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9 (16.12.1849) 50
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nach dem erwähnten Gesetze erlassen würden, abgeschnitten werden: sohabet ihr eS für eure Pflicht gehalten, diese Gefahr abzuwenden, und dieStaatSregierung dringendst zu beschworen, die kirchliche Autorität zu Rathezu ziehen, bevor eben diese organischen Bestimmungen erlassen würden.Diese nur ganz gerechte Forderung bewirkte auch, daß die ersten Staats-behörden die Bischöfe auS allen Friede genießenden Provinzen deS Kaiser-ihumeS einluden, in jener Stadt zusammenzukommen. Daher hattest Du,Unser geliebter Sohn, und die übrigen ehrwürdigen Grüder, Erzbtschöfcund Bischöfe, beschlossen, alsögleich in jene Hauptstadt insgesammt zueilen,nicht wohl deßhalb, um aus eben diesen verschiedenen Provinzen eine ge-rneinsame Synode zu feiern, die, wie jeder von euch sehr wohl weiß, ohneUnserer und deS apostolischen Stuhles Erlaubniß nie gehalten werden könnte,!sondern auf daß in einmüthiger Gesinnung, und mit vereintem Eifer und!Rathe, eure ganze Mühe und Sorgfalt auf die Behauptung und Vertheildigung der kirchlichen Rechte und auf die Beförderung des größeren Nutzensund Heiles der katholischen Sache auf dem Pfade der heiligen Canonenverwendet werde. Wir können wahrlich nicht umhin, diesen Deinen und ^der übrigen ehrwürdigen Brüder Entschluß mit verdienter Lobeserhebung ^zu begleite», und Wir sind überzeugt, daß Dir und ihnen nichts mehr am!Herzen liege, als daß AUcS nach der Norm des heiligen, kirchlichen Rech-rcS mir allem Eifer emsig vollführt werde. Wir hegen ferner die Hoffnung,cS werde eben Unser in Christo geliebter Sohn, euer erlauchter Fürst,!wohl wissend, wie sehr zum Schirme der Festigkeit seines Reiches, so wieder Rnhc und deS Glückes seiner Völker, die katholische Kirche und ihreunveränderliche Lehre beitrage nicht nur nicht zulassen, daß durch orga-nische Decrete etwas festgestellt werde, was den heiligen Rechten der Kirchezuwider ist, sondern Er werde auch, Unseren und euren höchst gerechtenWünschen und Anforderungen Folge gebend, dahin wirken, daß die Kircheselbst in allen seinen Gebieten ihre volle Freiheit erlange, und daß die ^geweihten Vorstände unter Leitung und Autorität deS apostolischen Stuhles ^gänzlich frei seyen in Verrichtung deS ihnen obliegenden AmteS. Doch!wohl schon von Dir selbst siehst Du ein, Unser geliebter Sohn, daß Unönichts so erwünscht seyn werde, als alle Verhandlungen eurer Versamm-lung in Empfang zu nehmen, und zugleich zu erfahren, welches der Er-folg eurer Berathungen und Arbeiten gewesen sey. Indessen aber flehenWir in Demuth Unseres Herzens dringend zum allmächtigen Gott undHerrn: Er wolle über Dich und die übrigen dort weilenden ehrwürdigenBrüder Seine Erbarmung vervielfältigen, und reichlich auSgicßen den Geistder Weisheit und LcS Verstandes, den Geist deS Rathes und der Stärke;Er wolle eure Mühen und Arbeiten zur größeren Ehre Seines heiligstenNamens und zum Frommen Seiner heiligen Kirche unterstützen, stärkenund befestigen!

AIS Wahrzeichen deS göttlichen Schutzes, und als Zeugniß Unseresbesonderen Wohlwollens ertheilen Wir Dir, Unser geliebter Sohn, undden übrigen ehrwürdigen Brüder» in herzlichster Liebe huldvollst den apo-stolischen Segen.

Gegeben zu Gavta den 9. Juli 1819.

