Ausgabe 
9 (11.11.1849) 45
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die Vorrechte deS heil. Stuhles find, werden einen noch weit ehrwürdigerenCharakter annehmen, wenn sie niedergelegt zu den Füßen des höchstenKirchen Oberhauptes, seine Bestätigung und seinen Segen erhalten haben.

Die Wiedereinführung der Synoden ist eine Folge der Provincial-Concilien. Sie repräsentiren die Einheit der Diöccse. Die Gewalt derBischöfe stützt sich in derselben auf die Eintracht der Herzen und auf eineheilige Gemeinschaft der Gedanken und Gefühle, die ihm Liebe und Achtungsichern. Im Schooße der Synode ist es, wo jeder Bischof nach denVorschriften deS heiligen Concils von Trient seiner Diöccse die auf demProvincialconcil gefaßten Beschlüsse ordnungsmäßig bekannt macht.

Ihr werdet auch ohne Zweifel in dieser unserer ersten Versammlungeinige zu erinnern haben, welche zu vergessen scheinen, daß daS RegierungS-amt in der Kirche den Bischöfen zukommt. Diese sind die Häupter deöKlerus und der Gläubigen. Die Capitel kommen ihnen zu Hilfe mit ihremGebete und ihrem Rathe. Die Pfarrer sind ihre Stellvertreter bei deneinzelnen Heerden, welche durch die ganze Diöccse zerstreut sind.

Die übrigen Priester sind ihre Kinder und zugleich ihreBruder und Mitarbeiter. WaS gibt eS herrlicheres und dauerhaftereS, als solch eine Constitution, die durch Ein Glied die Pfarre nut derganzen übrigen Diöccse, die Diöccse mit der Metropole, die Metropole mirder Mutter und Königin aller Kirchen innigst vereint, und die auS demhöchsten Kirchenhaupte, den Bischöfen, den Priestern und den Gläubigeneinen Körper bildet, der gleichsam nur Ein Herz und Einen Sinn hat!

Irrthümer, welche die Grundlagen der Religion und der Gesellschaftberühren, werden die gerechte Strenge und Verdammung durch das Con-cilium erfahren. Einige dieser Irrthümer stürzen die Grundsätze der Gerechtigkeit um, andere die der Liebe. Auch einige mystische Irrthümer,die sich in unsern Diöcesen Geltung verschaffen wollen, werden unsereWachsamkeit in Anspruch nehmen.

Die Eintracht der Geister und Herzen wird auch die äußere Einigkeit herbeiführen, und diese findet ihre Vollendung im Glauben. Sie mußsich aber auch zeigen in den Gebräuchen und Ceremonien . Ihr werdetdaher, ehrwürdige Brüder, dahin arbeiten, daß letztere durchgeführt werde,dadurch, daß ihr unsern Diöcesen allgemeine Vorschriften gebet, denen au»euerer Uebereinstimmung großes Ansehen erwachsen wird.

Jede Autorität muß, wenn man sie achten soll, auch geregelt seyn.Willkür und Mißbrauch der Gewalt werden von dem Geiste und den Ge-setzen der Kirche gleichmäßig verworfen. Wir werden in diesem Geisteund im Sinne dieser Institutionen mit unsern Urtheilen Billigkeit, mitunserer Amtöverwaltung Weisheit, und mit der Macht Mäßigung undBarmherzigkeit in Verbindung bringen.

Wie ihr wißt, ehrwürdige und geliebte Mitbrüder, gereichte derKirche die Wissenschaft ihrer Diener von jeher zu besonderem Glänze

