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treten, damit Zdenko'ö Dazwischenkamt mein Glück und meinen Haus-frieden befestige.
WaS geschah mit Ludmilla? Marietta hing mit so zärtlicher Liebe anihrer Marianka und den übrigen Kindern, unv die Eltern waren ihr sosehr zu Dank verpflichtet, daß sie ihren Antrag nicht ablehnen konnte.Sie übersiedelten in ein schönes Landhaus, das lem Arzt gehörte, und woJohanna wohnte; hier ward ihr die Aufsicht über die gesummte Wirthschaftanvertraut. Besseres konnte sie sich gar nicht wünschen. Und so sprachsie auch zuweilen zu den Ihrigen: Kinder, gedenkt der Dinge, die ich euchgesagt, als unsere Herrin mit Fräulein Marietta in unser dürftiges HauSkam. Ich sagte euch damals voraus, daß sie in ihr prächtiges Schloßwieder einziehen und Euch Alle mitnehmen werde. Nun, in der Haupt-sache habe ich doch recht gesehen. Ihr seyd hier in einem schonen Land-hause, könnt im Garten spazieren gehen, habt reinliche und nette Kleider,und Semmeln statt deS schwarzen Brodes; auch lernt ihr, wenn ihr fleißigseyd, viel gute und nützliche Dinge. Aber bleibet nur dankbar gegen Gottund eure Wohlthäter, und werdet mir nicht hoffärtig und träge. Wie eSheute euch geht, wisset ihr; waS morgen geschehen kann, wisset ihr nicht.Denn Zeit und Weile sind ungleich.
Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen BernarduS.
(Fortsetzung.)
63. Gebot.
Sieben Hindernisse gibt eS, die uns vom Gehorsame gegen GotteS Gebote abhalten. Das erste Hinderniß ist der Bedarf unsers elen-den Leibes, der Schlaf, Speise, Kleidung und AehnlicheS verlangt unduns dadurch ohne Zweifel häufig an geistlicher Uebung hindert. Zweitenshindern unö die Fehler deS Herzens, Leichtsinn, Verdacht, Ungeduld,Neid, Lobsucht und diesen ähnliche, welche wir täglich an unS erfahren.Als drittes und viertes Hinderniß nimm an Glück und Unglückdieser Welt. Denn gleichwie der Leib, der verweSlich ist, die Seele be-schwert: so drückt der irdische Wohnort den Sinn darnieder, der an Vielesdenkt. Das fünfte Hinderniß ist das schwerste und gefährlichste, näm-lich unsere Unwissenheit. Denn in vielen Dingen sind wir ganz un-gewiß, was wir thun sollen, so, daß wir nicht einmal, wie wir sollen, zubeten wissen. DaS sechste Hinderniß ist unser Widersacher, der wieein brüllender Löwe herumgeht, suchend, wen er verschlinge. Und wennwir auch von diesen sechs Widerwärtigkeiten befreit würden, möchte unsdoch daö siebente Uebel nicht berühren, und uns keine Gefahr unterfalschen Brüdern ergreifen! Wenn doch allein die bösen Geister unsanfallen würden mit ihren Versuchungen, und nicht auch böse MenschenunS schaden würden durch verderbliche Beispiele, durch gewaltsame Ueber-redungen, durch schmeichelhafte und ehrabschneiderische Worte und tausendandere Arten der Verführung!
64. Geburt Christi.
Zweierlei Dinge betrachte ich in der Geburt deS Herrn, die nichtnur verschieden, sondern auch einander sehr unähnlich find. Denn derKnabe, welcher geboren wird, ist Gott , und die Mutter, von der ergeboren wird, ist eine Jungfrau; und die Geburt selbst ist ohne Schmerz.
65. Geburt deS Menschen.
Zu jenen eile ich, die durch den Tod deS LeibeS aus der Weltgingen. Wenn ich ihre Gräber betrachte, finde ich in denselben nichts,als Asche und Würmer, Gestank und Schrecken. WaS ich bin, das sindsie gewesen, und waS sie jetzt sind, werde ich seyn. WaS bin ich? EinMensch aus flüssiger Feuchtigkeit. Denn ich bin im Augenblicke der Em-pfängniß von menschlichem Samen empfangen. Dann ist der geronneneSchaum durch einiges Wachsthum Fleisch geworden. Darauf bin ichweinend und klagend dem Verbannungöorte dieser Welt übergeben worden:und siehe, nun sterbe ich voll Sünden und Abscheulichkeiten.
66. Gedanken.
Wie der Gedanke an die Sünde entfärbt, die Begierde verwundet,so tödtet die Einwilligung die Seele ganz. Hüten wir unS also vorunnützen Gedanken, damit das Angesicht unserer Seele schön bleibe. Wennaber doch manchmal ein schädlicher Gedanke in das Gemüth sich einschleicht,arbeiten wir mit aller Sorgsamkeit, den Schmutz schneller abzuwaschen undauszukratzen, ehe wir uns ganz beschmutzt sehen, indem wir mit dem Psal-misten rufen: „Besprenge mich mit Hyssop, so werde ich gerei-niget: wasche mich, so werde ich weisser, als der Schnee."
