Ausgabe 
9 (2.12.1849) 48
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die ticfeitenide Wunde im Katholicismus WienS zu Tage, die nicht ehervernarben wird, bis nicht ein entschiedenes Borangehen in der katho-lischen Sache den Muth der Bürgerschaft wieder neu belebt, so lange nichtein großartiges politisches Tagblatt, gefördert von Allen, wel-chen noch Glaube, Sitte, Recht und Eigenthum dem nur mit Müheniedergehaltenen Socialismus gegenüber heilig ist, die Interessen der Kircheim socialen wie politischen Leben mit Freimuth und Festigkeit vertritt; dennes ist hohe Zeit, daß die katholische Kirche, gegen die sich alle wie immergefärbten Journale feindlich vereinigen, in der Ocffentlichkeit zur Machtwerde, wie wir dieß in Frankreich bemerken. Weinerlicher OuietiSmuSist eben so nichtSwürdig und verderbenbringend, als wilvanstürmenderFanaliSmuS. Vieles hätte freilich sülS katholische Leben und Wirkengeschehen können, wenn Plenarversammlungcn deS Kalholikenvereins alleBezirke hindurch gehalten worden wären. WienS katholische Bürgerschaftvermißte sie schmerzlich und wünschet sehnlichst deren Wiedereröffnungherbei. Manche Kraft wäre dem Vereine gewonnen und erhalten worden,die Plenarversammlung würde in so mancher ernsten Sache nicht mitWorten gespielt, sondern ein aufrichtiges, offenes Wort in die Wagjchaalegelegt haben. Als einziges Lebenszeichen des Vereines ist unS, außerdemtrefflich redigirtcn Vereinsblatte, eine Vertrauens- und BeileidSaLressc be-kannt, welche eine namhafte Anzahl von VereinSmitgliedern an den ausdem AuSschusse und der Redaction ausgeschiedenen Dr. Hock gerichtet,und in der vornemlich die Bitte enthalten ist,sich auch fernerhin an derkatholischen Sache mit gewohntem Freimuthe zu betheiligen." Wie gernewürde es der Verein gesehen haben, wenn der für die Dauer des Bela-gerungszustandes bevollmächtigte AuSschuß zur Generalversammlung derkatholischen Vereine nach Regensburg Abgeordnete auS seiner Mitte ge;andt,oder wenigstens ein enthusiastisches Begrüßungsschreiben übermittelt hätte!Vielleicht wäre uns nicht die tiefe Beschämung geworden, Linz den Rangals nächsten Vorort abtreten zu müssen! Wann wird denn endlich einmaldas Wort unseres gefeierten Veith zur That werden:Der Oesterreich«!ist im vollsten Sinne Deutscher , er ist aber auch Katholik; und derinnige Anschluß der Katholiken in Oesterreich an jene in den übrigen Ge-bieten Deutschlands kann ihnen nicht andekZ^alS zur freudigen Erstarkunggereichen." (Siehe Aufwärts Nr. 7.)^/

Alles bisher Gesagte zusammengehalten, darf es uns nicht Wundernehmen, wenn das katholische Leben in Wien dem Ersterben nahe ist, unddie Feinde der Kirche über die Ohnmacht und Halbheit im katholischenHeerlager jubeln.Nur die katholische Macht wirb Europa retten!" Dießist die unüberwindliche Ueberzeugung, die unS Bürgern Veith in seinenKanzelvorträgen seit Jahren eingeprägt.

Dieß und nicht mehr wollte Ihnen, Herr Redacteur ! ein Wiener-bürger schreiben, einerseits um die Lahmheit seiner Mitbürger in Etwaszu entschuldigen, andererseits aber, um unsern deutschen Mitbrüderndurch ihr Organ zu sagen, daß unS, d. h. denjenigen, die einmal für dieWahrheit einzustehen sich entschieden haben,weder Tod noch Leben, wederEngel noch Mächte, noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünf-tiges, weder Stärke, weder Höhe noch Tiefe, noch irgend ein Geschöpfzu scheiden vermag von der gegenseitigen Liebe, die da ist in Christo Jesu!"(Röm. 8, 38.)'

Die Schulmeister.

(Von einem praktischen Schulmann.)

Unter den Handlangern und Kärrnern der Revolution ist eS denSchulmeistern am übelsten ergangen. Mußten sie früher in der Komödieund dem Romane als Magister Zwack, als Wehmeier und Agesel figuriren,wurden sie von den Gelehrten über die Achsel angesehen und von demKlerus unter dem Daumen gehalten und zu Ersterem gaben nichtwenige von ihnen daS Muster, zu Letzterem zureichenden Grund, sokommt nun noch der Schulmeister-Wühler und Freischärler hinzu, zuden Gerüchlein der Geruch! Wer hat aber den Schulmeister dazu heran-gezogen? Wer hat ihn zumUnbefriedigten", zumWeltschmerzler" gestem-pelt? Die Art und Weise seiner Bildung, die dem Zeitgeist angehörte,welcher die jetzige Fäulniß erzeugt hat. Man sehe einmal nach, was diejungen Leute während ihrer zwei Jahre als Seminaristen erlernen sollen!Von dem Baume der Wissenschaften können nur einzelne Blätter gepflücktwerden, und den Absud davon erhält dann der Schulknabe. So werdendenn die Köpfe, statt aufgeklärt, verwirrt, die hergebrachte Denk- undEmpfindungsweise zertrümmert, und damit alle Pietät entwurzelt; ohnePietät aber gibt eS kein schönes Familien-, Gemeinde- und StaatSleben.

