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Neunter Jahrgang.
^ so
16 . December 184 S.
AuS der Versammlung der Bischöfe In Wien *)
Der hochwürdigste Fürsterzbischof von Ollmütz glaubte in einem anden Secular- und RegularkleruS seiner Diöcese unter dem 24. Octoberd. I. gerichteten Hirtenbriefe die Documente der bischöflichen Konferenz inWien, in so weit dieß mit höheren Pflichten vereinbarlich ist, nicht vor-enthalten zu dürfen. Er eröffnet dieselben mit einem Schreiben deS Car-dinalerzbischofeS von Salzburg an den heiligen Vater, und einem Rück-schreiben des Letzteren an jenen. Wir lassen diese Documente in deutscherUebersetzung hier folgen.
An Se. Heiligkeit Papst PiuS HHeiliger Vater!
Ich würde mich fürwahr deö VersäummsscS meiner Pflicht, der kind-lichen Ehrfurcht und deS Gehorsams anschulcigen müssen, wenn ich nichtder hohen Kenntniß Seiner Heiligkeit mit der gebührenden AufrichtigkeitAlles unterbreitete, waö in der gegenwärtigen schwierigen Lage der Dinge,wo auch in unserem Vaterlande Alles, wovon religiöse Wohlfahrt undkirchliches Heil abhängt, in Schwebe gestellt ist, die Pflicht unseres schwer-verantwortlichen Amtes von unö Bischöfen zu veranlassen gebot.
Der jüngst bei uns auch stattgefundene staatliche Umschwung hat soviele Hoffnungen und so viele Befürchtungen herausgeführt, daß er unS,die wir einst über das unserer Obsorge anverrraule Heil der HeerdenRechenschaft ablegen müssen, zur äußersten o^erhirtltchen Sorgfalt wachrief.Denn nach den mannigfachen Zeilbewegungen, welche einen großen Theilvon Europa durchliefen, und auch von den Gränzen deö österreichischenKaiscrstaaleS nicht ferne blieben und die Kirche selbst nicht leichr verwun-deten, begrüßen wir freudig das von unserem erlauchten Kaiser für Oester-reichs Lande gegebene Grundgesetz, welches einerseits den Stürmen undgewaltsamen Umsturzversuchen hoffentlich ein Ziel gesetzt, andererseits aberauch die katholische Sache von den Fesseln deS SkaatSschutzeS, von denensie. bisher umfangen war, nun endlich zu befreien und der gerechten Frei-heit wiederzugeben verspricht. Indem wir dergestalt das, waö längst schonunser Herz ersehnt, wag wir längst schon Lurch Bitten zu erreichen unddurch Anforderungen zu erwirken, vergebens uns gemüht, durch das obersteStaatSgesetz nun beschlossen sehen, würden wir gerne Herz fassen, un-vollendS zu beruhigen, wenn nicht andererseits mit Recht zu befürchtenstünde, daß den böswilligen Zcilbestrebungen zufolge jenes kaiserliche Sta-tut, das des Guten und Günstigen für die Kirche Gottes so viel enthält,durch mißliebige Auslegung verkehrt werde und die alsdann zu erlassendenorganischen Decrcte, denen die zu allgemeinen Grundzüge deS SlalutcSnach und nach zur Ausführung zu überantworten kommen, die kaum gc.schöpfte Hoffnung der kirchlichen Freiheit wieder neuerdings zu nichte machen.Diese Gefahr deS Augenblicks unsererseits von dem Leibe der Kirche abzu-wehren, und sowohl durch die Sachlage selbst, als die Einrichtungen derKirche gemahnt, in der Einigung die Stärke und Festigkeit zu suchen,erachteten wir vor Allem als zeitgemäß, uns zu versammeln, und unsereBerathungen gemeinschaftlich zu pflegen, indem wir die StaatSregierungindeß beschwören, derartige organische Decrete, durchweiche raS VerhältnißdeS StaatcS zur Kirche im Einzelnen festgesetzte würde, nicht zu erlassen,ohne früher die kirchliche Autorität gehör: und in Berathung gezogen zuhaben. Da dieß von selbst billig uiw gerecht erscheinen mußte, haben dieobersten Leiter der Staatsgewalt die Bischöfe aus allen Friede genießenden
s) Wie aus der Verwahrung des Schreibers an den heiligen Vater, so wie aus der!Rüchchrift des Papstes an die Bischöfe hervorgeht, hatte die Versammlung nicht den
Charakter einer bischöflichen Synode.
