oder auch syntaktische Regeln zu treffen oder nicht. ES kam mir darum, und Gegenden besonders des nördlichen Deutschland Kirchen erbaut, Pfar-die Bemerkung deS Verfassers jenes Artikels sonderbar vor, wenn er erzählt,! reicn gegründet und katholische Lehrer angestellt werden können. (Kath.)«in Schüler hätte den Anfang von Plato'S Phädon ins Deutsche und inSjLateinische übersetzt, und dann beifügt: „der Schüler lieferte allerdings die
deutsche und lateinische Uebeksctzung, aber wenn man die Formen, dasGrammatikalische und Syntaktische, die Wortbedeutung, den Sinn, dasGeschichtliche, daS Entsprechende der lateinischen Uebersetzung, d. h. warumdieser lateinische Ausdruck gewählt worden, näher urgirt hätte, hätte erkaum die gehörige Grundlage gehabt, hierüber zu antworten." Ein Theildieser Behauptung ist unrichtig; denn wenn die Schüler auch Etwas auSdem Deutschen inS Griechische übersetzen müssen, und wenn sie dieß thunohne asten Gebrauch einer Grammatik, oder eines LerikonS; so geben sieden Beweis, daß sie „die Formen, das Grammatikalische und (wenigstenstheilweise) daS Syntaktische" verstehen. WaS aber weiter in dieser Be-hauptung verlangt wird, übersteigt großentheils den Gedankenkreis einesKnaben und die aufgestellte Forderung wäre eher an ein PräceptoratS-alS an ein Knabeneramen zu stellen.
Wenn der Verfasser endlich meint, der griechische Sprachunterrichtwerde in Trauchburg nach einer Methode gelehrt, die der Lehrmethode derneuern Sprachen gleich sey, so hat er vollkommen Recht. Will er aberdaraus den Schluß ableiten, als werde mehr auf Fertigkeit gesehen, alsauf daS Gcistbildende deS Sprachstudiums; so hat er völlig Unrecht.Man muß vielmehr daS Eine thun und daS Andere nichtlassen. Daß auf Gewandtheit mehr gesehen werden muß, als früherdarauf gesehen wurde, das sprechen ja unsere bedeutendsten Schulmännerund Grammatiker, wie Kühner, Franz u. A. aus, und es hieße wirklichnicht auf der Höhe der philologischen Bildung stehen, wenn die Gerechtig-keit dieser Forderung verkannt werden wollte.
Trauchburg den 22. November 1649.
Dr. Theobald Bischofberger.
Zu Quedlinburg in Preußisch-Sachsen, einer der ältesten deut-schen Städte, hat sich seit dem Jahre 1803 eine katholische Gemeindegebildet, die aber, wie viele unserer armen verlassenen Glaubensbrüder imNorden Deutschlands, bisher nur zeitweise das Glück genießen konnte, daßihr von einem der eigens dahin abgesendeten Priester das heilige Meßopferdargebracht, die göttlichen Lehren verkündet und die heiligen Sacramentegespendet wurden. DaS Erste, woran die arme aber wackere und glau-benStreue Gemeinde dachte, war die Anstellung eines tüchtigen katholischen Lehrers, dem sie mit Vertrauen ihre Kinder zur Bildung und Erziehungübergeben könne. Mit großen Opfern und durch brüderliche Unterstützungder Katholiken in Rheinland und Westfalen gelang dieß seit dem Jahre1844. Freilich waren Anfangs die Protestanten so unduldsam und ver-folgungssüchtig, daß sie dem Aufkommen dieser Schule alle Hindernisse inden Weg legten; bisweilen, wenn die städtischen Beamten gerade in üblerLaune waren, wurden die katholischen Kinder sogar mit Gewalt ihremLehrer entrissen und in die protestantischen Schulen durch Polizeidienergeschleppt. Diese Plackereien haben nunmehr nicht allein aufgehört, son-dern unter den 60 Schulkindern befinden sich gegenwärtig selbst 18 vonganz protestantischen Eltern, auf das ausdrückliche Verlangen der Letztem.Diese erklären nämlich, seit Jahren hätten sie in ihren Kirchen und auSdem Munde ihrer Prediger nichts mehr von Jesus Christus, dem SohneGotteS, gehört; da aber der Glaube an denselben, an seine Gottheit undseinen ErlösungStod noch in der katholischen Kirche lebe und darin gepre-digt werde, so wollten sie, daß ihre Kinder in diesem beseligenden Glau-ben erzogen würden. Unter solchen Umständen war die Anstellung eineseigenen Geistlichen dringendes Bedürfniß. Dieselbe erfolgte vor nunmehreinem Jahre; allein die äußern Verhältnisse der Quedlinburgs katholischenGemeinde sind in so hohem Grade traurig, daß eine schleunige und aus-reichende Hilfe noth thut. Abgesehen davon, daß fast Alles an Paramen-len, Gefäßen u. dgl. zur würdigen Feier des Gottesdienstes fehlt, mußdieser selbst in einer ehemaligen Bedientenstube deS Schlosses abgehaltenwerden, die aber, schon unpassend in sich, bei weitem nicht die 400 Seelenstarke Gemeinde, geschweige denn die zahlreich sich herbeidrängenden Prote-stanten fassen kann. ES ist daher dringend zu wünschen, daß besondersdie katholischen Vereine Deutschlands den in RegenSburg gegründetenBonifaciuSverein nach Kräften fördern und durch milde Beiträge die Mittelherbeischaffen, wodurch wie in Quedlinburg so in vielen andern Städten
Luxemburg.