Nur einige Belege. Wenn ein Knabe von 10 bis 14 Jahren demHausvater dreinreden will, so fertigt ihn dieser mit einem kurzen:DaS

verstehst du noch nicht" ab; derselbe Knabe aber erörtert in der Schulemit dem Lehrer die Landesverfassung und diScntirt mit ihm die besteStaatSform! Wohin muß DaS nothwendig führen?

Was mürben Eltern dazu sagen, wenn sie sehen müßten, wie ineinem Kreise von 40 80 Kindern sich eines anSzöge, und an seinemjungen Leibe zuerst Kopf, Rumpf und Glieder unterschiede, dann die TheiledeS Kopses und Rumpfes, wie eS die siebente Rippe als die Gränze derBrust- und Bauchhöhle zeigte, und endlich erklärte, was sich in der Brust-und Bauchhöhle befindet? Nun, in der Schule geschieht Dieß; zwar ziehtsich kein Kind aus, aber sie lesen oder hören die Beschreibung deS mensch-lichen LeibeS, und die Phantasie kann ja nicht anders, sie muß daS nackteBild vor die Augen dcö Geistes stellen. So wird die sittliche Einfalt deSKindeS untergraben, nachdem man den einfältigen kindlichen Gehorsam,den Grundstein jeder Tugend, aus seinem Boren gewühlt hat.

Der Inbegriff jedoch von allen Sünden der modernen Schule ist derSprachunterricht, wie er nach irgend einerEprachdcuklehre" ertheilt wird.JnS Nähere darüber mag ich gar nicht eingehen, so wenig eS mir einfällt,die Unterschiede zwischen Mensch und Affe nachzuweisen; denn so ungefährverhält sich diese Art, die Sprache zu behandeln, zu der cdeln Grammatik,die aber nicht in die Elementarschule gehört.

Will man die nächste Generation vor dieser sündhaften Ueberreizung,dieser bis in daS Mark des Geistes abschwächenden Frühreife retten, sofange man damit an, wenigstens die zu Lehrern auf dem Lande, die zuDorfschulmeistern bestimmten Jünglinge anders, d. h. zu ihrem Berufezu erziehen. Ein Seminar dieser Art sey zugleich eine landwirthschaftlicheSchule, denn der künftige Lehrer soll unter Bauern und als Vorbild derBauern leben. Man dolire die Dorfschule, wo eS nur immer angeht,theilweise mit Land; zwei Jauchert wenigstens kann ein Lehrer anbauen,wenn man ihn nicht mit unverdautem WifsenSquark und unmöglichen undeben darum unsinnigen Anforderungen plagt. Eine Dorfschule ist eine sehrgute, wenn die Kinder in derselben mit Fertigkeit und Verständniß lesen,schreiben, rechnen, und die Kirchenlieder ordentlich singen lernen; wer fürseine Kinder mehr will, findet die geeigneten Anstalten.

Dann ist der Lehrer keine Abart von Professor mehr, sondern, waSer seyn soll, ein Meister in der Schule; er wird dann auch nicht denHerrn" im Gegensatze zum Bauer spielen, denn Herrcnkleider paffen nichtzur Feldarbeit, wohl aber einem reinlichen und verständigen Bauersmann,oder wenn er lieber will, einem Landmann der besten Art gleichsehen.Jedenfalls wird er sich alsdann ökonomisch besser stellen, mehr Achtunggenießen, segenSvoller wirken, und von Stolz, Neid und Unmuth wenigergeplagt seyn.

Au- Württemberg.

* In Nr. 46. deS SonntagS-BeiblatteS zur AugSburger Postzeitungist auch deS HerbsteramenS Erwähnung gethan, welches im verflossenenAugust im hiesigen Institute abgehalten wurde. Insbesondere ist auf daSEramen im Griechischen Rücksicht genommen, in Betreff dessen in der an,geführten Stell« einige Bedenken erhoben werden. Da nun der Unterzeich-nete im Institut zu Trauchburg das Griechische zu lehren hat, so erlaubter sich einige Gegenbemerkungen dagegen, um so mehr, als jener Aufsatzdem allenfallsigen Mißverständnisse unterworfen seyn dürfte, als werde imgenannten Institute in der griechischen Sprache eine bloß mechanische Fer-tigkeit erzielt und daS Geistbildende deS Sprachstudiums hintangesetzt. ImUebrigen freut eS mich, daß der Verfasser jenes Artikels, welchen ich selbstgesprochen zu haben glaube, eS für der Mühe werth erachtet hat, unsereLeistungen zu berücksichtigen. Ich glaube, daß er alsbald mit mir einver-standen seyn wird, sobald er sich mit mir darüber verständigt hat, waSein Eramen bezwecken soll.

Die Zeit, welche bei einem JnstitutSeramen für die Behandlungeines einzelnen Gegenstandes bleibt, ist begreiflicher Weise wegen derStenge der Gegenstände kurz zugemessen: und doch sollen die Schüler in! jedem Fache Rechenschaft von ihren Leistungen geben; denn darum hält;man ja ein Eramen! Wie muß also das Eramen gehalten werden, damitman sich von den Kenntnissen der Zöglinge überzeugen kann? Offenbar so,daß der Lehrer nicht viel spricht und salbadert, sondern ganz kurz einResultat verlangt. So habe ich eS gemacht. Hätte ich mehr Zeit dazugehabt, so würde ich es vielleicht anders gemacht haben. Anstatt dirgriechische Formenlehre paragraphenweise Herabsagen zu lassen, gebe icheinige deutsche Sätze, welche auS dem Deutschen inS Griechische übersetztwerden, und in welchen die Formenlehre sich schon angewendet findet.Da findet ein sachverständiger Zuhörer von selbst heraus, ob der aufgeru-fene Zögling die Fähigkeit hat, grammatische Formen (Aorist, Perfectrc.)