Ein Geschäft der Teufel ist eS, böse Gedanken beizubringen, unserGeschäft, sie auszuweiden.
Wie ein Abgrund nicht ausgeschöpft werden kann, so kann auch daSHerz des Menschen von seinen Gedanken nicht ausgeleert werden, sondernmit beständiger Regsamkeit treiben sie sich darin herum. „Ein großesMeer ist das Herz, daS ausbreitet seine Arme, daselbst istThiergewimmel ohne Zahl, Thiere, klein und groß." Denngleichwie das Thiergewimmel im Verborgenen kriecht, und in Krümmun-gen und Windungen bald da bald dorthin kommt; so gehen u» GewissendeS Menschen schädliche Gedanken ein und aus. Dieses kannte sehr wohlJener, der da sagte: „Aller Menschen Herz ist böse und uner-forsch lich: wer durchschaut eS?"
Gleichwie eine mit Luft angefüllte Blase zerplatzt, so bricht auch einmit eiteln Gedanken angefülltes Herz in starkes Gelächter aus.
67. G ed u l d.
BeideS bist du mir, Herr Jesus , sowohl ein Spiegel im Leiden alsauch der Lohn deS Leidenden. BeideS fordert zur Tapferkeit auf und ent-zündet dieselbe. Du lehrest meine Hände den Kampf deiner Tapferkeit:du krönest nach dem Siege mein Haupt mit der Gegenwart deiner Herr-lichkeit.
Wahre Geduld ist Leiden oder Thun gegen daS, was gelüstet, abernicht gegen das, waS erlaubt ist.
Ertrage Alles für Gott, der für dich Größeres ertragen hat!
Wahre Geduld wird nicht erworben und bewahrt, außer durch tie-feste Demuth.
Die Ungeduld ist daS Verderben der Seele. „Jene, welche dieAnfechtungen in der Furcht deS Herrn nicht angenommen,sondern ihre Ungeduld und die Schande ihres Murrens vorden Herrn gebracht haben, die sind von dem Nerderber ver-tilget und von den Schlangen getödtet worden."
68. Gehet m n i ß.
Drei Dinge sind verborgen, eine unerlaubte Handlung,eine hinterlistige Absicht und eine schaamlose Begierde. Eineschlechte That befleckt das Gedächtniß, eine hinterlistige Absicht denVerstand oder daS Gemüth, eine unverschämte Begierde den Willen.Gereiniget wird das Gedächtniß durch die Beicht, daS Gemüth durchLesung, der Wille durch Gebet.
69. Gehorsam.
Weder die Mühe einer guten Handlung, noch die Ruhe heiligerBetrachtung, noch auch die Thräne deS BüßerS können außer dem Gehor-sam bei dem angenehm seyn, der einen solchen Gehorsam hatte, daßer lieber das Leben, als den Gehorsam verlieren wollte, „indem er ge-horsam bis in den Tod."
Der vollkommene Gehorsam kennt kein Verbot; er wird nicht einge-schränkt durch Gränzen, und ist nicht eingeengt durch Ablegung der Ge-lübde, sondern sein freigebiger Wille fliegt hinaus in die Breite der Liebe,und die Schwungkraft der Seele dehnt sich auS in unendliche Freiheit.
Der Gehorsam, der den Vorgesetzten geleistet wird, wird Gott geleistet. WaS daher ein Mensch an der Stelle GotteS befiehlt, daS istso anzusehen, als befehle es Gott, wenn eS anders nicht gewiß ist, daßeS ihm mißfalle. Denn waS ist für ein Unterschied, ob Gott durch sichoder durch seine Diener, ob er durch Engel oder Menschen unS seinenWillen kund gibt?
70. Der heilige Geist.
Der Geist haßt den Schmutz, und wohnt nicht in einem Leibe, derden Sünden untergeben ist. Denn wem es eigen ist, die Sünden zu ver-treiben, dem ist eS auch eigen, die Sünden zu hassen, und nicht in EinemHause zugleich weilen Reinigkeit und Unreinigkeit. Wenn also Jemandden heiligen Geist empfangen hat durch die Heiligmachung, ohne die Nie-mand Gott anschauen wird, darf ein solcher eS wagen, vor seinem Ange-sichts zu erscheinen, als gewaschen und gereiniget, der zwar seine Hand-,lungen, nicht aber seine Gedanken bezähmt hat? Weil aber verkehrte undunreine Gedanken von Gott trennen, so muß man beten: „Ein reineöHerz erschaff in mir, o Gott, und den rechten Geist erneuerein meinem Innern. Verwirf mich nicht von deinem Ange-sichts, und deinen heiligen Geist nimm nicht von mirl"
71. Geist deS Menschen.
Gleichwie die Seele in den Augen sieht, in den Ohren hört, mitder Nase riecht, mit dem Gaumen schmeckt, mit dem ganzen übrigen Kör-