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9 (9.12.1849) 49
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Hlcuntcr Jahrgang

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s December L <Or-.

Blumen an- dem Schriftgarten de- heiligen BernarduS.

(Fortsetzung.)

100. Heimsuchung GotteS.

Wer, glaubst du, ist unter unS so wachsam und aufmerksam auf dieZeit der Heimsuchung, wer späht in jedem Augenblicke so nach der Ankunftdes Bräutigams,daß wenn er kommt und anklopft, er ihmsogleich aufmache?" Wenn ich also entweder von Außen durch einenMenschen oder von Innen Lurch GotteS Geist ermähnt werde, die Gerech-tigkeit zu bewahren, so soll mir ein solch heilsamer Rath ein Vorbote seynder bevorstehenden Ankunft deS Bräutigams und eine Vorbereitung zumwürdigen Empfange des himmlischen Besuchers. Jeder Antrieb zur Tu-gend soll mir also ein Zeichen der Heimsuchung meiner Seele von SeiteGotteS seyn.

101. Herz.

Gott , vor dem nicht verborgen bleibt, was Unerlaubtes Gegangenwird, sucht nicht Weichlichkeit der Stimme, sondern Reinigkeit deS Herzens.Denn während der Sänger durch seine Stimme daS Volk verweichlicht,erzürnt e: Gott durch seine Sitten.

Ich glaube, daß die Bitten des Herzens in drei Dingen bestehen,und ich sehe nich:, was ein BuSerwähittr außer diesen fordern soll. Zweigehören dieser Zeit an, nämlich die Güter deS Leibes und der Seele,daS dritte ist die Glückseligkeit deS ewigen Lebens. Wunderedich nicht, Laß ich sagte, auch die Güter deS Leibes müssen wir von Gott verlangen, denn sein sind sowohl die leiblichen als geistlichen Güter. Vonihm also müssen wir erbitten und hoffen, daß wir in seinem Dienste aus-halten können. Doch müssen wir für die Bedürfnisse der Seele öfter undeifriger beten, d. i., um Erlangung der Gnade GotteS und der Tugendender Seele. So müssen wir auch um das ewige Leben mit aller Andachtund mit ganzem Verlangen beten, wo volle und vollkommene Glückseligkeitsowohl deS LeibcS als der Seele ist. In diesen drei Dingen, damit sieBitten deS Herzens sind, ist Dreierlei zu beobachten. Denn im erstenpflegt sich daS Uebermaaß, im zweiten die Unlauterkeit und imdritten die Erhebung deS Stolzes bisweilen einzuschleichen.

Auf dreifache Weise kommt vom Herzen daS Leben. Entweder weilman mit dem Herzen glaubt zur Gerechtigkeit, und der Ge-rechte auö dem Glauben lebt, und mit reinem Herzen Gott geschaut wird. Oder weil Christus unser Leben, der jetzt durch denGlauben in unsern Herzen wohnt, auch mit unS seyn wird, undwir mit ihm erscheinen werden in seiner Herrlichkeit. Undder jetzt im Herzen verborgen ist, wird dann hervortreten vom Herzen inden Leib, welchen er umgestalten wird nach dem Leide seinerHerrlichkeit.

Nichts ist flüchtiger in mir, als mein Herz, daS so oft Gott belei-diget, als es mich verläßt und in böse Gedanken verfällt. Mein Herz isteitel, mein Herz ist unstät, mein Herz ist uncrforschlich. Während cS vonseiner Willkür geleitet wird, fehlt ihm GotteS Rath. In mir kann cSnicht feststehen, sondern beweglicher als alles Bewegliche wird es ins Un-endliche gezogen, und durchlauft bald da bald dort Unzähliges; und wäh-rend es durch Verschiedenheit und Abwechslung Ruhe sucht, findet eS keineRuhe, sondern ist elend im Abmühen, cS bleibt leer von der Ruhe, stimmtmit sich nicht überein, tönt falsch, springt von sich ab: eS ändert die Wil-lcnömeinungen, vertauscht daS Vorgenommene, erbaut Neues, vernichtetAlteS, und baut das Vernichtete wieder aus. Dasselbe ändert und ordnetwieder auf andere Art, weil eS will und nicht will,und nimmerbleibet in einem Stand." Denn gleichwie eine Mühle sich rasch drehtund nichts auSschlägt, sondern mahlt, waö aufgeschüttet wird, und gleich-

