und gegen die Anordnungen und Befehle der von Gott gesetztengeistlichen Oberhirten.

Nach ihm entwickelte Dr. Merz auS München die seitherige ThätigkeitdeS dortigen Vereines für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit,und suchte daran nachzuweisen, wie die Mitglieder dieses VereinS mit denender katholischen oder PiuSvereine im Wesentlichen dieselben Zwecke verfolgen. Herr Domvicar Hällmaier schilderte nach ihm die den Lesern IhresBlattes wohlbekannten Leiden und Verfolgungen der katholischen Geistlichkeitin der bayerischen Rheinpfalz während der Tage deS dortigen verderblichenAufstandeS, indessen nach ihm der Lyceal-Profefsor Dr. Reischl aus Amberg in ächt gemüthlicher Weise erzählte, wie die dortigen Bergleute ihn zurStiftung eines PiuSvereineS genöthigt und welche auffallende Anträge andie allgemeine Versammlung sie ihm mitgegeben haben: Er sollte nämlichbei derselben beantragen und kräftig unterstützen die Gründung einerkatholischen Universität Deutschlands und das Zustandekommen eines großenkatholischen TagblatteS. Graf Joseph von Stolberg wieß in dereinfachsten, aber eben deßhalb ergreifendsten Weise die Macht deS katholischen Glaubens an drei Ereignissen auS der jüngsten Zeit nach, die Sie aberIhren Lesern am besten aus den in wenigen Tagen erscheinenden vollständigenVerhandlungen mittheilen werden. Zum Schlüsse, gegen halb 10 UhrAbends, berichtete der Subregenö aus Rottenburg , Kollmann, über dienoch gar unerfreulichen kirchlichen Zustände seines engeren Vaterlandes,als woselbst auch durch die Einführung der Grundrechte sich fast noch nichtdas Kleinste gebessert habe. Doch hofft er von der Thätigkeit der Vereine,von der Unterstützung durch daS Gebet aller katholichen Herzen und vonder Unerschütterlichkeit seines Hochwürdigsten Bischofs eine schönere Zukunft.

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IN.

Regensburg, 4. Oct. Am gestrigen Nachmittage constituirte sichdie Versammlung und wählte auf Vorschlag des Herrn LegationSrathesDr. Lieber von Camberg unter großem Jubel den Grafen Joseph vonStolberg zu ihrem Vorsitzenden. Der Vorschlag deS Herrn v. Brentanoaus Augsburg , den k. k. Landrath Franz Ritter von Hart mann auSLinz zum Vicepräsidenten auszurufen, wurde mit gleichem ungetheiltenBeifalle aufgenommen. Nachdem hierauf das Bureau, bestehend auS denHerren Prediger Bram auS RegenSburg , Caplan von Pflüg! auSLinz, Seminarinspcctor Poitsch aus Regensburg , Professor Dr. Riffelaus Mainz , Professor Dr. Ritter und Domprediger Ziegler, beide auSRegenSburg , gebildet und die Ernennung der vier Ausschüsse vollzogenwar (den ersten Ausschuß, unter dem Vorsitze deS UniverfitätS-SerretärSNadbyl aus Breslau , bildeten die Herren Dr. Ernst, Seminar-RegenSaus Eichstätt, Professor Horch! er aus RegenSburg , der Redacteur derckath. Blätter aus Tirol, Kometer, Dr. Schwarz auS Böhmerkirchenrind PräceptoratSverweser Sträub auS Schwäbisch-Gmünd; den zweitenAusschuß, unter dem Präsidium des Herrn LegationSrathes Lieber, dieHerren Caplan Gräber aus Innsbruck , SubregenS Kollmann ausRottenburg, Professor MicheliS, Abgeordneter für Münster , SyndtcusSchell auS Fulda und Seminarinspector Sterr; den dritten Ausschuß,ainter Leitung deS Herrn Licentiaten Wick auS BreSlau , die HerrenFabrikbesitzer v. Brentano aus Augsburg , Domvicar Hällmayer auöSpeyer, Buchhändler Pustet, Vorsitzender deS RegenSburger PiuSvereineS,Obercaplan Ruland auS Berlin und Caplan Sirowy auS Steyr; denvierten Ausschuß, welchem Herr CanonicuS und Professor Dr. Baltzeraus BrcSlau prästdirte, die Herren Dr. Hanauer auS RegenSburg ,Seminar-Jnspector Dr. Löhner aus Metten, Dr. Paulhuber auöJngolstadt und geistlicher Rath Dr. Zehrt auS Heiligenstadt ) berichteteDr. Wick, daß zur Lösung der in Breslau gestellten Preisfragen drei

