Ausgabe 
9 (2.12.1849) 48
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Neunter Jahrgang.

Fürst v. HoherUohe.

Bon der Sill, 22. Dec. An ihm hat die Kirche einen Glau-benShelven und einen gewaltigen Beter, die Fürsten haben an ihm einentreuen Freund, der ihnen die Wahrheit nicht verhehlte, die Völker habenan ihm eine liebende, mahnende, warnende Stimme, die leidende Mensch-heit hat an ihm ihren warmen Freund, ihre Stütze, ihre Hilfe verloren.Als solcher war der muthige Kämpfer allen Feinden der Kirche und derMenschheit ein Gegenstand des Hasses und der Verfolgung; darum sind siefroh, seiner loS geworden zu seyn. Aber er wird als verklärter Freund"Gottes noch thätiger und kräftiger wirken für daS wahre Wohl Alles,auch seiner Feinde, als er eS in seiner allumfassenden, gränzenlosen Liebein diesem Leben gethan hat; und wenn alle seine Gegner spurlos und ver-gessen in vie Grube gesunken seyn werden, wird sein Andenken ruhmvollund gesegnet unter den Völkern leben, fortwährend noch Gutes wirkendneben dem Fluche des Aergernisses, welches die Feinde des Glaubens aus-zusäen nicht müde werden.

ES gibt zwar im Leben dieses Fürsten sehr viel, waS merkwürdigund wunderbar ist; waS aber gerade für ^diesen Moment seines Hinschei-denS sehr auffallend erscheint, ist der Schluß jener Leichenrede, welche derFürst selbst am 28. November 1836*) zu VoSlau, wo er nun gestor-ben ist, und seine Ruhestätte gefunden hat, seiner frommen Mutter an ihremGrabe gehalten hat. Diese Schlußworte lauten also: Und nun zpmSchlüsse eine Bitte an Sie, hochwürdiger Seelsorger dieserPfarrgemeinde! Lassen Sie auch mir eine Ruhestätte nebender Gruft der theuern Mutter bereiten! VöSlau's Kirchhofsey von nun an für mich ein vielbedeutender Markstein fürdieß vielleicht noch kurze Leben; er erinnere mich an jenenSpruch:Für dich: bis hieher, und nicht weiter für diesesLeben!" Klingt dieß nicht, als wenn der große Dulder gerade deß-halb so plötzlich aus unserer Mitte, wo er fern von der Heimat eine Zu-flucht gefunden, dorthin eilen wollte, um diese Ahnung und sein eigenesWort zu erfüllen? (Kath. Bl. a. T.)

Die Ungleichheit der menschlichen Stellungen. **)

(Theilweise nach einem Vortrage Lacordaire's.)

Den Menschen unterscheidet vom Engel daS Bewußtseyn, daß undwo der Schuh ihn drückt. Dieser Schuh ist für gar Manche nur der alteBundschuh der gemeinen Erdenpilger***); oder mit andern Worten: Vielenerscheint ihr niedriger Stand, oder überhaupt die Ungleichheit der mensch-lichen Stellungen als der Rad- und Hemmschuh ihres Glückes. Währendder Eine reich ist und schwelgt, darbt der Andere und leidet mit denSeinen empfindlichen Mangel. Aber der Mensch forscht auch nach denUrsachen der Dinge; und dieß unterscheidet ihn von den Thieren. Eskann daher nicht befremven, wenn er, wie schon der alte Seher gethan(Irrem. 12.), nach dem Warum solcher Ungleichheit fragt. Die Erkennt-niß davon soll dann den praktischen Nutzen bringen, daß sie die Mittelund Wege zeigt, die Uebelstände aus dem Grunde zu curiren oder dochminder empfindlich zu machen. Eine Abhilfe ist aber um so nöthiger, alsdie Menschen, die zur wechselseitigen Liebe berufen sind, durch jene Un-

*) Gedruckt bei den P. P. Mechitaristen zu Wien 1837.

") Aus dem österreichischen Volksfreund.

*'*) Der Bundschuh war das Feldzeichen der Proletarier im löten Jahrhunderte,als Gegenstück zum Ritter-Stiefel.

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> gleichheit in unversöhnliche Parteien entzweit werden. Woher aber entsteht!die große Verschiedenheit ihrer Stellungen? Und wie ist derselben abzu-helfen? Anders wird hierüber der»christliche, anders der religiös erleuch-tete Geist sich auSsprechcn.

