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scheu Stadt Herzogenbusch ward die herrliche Hauptkirche nebst den dreiandern Pfarrkirchen einigen Hundert Protestanten überwiesen, die zumHöhne einer zahlreichen katholischen Bürgerschaft die Kirchen entweihten,Bilvcr und Grabmäler zerschlugen, und dann sich ihren Dienst darin ein-richteten, wofür eine einzige Kapelle hingereicht hätte. Währenddeß flüch-teten die armen Katholiken mit den hehren Geheimnissen ihres Glaubensin verborgene Schlupfwinkel; in Kellergewölben unv Dachstuben warddas heilige Opfer dargebracht, und nur unter Lebensgefahr konnten diePriester zu den Kranken gelangen, und ihnen den Trost der Religionspenden. Jeden Augenblick mußten die Orte, wo der Gottesdienst heimlichgefeiert wurde, verändert werden, damit nicht die immer wachsamen Spä-her das Geheimniß entdeckten, und die Schuldigen (!) zur Strafe zögen.Roch jetzt liegen zu Amsterdam und in den andern niederländischen Städtendie katholischen Kirchen großentheilS so verborgen, daß man nach demAeußern zu urtheilen dort keine Gotteshäuser vermuthet. Zu Amsterdam wurde ein Priester, der über dem Lesen der heiligen Messe ergriffen war,auS dem Verstecke unter dem Dache hervorgezogen, und vom fanatischenPöbel erhängt. Wer aber kennt nicht die Geschichte der Märtyrer vonGorkum? Hier war es nicht allein der rohe Haufe dcS Volkes, der dieseheldenmüthigen Priester grausam zerfleischte, sondern selbst die höchstenBehörden des Landes betheiligten sich an dieser gräßlichen Mordthat; dieKirche aber feiert ihr Andenken gleich dem glorreichsten Märtyrer aus derZeit der heidnischen Verfolgungen. Einbrechende Kriegsgefahr nöthigte dieHolländer, mit den Katholiken etwas milder und nachsichtiger zu verfahren.Man spürte ihren verborgenen Versammlungsörtern nicht mehr nach. InNordbrabant, wo die ganze Bevölkerung katholisch war, gestattete manihnen, statt der geraubten prächtigen Tempel auf dem Lande kleine Kirchenzu bauen.» Dieselben durften aber keine Glasfenster haben, mußten mitStroh gedeckt seyn, und dursten nur in weiten Zwischcnräumen errichtetwerden. Man nannte sie Scheunekirchen. Aber diese Scheunekirchen warendoch der Heerd katholischer Andacht, und dort entflammte die Kraft deskatholischen Glaubens die Gemüther der Unterdrückten mit dem Muthe derEntbehrung und der Standhastigkeit.
In diesen Scheunekirchcn, und weil der enge Raum die Gläubigennicht alle faßte, weit um sie herum, sammelten sich an Sonn- und Feier»tagen zu Tausenden die Gläubigen, und stellten, um den dürftigen Noth-altar versammelt, durch ihre Andacht, durch ihre Glaubenstreue und brü-derliche Eintracht ein lebendiges Bild der ersten Christenheit in den Zeitender Verfolgung und der Drangsal dar; während in den weiten Räumender den rechtmäßigen Gemeinden geraubten Kirchen der reformirtc Prädicanteine Handvoll Neugläubiger um seine Kanzel versammelte, und den Sturzdes Papstthums und den Beginn des wahren Christenthums mit ellenlangenPhrasen pries. Wenn ein katholisches Kind Unterricht genießen wollte,so mußte eS die protestantische Schule besuchen, und der Lehrer benutztedie schickliche Gelegenheit nach Kräften, alles, was Haß und Unwissenheitüber den katholischen Glauben vorzubringen, vermochte, den katholischen Schülern und Schülerinnen vorzuhalten. Wollten Katholiken heirathen,so mußten sie sich vom reformirten Prädicanten copuliren lassen, sonstwurde ihre Ehe vom Staate als Concubinat betrachtet. Der resormirtePrädicant ließ eine solche Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen. Warsonst auch die Kirche unbesucht und leer, bei den Copulationen von Katho-liken war sie überfüllt. Dann mußten die Verlobten in einem abgesonder-ten Kirchenstuhle Platz nehmen, und mußten nun in Gegenwart einer imhöchsten Grade entzückten Menge einen ganzen Regenguß von Verwün-schungen und Verhöhnungen des katholischen Glaubens über sich ergehenlassen. Erst wenn dieses geschehen war, wurden sie auS ihrem Nothstallbefreit, und der Prädicant nahm die Copulation vor. Die Katholikenwurden von allen Anstellungen ausgeschlossen; nur wenn Einer den Glau-ben seiner Väter verleugnete, ward er sehr schnell und mit großer Bevor-zugung befördert. Daß bei einem solchen fast 200 Jahre lang fortgesetztenDrucke die Zahl der Katholiken abnehmen, und daß bald die Protestantendie Ueberzahl der Bevölkerung bilden mußten, ist leicht erklärlich. Ja, eSwollte gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts fast scheinen, als solltendie Katholiken allmälig ganz und gar unterliegen.