Im vierten Jahre Unsers PontificatS,PiuS P. P. IX.

Die Stellung der Katholiken in Holland .

(Aus demLuxemburger Wort.«)

Es ist Zeit, daß die öffentliche Aufmerksamkeit auf den in seiner Artunerhörten Druck, welchen noch im neunzehnten Jahrhundert, in dieserZeit deS Fortschrittes und der Aufklärung, nahezu anderthalb Millionenkatholischer Niederländer seitens ihrer protestantischen Mitbürger zu erdul-den haben, hingelenkt werde, und daß einem edlen Volke in der Errin-gung des Besten und Nothwendigsten, ohne dessen Besitz ein Volk nichtglücklich seyn kann, der religiösen Freiheit und Gleichberechtigung nämlich,ein thatkräftiger Beistand geleistet werde.

Der Druck, der auf den niederländischen Katholiken lastet, ist eingewaltsamer, und ist ein in seinem Ursprünge sowohl, als in seinem inner-sten Wesen unrechtmäßiger. DaS katholische Volk ist daS eigentliche Stamm-volk der Niederlande ; es ist aus seinem rechtmäßigen Besitze durch eineRevolution verdrängt, und ist nur durch eine gewaltsame Unterdrückungdritthalb hundert Jahre lang der Ausübung seines unveräußerlichen undunverlierbaren Rechtes beraubt worden. Die jetzigen Niederlande sind zu-erst durch die Apostel der katholischen» Kirche auf friedlichem Wege zumChristenthums bekehrt. AuS freien Stücken haben die alten Bataver dirAltäre ihrer Götter verlassen, und haben sich dem von den christlichenAposteln gepredigten beseligenden Glauben der katholischen Kirche angc-

schloffen. Die katholische Kirche hat die rauhen Sitten dieses Volles all-mälig gemildert, hat Gotteshäuser und Klöster gegründet, und durch sieWissenschaft, Ackerbau und Wohlstand im Lande verbreitet. AIS KaiserKart V. die Niederlande beherrschte, waren die Städte dieses Landes diewohlhabendsten und gewerbetreibendsten in Europa . Aber eben dieser Reich-thum halle auch ein Wohlleben und eine Ueppigkeit der Sitten verbreitet,die den neuen Lehren Lulher'S und Calvin'S Eingang verschafften. Jedochwaren es vorzugsweise nur die großen Städte, m denen außer einer An-zahl ehrgeiziger und neuerungSsüchligcr Reichen eine Masse rohen und ent-sittlichten Volkes auS allen europäischen Ländern sich umherlrieb, in denendie Neuerungen Eingang fanden. Es bildeten sich in den Niederlandendie abenteuerlichsten Seelen, welche alle vorgaben, das ursprüngliche Chri-stenthum wieder herstellen zu wollen, und viele der berüchtigsten Schwär-mer, wie Johann v. Leyden u. a., sind von dort hervorgegangen. Aberder Kern der Bürgerschaft in den Städten und vor Allen das treue undunverdorbene Landvolk hielt an dem Glauben seiner Väter fest. Auchwürde es der Neulehre, die so bald schon nach ihrer Entstehung sich inverschiedene Paneiungen zerspaltete, wohl nicht gelungen seyn, sich auf dieDauer hin in den Niederlanden zu behaupten, wenn nicht eine politischeVerschwörung sich mit ihr verbunden hätte, und in Folge einer siegreichdurchgeführten Revolution das treue katholische Volk in Druck und Abhän-gigkeit gerathen wäre. Der immer ncuerungSsüchtige Pöbel der großenStädte ward durch den ehrgeizigen Adel aufgewiegelt, und mit Hilfe frem-der Schaarcn aus England und Frankreich die rechtmäßige königliche Ge-walt gestürzt. Die Revolutionspartei erklärte sich für den reformirtenGlauben und proclamirte die Republik . Nur die südlichen Provinzen derNiederlande, daS heutige Königreich Belgien nebst dem französischen ArtoiSund Flandern wurden dem katholischen Glauben erhalten, und die Revolu-tion, welche daselbst bereits die schrecklichsten Gräuel angerichtet hatte,beugte sich, wie heut zu Tage in Italien und Wien vor Radetzky undWindischgrätz, so vor des tapfern Alba, Farnese und Spinola siegreichemSchwert, Lurcmburg hatte nie der Neulehre Eingang gestattet, und seinetapfern LandeSsöhne waren nichr die schlechtesten Krieger in Alba's undSpinola's Heer. Desto trauriger aber war daS LooS der katholischen Niederländer in der neu entstandenen Republik . Zwar bildeten sie die ent-schiedene Mehrzahl der Bevölkerung, aber sie hatten nicht die Revolutiongemacht und begünstigt, darum wurden sie von den Männern der Revo-lution, die nun alle Macht in Händen hatten, auf daS Grausamste gemiß-handelt. Man beschloß, die katholische Religion in Holland mit Stumpfund Stiel auszurotten. Rohe Pöbelhaufen drangen in die Kirchen einund zerschlugen in einer vandalischen Weise die Heiligenbilder und kostbarenGemälde. Die heiligen Gefäße wurden entweiht, sogar mit dem heiligstenSacramentc empörende Frevel getrieben. Man beraubte die Katholikenaller ihrer Kirchen, ihrer Pfarrhäuser und ihres rechtlich erworbenen Kir-chenvcrmögenS, und gab alles dieses den Protestanten. Man vertrieb allekatholischen Lehrer auS den Schulen. Die Priester wurden geächtet undkeinem Bischöfe gestaltet, daS Land zu betreten. Die Katholiken wurdenjeder Anstellung für unfähig erklärt, und die Ausübung deS katho-lischen Gottesdienstes wurde als schwerstes Criminalverbrechen mit derTodesstrafe bedroht. Und doch waren die Katholiken der eigentlicheUrstamm der Bevölkerung, und doch bildeten sie noch lange nach dem Siegeder Revolution eine bedeutende Mehrzahl der Bewohner deS Landes.

