kann mir den Wunsch verargen, wenn ich gerne wo anders wäre; indessenGott wird thun, was am besten ist." Nachdem er die Vorfälle in einigenDiöcesen geschildert (Brief vom 21. Jänner 18-16), schließt er: „DasSursum corcla will nicht recht voran beim Klerus, und die vomier, opi8-copi wollen gerne als elominsutes in dorn auftreten, und daö allein thutnicht gut, macht Erbitterung, und mindert die Liebe gewaltig." Sämmt-liche Briefe sind aus Großwardein datirt, bisweilen heißt e-S auch: Loripsiin eromo (wahrscheinlich in einem Semmerhause). Politische Betrachtun-gen pflegte er mit notus a oslamo zu unterschreiben. Seine Schrift warsehr deutlich und markirt, wer sie einmal sah, konnte sie nie mehr verken-nen. Solche politische Crayvnskizzen, wie die angeführten, kehrten in seinenBriefen öfter wieder.
Im Octobcr 1849 begab sich der Fürst von JnnSbruck nach Wien .Schreiber dieses wußte nichts von seiner Ankunft; konnte ihn also auchnicht besuchen. Er kam nun zu selbem gefahren. Da stellte es sich gleichbeim ersten Anblick heraus, wie der Fürst völlig zusammengebrochen war,m seinem Gesichte prägte sich die Krankheit nicht aus, aber die gebeugteGestalt und das schwere Athemholen deutete auf die innere organische Zer-rüttung. Er klagte nur über Athcmiosigkeil — schien aber stuft in seinemZustande keine Gefahr zu sehen, ober sprach wenigstens nichts davon.Nachdem er eine Zeit lang geredet, schien er seine vorige Heiterkeit wiederzu gewinnen; aber eS hatte keinen Halt, Er sprach rann vom Tode, derallen eitlen Bestrebungen des Menschen auf einmal ein Ende mache; ohneaber im mindesten auf seinen so nahen Tod hinzudeuten. Er schloß seineBemerkung mit den Worten: „ES ist doch eine Schmach, eine rechteDemüthigung für den Menschen, so daliegen zu müssen, und wenn Jemandherumsteht, diesen ein Gegenstand des Bedauerns, vielleicht auch deS Ekelszu seyn, und sich nicht rühren zu können — ich habe das recht oft gese-hen, und eS war mir immer von Nutzen!" Während deS SpeisenS zeigteder Fürst momentan seine vorige Heiterkeit. Den Winter wollte er inBaden bei Wien verleben. „Nach Großwardein komme ich nicht mehr,wiederholte er einige Male, geht'ö wie'S geht, so oder so." Von Badenaus kam er noch einmal nach Wien , er besuchte den Berichterstatter wieder(eS war zum letzten Mal) und trug ihm an, wenn selber Zeit habe,möge er ein paar Stunden mit ihm zubringen. Die Krankheit war bedeu-tend fortgeschritten, ihr unaufhaltsamer Gang in der ganzen Gestalt undHaltung ausgeprägt, trotz der Versicherung eines renommirten ArzteS, daßdas ganze Uebel von keiner Bedeutung sey. Er kam auf seine Heilungenzu sprechen und äußerte sich darüber unter Anderm: „Da sagen sie immerMagnetismus, Magnetismus, als ob der Magnetismus nicht auch beiGlauben und vertrauendem Gebet ein Mittel in der Hand Gottes seynkönnte. Haben wir nicht bei jedem Sacrament ein sichtbares Zeichen, und!waS Aat der Herr oft gethan, hat er nicht Kranke berührt u. s. w-, wäre!da nicht auch schon sein Wille genug gewesen?" !
