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9 (4.11.1849) 44
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Munter Jahrgang

4. November 1G4S.

Staat und Kirche. Trennung oder Ehe?

-j- Die Kirche besteht nicht bloß aus dem Klerus, sondern auch auSden Laien; der Staat nicht bloß aus den Beamten, sondern auch auSallen andern Ständen; guililmt ex populo gehört zum Staat.

Nicht guilillet ex populo aber gehört deßhalb auch schon zur Kirche,da der Staar nicht bloß aus Mitgliedern der Kirche besteht; jedes Mit-glied der Kirche aber ist zugleich Mitglied des Staates.

Derselbe Christ im Staate hat die Aufgabe, sich für daS ewigeLeben vorzubereiten, sich zu heiligen, und er hat die Aufgabe, seine Pflich-ten gegen die menschliche Gesellschaft im Staate zu erfüllen; derselbeMensch hat also eine überirdische und eine irdische Aufgabe; obwohl nurEiner, dient er doch zweien Herren; daß dieß ausführbar, ja sogarlöblich und Pflicht, hat unS die ewige Wahrheit selbst gelehrt:gebet demKaiser, waS des Kaisers, und Gott, was Gottes ist." Daß der Christ,weil im Dienste GotteS und weil in kirchlichen Dingen der Kirche (irnengeren Sinn, denn im weiteren bildet er selbst die Kirche mit) Unterthan,sich deßhalb nicht vom Gehorsam gegen den Staat losgebunden erachtendarf, lehret unS die heilige Schrift, indem sie uns ermähnt,unterthänigzu seyn der von Gott gesetzten Obrigkeit." Der Christ im Staate (dener im weiteren Sinn selbst mit bildet) hat demnach Pflichten gegen denStaat im engeren Sinn, d. h. gegen Gesetz und Beamte.

Der Christ muß wünschen und, so viel an ihm liegt, darnachstreben, daß ras Gesetz ein christliches sey, daß die Beamten christ-lich seyen; unter Gleichgesinnten lebt sich'S weit besser, und Alles,waS gedeihen soll, gedeiht besser; ist Gesetz und Beamtenthum (Staat imengeren Sinn) christlich und ist eS auch daS Volk (Kirche im weiteren Sinn),so ist die conoorclia saooiclotii et imperii zur Wahrheit geworden und siewird segenövoll wirken für den Staat und für die Kirche; überall undallzeit noch, wo sie gestört wurde, entstund Unheil für Staat und Kirche.

DaS WünschenSwerthe und Ideal also ist Einigkeit zwischen Staatund Kirche, res nnnimaa croseunt, dweordia -naanmcre e/r7a-

-ttrr/tt»-. Mehr als je tönt gerade in unserer Zeit an unser Ohr jenerührende und heilige Bitte unsers Herrn und Heilandes auS seinem himm-lischen Abschicdögebete:o seyd Eins, Eins, so wie auch ich und meinVater im Himmel Eins sind!" Also Ehe, keine Trennung!

Wie kömmt aber gerade heut zu Tage, gerade jetzt, wo der GeistdeS AntichristenthumS sich stolz und empörerisch aufbäumt, gerade jetzt, woklar ist, daß Heilung der Gegenwart und Rettung der Zukunft nur imChristenthum, nur in seiner Crstarkung und Wiederverherrlichung ruht,wie kömmt gerade in solcher Zeit, wo Staat und Kirche gemeinsam dengemeinsamen Feind zu bekämpfen sich verbinden sollten, dieser Drangund Ruf nach Trennung dieser beiden Reiche, die einig seyn sollten,wie Mann und Weib, innig verbunden, wie Seele und Leib, da man dochweiß, daß, wo Mann und Weib getrennt sind, die Kinder darunterleiden, daß, wo Leib und Seele sich trennen, der Tod eintritt?

Der Grund liegt darin, daß der Staat im engeren Sinn sich all-mälig zum modernen Heidcnlhum oder doch zur modernen Indifferenz zuneigen begonnen, daß er kühl geworden gegen die Kirche, weil in ihmselbst nicht mehr daS wahre, warme, kirchliche Leben ist; kurz, er hat nichtmehr Sinn und Herz für die Kirche so, wie sich'S gebührte, und dasfühlt die Kirche im engeren und jene im weiteren Sinn schmerzlich,sie ringt und sehnt sich nach Aenderung zum Besseren.