Heut zu Tage thut eS Noth, daß diese Wissenschaft kräftiger undausgedehnter sey, denn je, vermöge der Verhältnisse, in denen wir leben.Wir stehen nicht mehr in jenen Tagen deS Glaubens, wo die Elementeder theologischen Wissenschaften dem Priester genügten, um seinem Charak-ter Achtung zu verschaffen. Die Entwicklung deS menschlichen Geistes inmancherlei Beziehungen, die Verbreitung gewisser zum Theile wahrer, zumTheile falscher Ansichten, ja die Natur der Angriffe selbst, welche der Un«glaube gegen die Religion richtet, machen die Nothwendigkeit gründlichenWissens zur dringendsten. Ihr werdet vielleicht bemerken, baß hie und dadie theologischen Studien einer Verbesserung bedürfen. Denn dadurch, daßwir Priester bilden, die eben so ausgezeichnet sind durch Frömmigkeit alsdurch Wissenschaft, sichern wir am besten die Heilkraft der Kirche, arbeitenwir für daS allgemeine Wohl, und thun daS, was in diesem AugenblickeVielleicht wohl das Wichtigste ist.

Die meisten Uebel für die Gesellschaft entspringen auS der schlechtenKindererziehung, der schlechten Erziehung in der Familie, und nur zu oftauch in der Schule. Wenden wir auch nach dieser Seite hin unsere Sorg-falt, und trachten wir dahin, daß ein religiöser Geist Familie und Schuleimmer mehr durchdringe. Welchen Dienst würden wir der Kirche und derGesellschaft erweisen durch Gründung von Anstalten, in welchen die Ju-gend, vor Gefahren gesichert, in Frömmigkeit, ohne welche eS keine wahreWeisheit gibt, erzogen würde, durch Vermehrung der guten und gotieS-fürchtigen Lehrer, und durch Heranbilvung einer neuen Generation, diedurchdrungen von dem Bewußtseyn und den Grundsätzen deS Glaubens,sich unterscheiden wird von den jetzigen Generationen ohne Glauben undohne Ueberzeugung, deren schwankender Geist dem Andringen der verschie-densten Meinungen Preis gegeben ist, und mit denen man nie im Standeseyn wird, für den Ruhm der Kirche oder den Frieden der Welt etwasdauerhaftes zu stiften.

DaS Ziel also, daS wir uns hier vorgesetzt haben, ehrwürdige Väterund geliebte Brüder, ist ein großes und heilbringendes. Um dieses zu

erreichen, haben wir nichts versäumt, weder von dem, waö die heiligeKirche vorschreibt, noch von dem, was die Klugheit gebietet. Wir badenausgezeichnete Männer in unsere Mitte berufen, deren Weisheit und Fröm-migkeit sie unserm Vertrauen gleichmäßig empfehlen; tiefcenkende Theologenund Eanonisten sind bereit, uns in allen Fragen, die einige Schwierigkeithaben könnten, mit ihren Einsichten zu Hilfe zu kommen. UebrigenS ver-gessen wir nie, daß alle VorstchtSnahmen fruchtlos, alle unsere Hilfsmitteleitel seyn würden, wäre Gott nicht in unserer Mitte. Nein, meine ehr-würdigen Väter und geliebten Mitarbeiter, wir für uns allein vermögennichts; aber wir vermögen Alles in dem, der" unsere Hoffnung undunsere Stärke ist; wenden wir uns während unserer Arbeiten unaufhörlichzu ihm. LXffnen wir unsere Herzen seinen Eingebungen, und so vereinigtmit Gott und einig unter uns selbst, werden wir die Hindernisse besiegen,welche sich uns in den Weg stellen, und welche die Erreichung diesesGutes, das wir um der Ehre Gotteö und des Heiles unserer Brüderwillen, anstreben, vereiteln könnten.

Reisebetrachtungen.

/ Im Oct. 1849. ES ist eine vortreffliche, ganz naturgemäße Ein-richtung, daß Lehrern und Schülern nach langen Mühen auch eine Zeitder Erholung geboten wird. Und diese Zeit der Ruhe ist, recht angewen-det, durchaus kein Stillestehen im Gebiete der Tugend und deS Wissens;sie ist es vielmehr, welche die unentbehrliche Ergänzung herbeiführt. Eserwächst in der That für den Schüler, um nur von diesem zu sprechen,in und mit dieser Ferienzeit eine neue Aufgabe. Schule und Leben begeg-nen sich hier. Ein jegliches macht sich geltend, und eS braucht nichterwähnt zu werden, von welchen verschiedenen Folgen eS seyn könne, wennSchule und Leben sich friedlich begegnen, einander fördern und heben, undso die beabsichtigte Vollendung in dem jungen Menschen herbeizuführen sichanschicken, oder wenn sie einander bekämpfen, und vernichtenden Einflußgegenseitig auszuüben streben. Die Schule nähre sich an dem Leben, dasLeben finde ihr seine Regelung.