Ehe wir die Wohnung verließen, wiederholte er seine Einladung;zum Besuche nach Baden, und setzte hinzu: „Sie müssen aber gewiß kom-men, ich habe ihnen was zu sagen, aber gewiß, kommen sie nicht zuspät — aber — sie kommen zu spät!" Es war im Ton dieser präcisausgesprochenen Worte was eigenthümlich Wehmüthiges gelegen. Wirfuhren in die Stadt, das Sprechen im Wagen kam ihm hart an, er warauch sehr schwer zu verstehen. Mehrere seiner Verwandten speisten beiihm. Er redete sehr wenig, sein Antlitz trug das Gepräge deS Schmerzes.Beist^Abschicd wiederholter, auf den Besuch nicht zu vergessen. AlsSchreiber-^tzieseS kommende Wvche (8. November) nach Baden kam, hießes bei dm^W^iuten im Sauerhof: Der Fürst sey schon sehr krank, und!man verzweifle an seinem Aufkommen; er habe sich nach VöSlau begeben.In VöSlau (Eine Stunde von Baden entfernt) ist ein Schloß des GrafenFricS. Die Mutter deS jetzigen Besitzers war eine Schwester des Fürsten. Die Mutter des Fürsten liegt dort in der Familiengruft begraben. Am28. November 1836 — als der Fürst seine Mutter einsegnete, sprach erbeim Grabe: „Auch ich will einst hier begraben werden neben dem Leich-!nam meiner seligen Mutter." ES fügte sich, daß er auch an demselbenOrte starb. Ich mußte Geschästehalber mit dem nächsten Eisenbahnzug lwieder nach Wien gehen, konnte also den Fürsten nicht sehen. Am 13. Nov.!begab ich mich nach VöSlau. Dort angekommen, hieß eS schon im Haus-flur: der Fürst sey im Sterben. Der FranciScanerprovincial P. Peterhatte ihm zwei Tage früher, als er noch bei Bewußtseyn und der Sprachemächtig war, die heil. Sacramenle gespendet, die er mit großer Fassungund Ergebung empfangen. Die Krankheit dcö Fürsten wurde für eineBrustwaffersucht gehalten. Er lag, tief und schwer Athem holend, ausseinem Lager, die Augen geschlossen; doch scheint er daS, waS die Umge-bung sprach, gehört und verstanden zu haben. Er versuchte bisweilen mitder Hand daS Zeichen deS Kreuzes auf die Stirne zu machen, die Handwar aber schon halb gelähmt. Am Allerseelentage wollte er noch in Gain-
fahrn (wohin VöSlau eingepfarrt ist) die heilige Messe lesen; fand sichaber, als er schon in der Sakristei sich ankleiden wollte, zu schwach; erwohnte nun zum letzten Male dem Meßopfer bei. Am Sonntag vor seinemTode beklagte er sich deS vernachlässigten Besuches wegen in den Worten:„Der B. ist auch so wie alle Andern, er hat auf mich vergessen und kommtnicht." AIS seine Nichte, die Baronesse R., ihn in seinen Leiden mit denWorten beruhigen wollte: „ES ist nur ein Fieber, und wird« vorübergehen,"erwiderte er: „Ja, ja — ein Fieber in die Ewigkeit!" Nachdem er diefeWorte gesprochen, verlor er die Macht zu reden, scheint aber, wie schonoben bemerkt worden, gehört zu haben, waS um ihn vorging. Es warein eigenthümlicher, ergreifender Anblick. DaS Sterbelager deS Fürsten stand im Zimmer eines der Familie Pereira gehörigen Sommerhauses.AuS den hohen, breiten Fenstern strömte daS volle Licht herein. Ebenstreifte der Frost noch die letzten vergilbten Blätter von den Baumkronen.DaS HauS zu sommerlicher Lust bestimmt — in alle Trauer deS Spät-herbstes umgeschaffen. Auch vom Lebensbaume deS Fürsten fiel Blatt umBlatt mit jedem Athemzuge. Unvergeßlich wird mir das Gespräch seyn,waS ich im Zimmer nebenan mit dem edlen, großherzigen Bischof SzaniS-loS geführt, einem Manne, der mehr als einmal schon den Beweis gclie-fert hat, daß er daS Streben nach dem Reiche Gottes höher gestellt, alsden Ruf nach zeitlicher Ehre und irdischen Gütern. Um 3 Uhr begab ichmich zum letzten Male zum Schmerzenslager.