Schristchen eingegangen seyen, eins über die Schulfrage und zwei überdaS VereinSwesen und beantragte die Ernennung einer Commission, welchedieselben, mit Rücksicht auf daS Gutachten deS BreSlaucr Ausschusses,noch einmal prüfen sollte. Leider lautete am Schlüsse der Versammlung(Vormittags den 5. Oktober) der Bericht und Antrag der Commissiondahin, daß diesen Schriften der Preis nicht zuerkannt werden könne, denVerfassern aber der Dank der Versammlung auSzusprechcn sey, mit demWunsche, sie möchten dieselben unter ihrem Namen dem Drucke übergeben.Die Frage, ob die Abgeordneten der Vereine für constitutionelle Monarchieund religiöse Freiheit in Bayern den Versammlungen anwohnen undmitberathen könnten, wurde, nach längeren höchst interessanten Debatten,worin auf das Klarste ausgesprochen wurde, daß der Verein als solcheran politischen Fragen sich nicht bethciligen dürfe, vielmehr streng an dendeßfallsigcn Beschlüssen festzuhalten sey, zur größten Freude aller AnwesendenmitJa" entschieden, wie denn auch später, auf Antrag des HerrnLegationSrathes Lieber, die ganze Versammlung sich erhob, um jenenVereinen ihre dankende Anerkennung auSzusprechen für ihre seitherigenBemühungen zur Erreichung jener Zwecke, welche die katholischen (PiuS-)Vereine als die ausschließlichen ihrer Bestrebungen sich vorgesteckt haben.

Die Formalien bieten für die Leser Ihres Blattes wenig Anziehendes;daher bemerke ich darüber nur kurz, das die Anträge auf Permanenz oderim Ablehnungsfälle auf dreijährige Dauer deö Vorortes, auf Bildungeines Direktoriums, daS in vorkommenden Fällen zwischen dem Vororteund den Centralvereinen zu entscheiden hätte, so wie der weitere Antrag,daß der Präsident des Vorortes auch der nächsten allgemeinen VersammlungVorsitzen sollte, abgewiesen, dagegen aber angenommen wurde, eS solltenin Zukunft die jährlichen allgemeinen Congresse wenn möglich im MonateSeptember abgehalten, und die Legitimationen der Abgeordneten schon inder Lorvcrsammlung geprüft werden.

Weitere Anträge lagen nicht vor, weßhalb zu denen des zweitenAusschusses übergegangen wurde, welche zusammengenommen auf die Schulen,auf die Gründung einer katholischen Universität, auf die Missionen, aufBeförderung der guten und auf Unschädlichmachung der schlechten Presseund aus die Unterstützung der christlichen Kunst sich bezogen. Was fürdie Schulen zu thun sey, um die vorhandenen christlichen zu erhalten unddie unchristlichen zu verdrängen oder durch in besserem Geiste zu gründendeunschädlich zu machen, darüber waren auf der zweiten Generalversammlungin Breslau so umfassende und gründliche Verhandlungen gepflogen worden,daß eS genügte, auf dieselben hinzuweisen und die einzelnen Vereine zurAusführung der gefaßten Beschlüsse dringend aufzufordern. Auch wurdein richtiger Anerkennung, daß der katholische Verein dem hochwürdigenEpiskopate Deutschlands in Angelegenheit der Freiheit der Kirche und deSUnterrichtes nachzufolgen, nicht aber mit Rathschlägen vor- und an dieHand zu gehen habe, ein Antrag auf positive Bemühung deS VereineSzur Einführung der Schulbrüdcr und Schulschwestern zurückgewiesen, jedochmit der bestimmtesten Erklärung, daß der Verein, sobald der Episkopat indieser Beziehung über ein solches Bedürfniß sich ausgesprochen, alle Kräfteeinsetzen werde zur Gründung solcher, unter Umständen höchst nützlicherund heilsamer Institute.

Derselbe Gesichtspunct leitete die Abgeordneten bei der Verhandlungüber die wiederholt in Antrag gebrachte Gründung einer katholischenUniversität. Die Erhabenheit dieser Idee, so wie die Nothwendigkeit, sievon Zeit zu Zeit durch entsprechende Vorträge in den Versammlungenanzuregen und lebendig zu machen, anerkennend, waren doch Alle derAnsicht, daß von einer positiveren Thätigkeit zur Realisirung dieses Zweckesnicht die Rede seyn könne, ehe und bevor die Hochwürdigstcn BischöfeDeutschlands darüber sich ausgesprochen und znr Bethätigung aufgeforderthätten. Als einen der wichtigsten und segensreichsten Beschlüsse erachte ichden über daS MissionSwesen gefaßten und unverzüglich, so viel an derVersammlung lag, im Leben ausgeführten. In Anerkennung deS höchsttraurigen LooseS vieler tausend Katholiken, die in protestantischen Ländern,Provinzen, Städten und Dörfern zerstreut leben und oft Monate untJahre lang deS Trostes der Religion entbehren müssen, wurde der Antragauf Gründung eines eigenen deutschen MissionSvereineS, unbeschadet desbestehenden allgemeinen, unter dem Namen:BonifaciuS-Verein" milunbeschreiblichem Jubel aufgenommen; alsbald fanden nicht unbedeutendeEinzeichnungen momentaner und jährlicher Beiträge statt, Graf Josephv. Stolberg erklärte sich bereit, auf den allgemeinen Wunsch der Versammlung,die Leitung dieser hochwichtigen Angelegenheit zu übernehmen, und so dürfenwir mit Zuversicht erwarten, daß der junge Verein, der alsbald nachdem Beschlusse eine That geworden ist, schon in der allernächsten Zeit diereichlichsten Früchte bringen werde.