Diese gewaltsame Unterdrückung der Katholiken hat in Holland fort-gedauert ungefähr bis zur Zeit der französischen Revolution. Nur durch dieGewalt der Umstände gezwungen, nicht durch eine mildere, tolerantere! Gesinnung bewogen, sind die Protestanten in der Mißhandlung und Unter-drückung der Katholiken allmälig Schritt vor Schritt rückwärts gegangen,und selbst heut zu Tage kann ihnen eine Concession zu Gunsten ihrer katho-lischen Mitbürger nur mit Gewalt abgenöthigt werden. Aber dafür wirdum so sicherer der Tag der Rechenschaft kommen, je hartnäckiger eine Ab-schlagszahlung für frühere Beraubung und Gewaltthat verweigert wird.!ES ist schon erwähnt worden, daß alle Kirchen deS Landes ohne alle Aus-nahme den Katholiken gewaltthätig geraubt worden sind. Der herrlicheDom zu Utrecht, der nun zum Theile zerstört ist, war der alte katholische! Mctropolitansitz. Im Dom zu Harlem, in der onclo Kerker zu Amsterdam, in den prächtigen Tempeln zu Schiedam, Gouda und Breda, in der St.Laurenzkirche zu Rotterdam u. s. w. wurde einst daS Opfer des neuenBunde« dargebracht, und sie sind noch immer rechtmäßiges Eigenthum derKatholiken. Nur mit Gewalt sind die Katholiken daraus vertrieben; ihrRecht daran haben sie nicht aufgegeben, sie konnten nicht verlieren, undeS kommt die Zeit, wo sie eS reclamiren werden. Ja, man ging so weit,daß selbst in Gegenden, die ganz katholisch blieben, wie Nordbrabant,die Katholiken auS ihren sämmtlichen Kirchen vertrieben, und solche einer^ Handvoll von Protestanten ausgeliefert wurden. In der fast ganz katholi-