Wenn deS Mannes Liebe zum Weibe zu erkalten beginnt, ja, wenner sie sogar zuweilen mißhandelt, wenn er in Gefahr steht, der Verwil-derung zu verfallen, wie, soll daS Weib gleich auf Trennung drin-gen? Wird der Mann, einmal getrennt, dann nicht der Verwilderungganz verfallen und jede spätere Wiedervereinigung nur um so schwie-

riger seyn? Und werden nicht die Kinder bei dieser Trennung der Ehe! ebenfalls unvermeidlich leiben? WaS thut die Kirche, wenn ein Ehegattezu ihr mit dem Gesuch um Trennung von dem anderen tritt? Willigt sierasch ein? Nein; sie wendet Alles auf, die Trennung zu verhüten, undnur da, wo sie nicht zu vermeiden ist, willigt sie in dieselbe mit schwe-rcm Herzen und bittet und ermähnt, sich ernstlich vorzubereiten zurWiedervereinigung. Und wenn nun die Kirche aufträte und wollteTrennung vom Staat, oder der Staat, und wollte Trennung von derKirche, was würde Der sagen, welcher das unsichtbare Haupt der Kircheist und welcher im Moment der Einsetzung deS ewigen LicbeSmahles undSeines Ganges in den Tod für unS gefleht hat:v seyd EiuSl"?

Und wenn Kirche im engeren Sinn und Staat im engeren Sinnsich trennen, werden nicht die Kinder darunter leiden, nämlich daS Volk?

Wenn auch die Mutter (die Kirche) die Kinder zu sich nehmenwollte, werden sie ihr alle folgen? Und wenn sie auch alle beiihr blieben, sie haben doch keinen Vater mehr und müssen oft undin vielen Dingen deS Schutzes entbehren, den nur der Vater gebenkann!

Darum wäre cS löblicher, wenn Mann und Weib beisammenblieben, und einander stützten und ertrügen, und daß sie sichnur dann trennten, wenn kein anderes Mittel mehr übrig bleibt.

Ist eS aber zwischen Staat und Kirche wirklich schon so weitgekommen und sollte der Riß zwischen ihnen nicht mehr geheilt werdenkönnen?

Dieß bedarf vor Gott und der Welt der ernstesten, der gewissenhaf-testen, der ruhigsten Erwägung, der umsichtigsten Betrachtung aller Folgender Trennung; und hierüber möchten wir in diesen Blättern Stimmenvernehmen, viele, herzliche, besonnene, denn eS handelt sichum die wichtigste Frage deS Jahrtausendes!

DeS Glaubens Boden.

Erzählung auS den Papieren eines Seelsorgers.

(Schluß.)

Meines bedauernswerthen Bruders Erscheinen wäre allein schonhinreichend gewesen, mich auS meinem Frieden aufzustören, hätte cS auchunter minder verwickelten Umständen stattgefunden. Welch ein Widerspruchvon Armseligkeit und Hochmuth, von Trotz und Erniedrigung! Du bistzwar ein Priester, sagte er, aber hoffentlich Loch noch ein Mensch. Ichhabe mich zu dir geflüchtet, weil mir die Mutter Natur in ihrem blindentäppischen Treiben dich zum Bruder gegeben hat. Ich habe mich aufdeine Ehrwürden berufen, damit man mich nicht wie einen Vagabundenbehandelte. Du weißt, oder nein, du weißt es nicht, was der großeLessing sagte:DaS zahme Pferd wird im Stalle gefüttert und muß dienen;das wilde in seiner Wüste ist frei, verkommt aber vor Hunger und Elend."

Daß Zdenko offenbar im Fieber redete, daS zeigte die düstere Nötheauf seinen hohlen Wangen. Ehe ich ihn beruhigen und in meine Woh-nung bringen konnte, war schon ein neuer Zwischenfall eingetreten. DieKinder, die ihre Neugierde zur offenen Stubenthür geführt, waren überdie Schwelle geschlichen, und hatten sich unS ziemlich genähert, als Zdenkovon ungefähr seinen Blick auf Marietta wendete. Marielta schrie auf,barg sich hinter den Gespielen, und weinte; ihre Mutter, die oben denSchrei vernommen, eilte ängstlich über die Wendeltreppe herab, um nachdem Kinde zu sehen; unten angelangt, blieb sie von Schreck getroffenstehen, sie hielt sich am Geländer, sie zitterte heftig, und selbst Zdenkoschien seine Fassung verloren zu haben. Allein die Verwirrung sollte noch!höher steigen. Ein Wagen rollte rasch heran und hielt vor dem Hause.