Luremburg, 23. Nov. In diesen Tagen ist in der Kammer einmerkwürdiger Fall zur Entscheidung gekommen. Vor etwa zwei Jahrenstarb hier eine alte adelige Dame und bestimmte ihr HauS, 80 — 100,000 Fr.an Werth, tcstamentlich zur Wohnung deS apostolischen VicarS. DerBesitztitel war der Stadt vermacht. Die damals an der Spitze der Ver-waltung stehende französische Freimaurerpartei suchte nun auS Haß gegenunseren würdigen Bischof die Absicht deS Vermächtnisses zu vereiteln unddie Stadtregierung zn vermögen, die Erbschaft nicht anzunehmen, weil sie^den ErbschaftSstempel und die Kosten der laufenden Reparaturen nicht über-! nehmen könne. So zog sich die Sache zwei Jahre lang hin. Vorgesternnun beschloß die Kammer mit allen Stimmen gegen 2, daß die StaatScaffedie Reparaturkosten zu übernehmen habe und daß kein Stempel bezahlt wer-den solle. Für den Abschluß eines Concorvals, welches die Stellung un-seres Bischofs in Zukunft vor ähnlichen Mißhandlungen, als er Seitensder gestürzten Regierungspartei erlitten hat, sichern würde, ist die Schen-kung dieser schönen bischöflichen Wohnung eine bedeutende Erleichterung.
AuS PariS wird in öffentlichen Blättern mitgetheilt, wie ein ein-facher französischer Landpfarrer, während er andern Leuten daS Schönredenüberläßt, die verführerischen Schlagworte der Neuzeit: „Bildung und Wohl-stand für Alle" zu verwirklichen recht ernstlich bemühet ist. Diese Thätig-keit ist so einfach, so durch und durch praktisch und doch so reich an Segen,daß wir nicht umhin können, sie unsern Lesern zu schildern, mit dem auf-richtigen Wunsche, daß sie unter.den Geistlichen auf dem Lande recht vieleNachahmer finden möge. Der Abbs Väoey, Pfarrer in VaraigueS, einemkleinen Orte der Diöcese Perigueur, gründete vor einigen Jahren in seinemHause eine Zufluchtsstätte für verwahrloste Kinder, und schämte sich nicht,bei dem Lehrer deS Ortes zuerst als Gehilfe in der Schule zu fungirenund, nach hinlänglich erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten, seine Prü-fung als Schullehrer zu bestehen, wodurch er daS Recht und die Befugnißsich erwarb, seinen armen Kindern in der Religion, im Lesen, Schreibenund Rechnen Unterricht zu ertheilen. Dieß gelang vortrefflich; aber ergenügte nicht dem Eifer des Pfarrers; er wollte auch die Zukunft derKinder durch Anleitung zum Betrieb des Ackerbaues sichern und verwendetezu dieser löblichen Ausdehnung seines ersten Planes daS kleine Vermögen,welches er von seinem Vater ererbte. DaS HauS ist nunmehr gegründet,in welchem die Kinder wie zur Religiosität, so zur nützlichen Beschäftigungim Ackerbau angeleitet werden. Die obere Leitung deS ganzen Institutsliegt in der Hand des ehrwürdigen Abbä, der aber gleichzeitig daraufdachte, wie sein schönes Werk nicht nur Bestand auf lange Jahre hinaus,sondern auch größere Verbreitung finden könne. Zu diesem Ende bildet erjunge eifrige und talentvolle Jünglinge als treue Mitarbeiter, und sollendieselben später überall auf dem Lande Freischulen gründen und darinbesonders die verlassenen armen Kinder wie in den nothwendigen Elementar-Gegenständen, so auch vorzüglich in dem Ackerbau unterrichten, und ihnendurch frühe Angewöhnung Liebe zur Arbeit und zu einer geregelten Be-schäftigung einflößen. In daS zu VaraigueS gegründete HauS werdenKinder von 8 — 10 Jahren aufgenommen, und verlassen dasselbe erst inihrem achtzehnten Lebensalter; aber ausgerüstet mit religiösem Sinne, mithinreichenden Kenntnissen, gut gekleidet und mit einem kleinen Capital vonwenigstens 100 Franken, welches daraus erwächst, daß jedem Kinde vomzwölften Jahre an zwanzig Centimes wöchentlich in einem eigenen Büch-lein gut geschrieben und verzinst werden. Außerdem wird täglich ein Ehren-preis vertheilt an dasjenige Kind, welches nach dem Urtheile der übrigenam fleißigsten gearbeitet hat.— Jeder, der Obiges liest, thue nach seinenKräften und je nach den Verhältnissen daS Gleiche, und erwäge, daß AbbäVsdey sein schönes Werk fast ohne alle Hilfsmittel inS Leben gerufen undfest begründet hat. Auch der heilige Vincenz von Paul , einer der größtenWohlthäter deS Menschengeschlechts, war arm an irdischen Gütern, aberreich an Gottvertrauen und an Eifer für vaS Wohl der unsterblichen Seelenseiner armen und unglücklichen Mitbrüder.
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