wie die Mühle sich selbst aufreibt, wenn nichts aufgeschüttet wird: so istmein Herz in beständiger Bewegung, und ruht niemals, sondern ich magschlafen oder wachen, träumt und denkt eS, waS ihm vorkommt. Undgleichwie der aufgeschüttete Sand die Mühle zerstört, das Pech siebeschmutzt, die Spreu ihr zu schaffen gibt: so verwirrt mein Herz einbitterer Gedanke, ein unreiner befleckt cS, ein eitler beunruhigetund müdet eS ab. So wird auch mein Herz, wenn eS sich nicht kümmertum die zukünftige Freude, und Gottes Hilfe nicht sucht, von der Liebezum Himmlischen entfernt und zur Liebe des Irdischen hingezogen. Undwährend eS von Jenem ab und zu Diesem hinfällt, nimmt eS die Eitelkeitein, plagt eS die Neugierde, verlockt eS die Begierlichkeit, verführt es dieLust, beschmutzt eS die Ausschweifung, peinigt eS der Neid, verwirrt cSder Zorn, kreuziget es die Traurigkeit: und so wird eS durch bedauern-»werthe Fälle hineingetrieben in den Strndel aller Laster, weil eS den EinenGott, der ihm genügend gewesen wäre, verlassen hat: durch Allerlei wirdes zerstreut, und eS sucht da und dort ei» Ruhcplätzchen, und cS findetnicht, was ihm genügen könnte, bis eS zu ihm zurückkehrt: von Gedankenkommt eS zu Gedanken, und durch verschiedene Leidenschaften wird eS ver»ändert, damit eS wenigstens mit Verschiedenheit dieser Dinge angefülltwerde, durch deren Beschaffenheit eS nicht gesättiget werden kann, und soverfällt eS in Elend, da eS sich der göttlichen Gnade entzogen hat. WenneS nun zu sich zurückkehrt und untersucht, was cS gedacht, findet eS nichts,weil eS keine That, sondern nur ein Gedanke war, der Vieles aus nichtszusammensetzt. So täuscht die Einbildung, welcher die List der bösen Geistereine Gestalt gibt.

Welches Herz ist ein hartes? DaS allein ist ein hartes Herz, daSsich vor sich selbst nicht fürchtet, weil es sich nicht fühlt, LaS durch keineReue zerrissen, durch keine Frömmigkeit erweicht wird, daS durch Bittennicht gerührt wird, den Drohungen nicht nachgibt, durch Schläge verhärtetwird. Es ist undankbar für die Wohlthaten, mißtrauisch gegen gutenRath, streng im Urtheilen, schamlos bei Schändlichkeiten, furchtlos in Ge-fahren, unmenschlich gegen Menschliches, verwegen gegen Göttliches: cSvergißt daS Vergangene, vernachlässiget das Gegenwärtige, siebt sich nichtvor auf die Zukunft. Ihm vergeht Alles außer die ihm angethane Belei-digung: alles Gegenwärtige geht für dasselbe zu Grunde, auf die Zukunftbereitet eS sich nicht, eS sey denn um sich zu rächen. Und damit ich dieUebel dieses schrecklichen Uebels in Kürze zusammenfasse, ein hartes Herzfürchtet weder Gott noch den Menschen.

Die Weisheit des Herzens besteht in der Reue über die vergange-nen Sünden, in der Verachtung der gegenwärtigen Bequemlich-keiten, in der Sehnsucht nach den künftigen Belohnungen. Duhast wahrlich die Weisheit gefunden, wenn du die Sünden deS frühernLebens beweinest, wenn du die Wünsche dieser Welt gering achtest,wenn du mit ganzer Seele die ewige Glückseligkeit verlangest.

Es gibt ein hohe-, niedriges und mittleres Her,. DerProphet sagt:Nehmet eS, ihr Uebertreter, zu Herzen!" Dererste Schritt eines sündigen Knechtes ist der eines niedrigen Herzens,wozu er durch daS Gericht gezwungen wird. Der zweite Schritt ist dereines TaglöhnerS zu einem mittleren Herzen, wozu ihn Berathschlagungruft. Der dritte der eines Sohnes zu einem hohen Herzen, zu dem ererhoben wird durch Verlangen: und dann wird Gott über das Herz erhöht,damit er durch Zuneigung und Liebe begehrt werbe, da er durch den Ver-stand nicht begriffen werden kann.

102. Heuchelei.

Mit Doppelter Reue werden die Heuchler zermalmt, wenn sie sichsowohl hier wegen zeitlichen Ruhmes in der Zeit zu Boden werfen, alsauch in der Zukunft wegen des innern Stolzes zu den ewigen Strafen