> Provinzen deS KaiscrstaateS nach Wien zusammenbcrufcn, und dieser Ein-ladung zufolge haben wir uns beeilt, am dritten Sonntage nach dem Oster-feste in dieser Hauptstadt zusammenzutreten.
Durch Stimmengebung zum Vorsitzenden in der Geschäftsordnung! erwählt, erachte ich eS für meine Pflicht, Seine Heiligkeit über dasWesen dieser Versammlung mit gebührender Verehrung in Wissenschaft zusetzen und im Namen der versammelten Bischöfe da» Zeugniß abzulegen,daß eS nicht ihre Absicht sey, eine heilige Synode nach kirchlicher Anord-nung zu feiern; sonst würden sie, vermöge ibrer tiefsten Ergebung, vonder sie gegen den Stuhl deS heiligen Petrus beseelt sind, und deö schul-digen Gehorsams in Bezug auf die heiligen Canoncn, im Gewissen sichverpflichtet gefühlt haben, die apostolische Genehmigung für ihr Unterneh-men vorhinein zu erwirken. Die angestellten Berathungen sind nur fürpräliminarisch zu halten, als hervorgerufen durch die Anfrage der Regie-rung, auf welche die Bischöfe zu antworten am gerathensten halten, wennsie fußend auf der gewährten kirchlichen Freiheit, die katholischen Principienin gemeinschaftlicher Darlegung auSsprechen, und die unveräußerlichen Rechteder Kirche einstimmig für sie wieder zurückverlangen, damit nicht etwa zu-künftigen und entschiedenen, durch die Autorität des apostolischen Stuhleszu schließenden Verträgen, eine vorschnelle StaatSgesetzgebung hindernd inden Weg trete.
Aus solche Weise hoffen wir mit Zuversicht, der in der Gegenwartuns drängenden Pflicht Genüge zu leisten, und die Billigung deS heiligenStuhle« zu erlangen. Daß Seine Heiligkeit daS so schwierige und mühe-volle Werk, an welches wir geschritten, mit väterlichem Wohlwollen beglei-ten, und bis eS uns gestattet seyn wird, über den Erfolg umständlicherzu berichten, mit dem Thaue deS apostolischen Segens zu befruchten Sichwürdigen möge, darum flehe ich inständigst im Namen der versammeltenBischöfe, der ich im tiefsten Gefühle der Ehrfurcht und deS GehoisamS,die heiligen Hände demüthigst küsscnv, ersterbe
Eurer Heiligkeit
Friedrich,
Cardinal nnv Fürsterzbischof.
PiuS P. P. IX.
Unserem Geliebten Sohne Heil und apostolischen Segen. Unlängstist zu Uns daS Schreiben gelangt, welches Wir von Dir, Unser geliebterSohn! am 25. Mai von Wien aus dalirt und auch im Namen der übri-gen gegenwärtig dort weilenden ehrwürdigen Brüvcr nnv Bischöfe deSösterreichischen KaiserstaateS geschrieben, und im innigsten Gefühle der Treue,Ehrfurcht und des Gehorsams gegen UnS und den Stuhl Petri verfaßt,sofort mit bereitwilligst entgegenkommendem Herzen in Empfang genommenhaben. Denn eS fiel unS höchst angenehm auf, in jenem Schreiben wie-derholt zu bemerken, daß Dir und eben jenen Vorstehern nichts wichtigersey, als in so großer Zeitbewegung auS allen Kräften daS Heil der Gläu-bigen zu betreuen, und mit allem Eifer die Sache der katholischen Kirchezu verfechten und ihre Rechte und Freiheit aus den Fesseln der weltlichenGewalt herauSzukämpfen. Daher rührte Deine und der übrigen Bischöfemächtige Freude, als durch das von Unserem in Christo geliebtesten SohneFranz Joseph, Kaiser von Oesterreich, apostolischen König von Ungarn und König von Böhmen, für die Länder seiner Oberherrlichkeit erlasseneGrundgesetz die Hoffnung aufleuchtete, eS werde die Kirche von allen jenenFesseln, mit denen sie bisher nach allen Seiten hin umstrickt gewesen, be-freit, ihre sehnlichst gewünschte Freiheit wieder erlangen. Da Du aber.Unser geliebter Sohn, und die übrigen Bischöfe höchlichst befürchtet, eSmöchte die Hoffnung zur Erlangung einer solchen kirchlichen Freiheit denböswilligen Zeitbestrebungen zufolge durch organische Decrcte, die etwa
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