Wer mühsam zu Fuß auf der Reise sich fortschleppt, oder in einemEil- oder Stellwagen eine oder mehrere Nächte durchführen mußte, wirddem menschlichen Geiste für die staunenSwürdige Erfindung der Eisenbahn-fahrten Dank wissen. Vermittelst dieser Gelegenheit war ich nach Kauf-beuern gekommen, und halle dort im Bahnhöfe die Freude, einen mir vonfrüher her werthen Freund zu treffen, der ebenfalls von Ferne kommend,mir die Absicht seiner Reise sogleich dahin erklärte, daß er bei der am fol-genden Tage in Psorzen bei Kaufbeuern stattfindenden Primize als Diaconsich beiheiligen wolle, und da ich dem Primizirenden ebenfalls auS frühe-rer Zeit nicht unbekannt war, so entschloß ich mich, an seinem Feste Theilzu nehmen. Ick unterlasse eS, die schonen Veranstaltungen zur Verherr-lichung der Festseier hier zu erwähnen; mich drängt eS, auf die Haupt-sache hinzudeuten. Eine große Anzahl von Christgläubigen hatte sich ein-gesunken, der Feier beizuwohnen. In dem Angeflehte Aller drückte sichsehnsüchtiges Erwarten der Feier, und bei der Dauer derselben andächtige,glaubenSvolle Hingabe an dieselbe auS. Wie horchten sie auf die Wortedes frommen, begeisterten Redners! welche Seligkeit, welch' himmlischerFriede sprach sich in ihnen auS, alö daS heilige Opfer begann, und dieTöne der Musik daS Herz zu andächtigen Gefühlen stimmten! o welcheFreude für den Freund des Christenthums! tief wurzelt in diesen biedernOberländern des SchwabenlandeS der Christusglaube; nicht leicht schließtsich eine Cbristenseele mit solcher Hingabe für Christi Wort auf, wie eSbei diesen Oberländern zu sehen ist, und wenn auch die Wühler in politi-schen Dingen manchmal hierlandcS leider! ein bereitwilliges Ohr fanden:die Reinheit ihres Glaubens zu trüben, wird ihnen nicht gelingen. DaSVolk erscheint bei solchen Primizfeierlichkciten in der That als geschmückteBraut; denn eS weiß, daß der neugeweihte Priester daS christliche Volk,die Kirche sich zur Braut gewählt, und somit Christum Jesum den unsicht-baren Bräutigam auf Erden darstellt. Zum großen Aerger mancher läßtsich auch hier sehen, daß daS Volk seine Priester, eben auf der oben berühr-ten Vorstellung fortgehend, noch liebt; und läßt sich auch da und dort,nicht gerade selten, ein Tadel über Seelsorger vernehmen, so ist, abgesehendavon, daß er persönliche Eigenschaften eines Priesters betreffend hie undda gegründet seyn mag, derselbe, in so fern er auS dem Munde der Pfarr«kinder kommt, oft nicht so hoch anzuschlagen. Unter diesem Tadel ist dieLiebe doch nicht erloschen, wie dieses gleichnißweise auch bei einander sehrgeneigten Eheleuten öfters wahrzunehmen ist; und auch daraus erkanntwerden kann, daß ein Fremder nicht leicht eben so tadelnd sich über denOriSgeistlichen auSlassen dürfte. Gegen Abhaltung von Primizen habensich indeß schon viele Stimmen, und nebenbei sehr competente, erhoben.