? Am grellsten tritt die Einseitigkeit deS Urtheils bei den Heiden her-vor. Da sie die Einheit deS Menschengeschlechtes nicht kannten, und dieVölker alS bloße Gebilde oder Gewächse deS Bodens betrachteten, auf demdieselben heimisch waren, trennten sie die Menschen, wie die Gebiete, un-tviederbringlich von einander. Der Fremde galt ihnen als Feind, bloßrpeil er ein Fremder war. Diese Scheidung setzte sich in dem Innern derVölker selbst fort. So stehen bei den Jndiern oder Hindu die Kasten schroffund unversöhnlich einander gegenüber, weil nach ihrer Lehre die höherenauS den ediern Theilen", nämlich aus dem Haupte und der Brust deSGottes Brahma, die niedern hingegen auS den minder edlen, nämlich denFüßen, entsprungen seyn sollen. Auch den gebildeteren Griechen und Rö-mern war der Mensch nichts als ein Erzeugniß der Natur, welche sie alsdie Eine, allseitig thätige erkannten. Aber ungeachtet des von ihnen be-wirkten Cultur Fortschrittes, ließ diese falsche Einheit die wahre nicht auf-kommen. Nur eine gewisse Vereinfachung kam zu Stande: die Menschenzerfielen in Herren und Sclaven. Einer der größten heidnischen Denkererblickt, auf seinem befangenen Standpuncte, in dieser Unterscheidung sogareine strenge Nothwendigkeit. Aber selbst in unsre Zeit ragt diese Befan-genheit deS Denkens noch herein. Denn wie beschränkt ist nicht die Denk-weise, die zwischen edlerem und unedlerem Blute unterscheidet, und dieächte Menschenwürde kaum erst beim Baron beginnen läßt?

Anders lautet die Lehre des Christenthums. Kinder GotteS seyd ihr,ruft sie den Menschen zu, und daher gleich vor Gott . Der Natur nachaus Einem Stamme entsprossen, dem Geiste nach mit derselbe» sittlichenAnlage begabt, seyd ihr überdieß gleichgemacht durch die sühnende KraftdeS für Alle vergossenen Blutes deS ErlöserS. Von nun an, hat der Apo-stel gelehrt, gibt eS nicht Juden und Griechen, nicht Herren und Knechtemehr. Denn ihr seyd Alle Eins in Christo, d. h. weder die Verschieden-heit der nationalen Abstammung, noch jene der Stellungen, die ihr in derGesellschaft einnehmt, kann mehr ein Grund seyn, euch zu trennen. AuSEinem Adam geboren, seyd ihr in Einem Christus wiedergeboren. Dietrügerische Bosheit, die ein Affe der Wahrheit ist, hat sich dieser Lehrevon der Gleichheit in ihrer Weise bemächtigt. Früherhin, etwa seit andert-halb hundert Jahren, hatte sie daS irdische Leben und Wohlergehen alsdie ganze Wirklichkeit und daS einzige Gut gepriesen. Nachdem sie dasEvangelium verhöhnt, und dasselbe als trübsinnig, finster, übcrschwäng-lich und schwärmerisch in Verruf gebracht, sprach sie zu den Menschen:Naturwesen seyd ihr ganz und gar. Wie mag daher der volle Genuß derNatur euch verkümmert werden? oder wie darf man seinem eigenen Wesenfeind seyn? Aller Genuß aber hängt von einer glücklichen Stellung unddem Reichthum ab; nach diesen also müsset ihr streben. Kein Wunder,daß den Menschenkindern diese Lehre gefiel. Aber einmal auf den BodendeS bloß thierischen Lebens gestellt, erging eS ihnen wie der übrigen Thier-welt; sie theilten sich in Fresser und Gefressene, in Keiler und Heuler.Mit räuberischen Händen rissen dte Mächtigen alles an sich, und vergaßendie Pflicht, die klaffenden Wunden ihrer Mitbrüder zu heilen. Nachdemso der Grund oder vielmehr der Abgrund für die Entwürdigung deS Men-schen tief genug geworden, traten die Jrrlehrer neuerdings vor die Menge,aber jetzt als Wölfe im heiligen Gewände. Mit salbungsvoller Mieneund im Tone deS Evangeliums riefen sie: Wahrlich, wahrlich sagen wireuch: alle Menschen sind gleich. Die Höhen müssen erniedrigt und dieThäler ausgefüllt werden. Daher muß Jedem, der da hat, genommenund dem gegeben werden, der Nichts hat. Alle haben daS Recht deögleichen Besitzes. Es ist daher eure Pflicht, die gleichmäßige AuStheilung