— der Zustand deS Leiden-den hatte sich seit Vormittag sichtlich verschlimmert. Am 14. NovemberMorgens um 1 Uhr begann daS letzte Todeöringen. Eine Viertelstundedarnach war er verschieden. DaS Begräbniß erfolgte am 17. Novemberum 9 Uhr Vormittags, am Tage, wo die Kirche daS Fest deö heiligenBischofs GregoriuS ThaumurguS feiert. Den Leichenzug begleitete außerdem Klerus der Umgegend der frühere Kanzler des Königreichs Ungarn,Graf Revitzky, nebst andern Verwandten deS selig Verblichenen. Die Ein-segnung geschah durch den Bischof von Serbien -in ;mrt. und CanonicuSvon Großwardein, Franz Szanislüs (bekannt alö Begründer der ungari-schen Zeitung: keligio <?8 Aovele^). S. E. der Cardinal Schwarzenberg(eben in Wien anwesend) erschien deS Morgens in der Pfarrkirche zu Gain-fahrn, und celebrirte während deS Requiems eine Seelenmesse für denHingeschiedenen. DeS Fürsten Leichnam liegt, wie er den Wunsch vordreizehn Jahren beim Tode seiner Mutter ausgesprochen — neben dieserin der Gruft. Möge er bei Denjenigen, die ihn gekannt haben, in gutemAngedenken verbleiben, der Herr aber wird ihm gewiß für die Unermüd-lichkeit, mit der er das Wort Gottes verkündet, für daS Vertrauen, daSer im Gebete stets gehegt, und für daS Almosen, das er großmüthig undliebend gespendet — den ewigen Lohn nicht vorenthalten.
Eine Mission in Naben. *)
Die Nachricht, daß mit Genehmigung deS hochwürdigsten ErzblschofSund seines Ordinariats in Säckingen eine Mission, und zwar die ersteim badischen Lande, abgehalten werde, trieb, wie so Viele, auch michdort hin, um endlich einmal eine Anstalt, über welche seit einigen Jahrenso viel für und wider gesprochen wird, aus eigener Anschauung kennen zulernen. Allerdings reiste ich nicht hin, ohne bereits ein günstiges Vor-urtheil gefaßt zu haben, theils aus den Wirkungen eines schönen christlichenLebens, denen ich im Umgänge mit den Besuchern der elsäsfischen Mis-sionen so vielfältig begegnete, theils auS der Feindseligkeit, mit welchergewisse Nichtbesucher derselben darüber eiferten. Auch hatte ich nie gezwei-felt, daß unser katholisches Volk das Bedürfniß einer ernsten Bußanstaltund geistlicher Uebungen tiefer empfinde, als man in manchen Hörsälen undKanzleien zu thun oder zu glauben scheint. Aber dennoch war ich, als ichmich Säckingen näherte, erstaunt über die Schaaren von Pilgern, die vonallen Seiten herbeiströmten, und daS bunte Gemisch der mancherlei Trach-ten zeigte mir, daß sie von nahe und fern, obgleich nirgends öffentlichdazu eingeladen worden war, auS allen Gegenden deS Schwarzwaldes,deS Rheinthals, des Oberlandes, der Seegegend, der Schweiz und deSElsasses, — auS allen Ständen, hohen wie niedern, Manche wohl 2l)bis 30 Stunden weit, herbeigekommen waren. Viele fanden in dem gast-lichen Städtchen kein Obdach, und mußten auf den benachbarten Dörfernübernachten. Welch ein Unterschied zwischen jetzt und vor sechs Monaten!Wohl mochten die traurigen Erfahrungen dieses Jahres auch Manche, diesonst der Lockstimme der großbärtigen Menschenbeglücker gefolgt waren,enttäuscht und für den wahren Weg deS Heils empfänglicher gemachthaben. Scheint eS doch, daß für Viele diese Erfahrungen nothwendigwaren, ehe die Abhaltung einer Mission zur Möglichkeit werden konnte!
') AuS der (von einem Protestanten rcdigirtcn) Karlsruher Zeitung.