(Fortsetzung folgt.)
(Oesterr. Volksfreund.)
Ueber diesen wohlbekannten deutschen Dichter, der sein großes poeti-sches Talent durch absichtliche „Verliederlichung" eben so zu Grunde rich-tete, wir sich selber, berichtet ein anderer deutscher Dichter, ebenfalls ein
Apostel deö Unglaubens und des RadicaliSmuS, Alfred Meißner , inseinen „revolutionären Studien auS Paris" uiucr anderm folgendes: „AlsFrau Heine mir zuerst von dieser religiösen (grübelnden) Richtung in Heine'SGemüth erzählte, wollte ich nicht daran glauben. Er sah meine Verwun-derung und lächelte wieder schmerzlich wie gewöhnlich. In der That, sagteer, es ist seit einiger Zeit eine religiöse Reaction bei mir eingetreten.Weiß Gott, ob daS mit der Morphins '*), ob mit den Kataplaömen zu-sammenhängt. ES ist so. Ich glaube wieder an einen persönlichen Gott!Dahin kommt man, wenn man krank ist, todtkrank und gebrochen!"Indem sich Heine gegen seinen jungen Freund dann noch mit politischenWitzen entschuldigt und bittet: „ihm kein Verbrechen daraus zu machen,"sagt er zuletzt: „Mein Freund, hören Sie da eine große Wahrheit: Wodie Gesundheit aufhört, wo der gesunde Menschenverstand aufhört und wodaS Geld aufhört, da überall fängt das Christenthum an."
Nun wird unser Blatt wohl schwerlich von Anhängern Heine'»gelesen oder beherzigt werden; auch werden unsere Leser hoffentlich an die-sem kecken Spotte nur so viel Aergerniß nehmen, als eS derselbe verdient.Allein zwischen diesen Gefühlen von Nichtbeachtung und gerechtem Unwil-len drangen sich uns doch unwillkürlich ein paar erfreuliche Betrachtungenauf, die wir nicht verschweigen zu dürfen glauben. Die eine ist die An-wendung der Verse, womit ein weltbekanntes Lied von Heine selber be-ginnt: „Eö ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu" — nämlichdie, daß fast noch jeder sogenannte Freigeist, jeder Spötter, dem Ernsteder letzten Stunde gegenüber, mehr ober weniger sein nic-a cul,,a zu betenversucht, ob auch der Fürst der Welt mit allen seinen Hecrschaaren (alsda sind Leichtsinn, Spott, Witz, falsche Scham, Gewohnheit, Fröbel-Feuerbach'sche Weltweisheit u. dgl.) dagegen auftrete. Vergebens suchtder hinfällige Altmeister deö Unglaubens seinem Jünger, dem Sänger deS„ZiSka" die eigene religiöse Unistimmung zu verbergen oder zu beschönigen;sie ist eben Thatsache! Er denkt an einen persönlichen Gott, den erfrüher mit krankhaftem Witze geläugnet, und sein Bekenntniß, wiewohl inkläglichen Scherz verkleidet, gibt, ohne daß er es zu wissen oder zu beab-sichtigen scheint, einer andern großen Wahrheit, nämlich jener des Evan-geliums die Ehre! Wer kennt nicht die Worte des Gottmcnschen: „Ihralle, die ihr duldet und mit Mühsal beladen seyd, kommt zu mir und ichwill euch erquicken?" AIS er die Bedingungen verkündete, von denen daSHeil abhängt, sprach er: Selig sind die armen im Geiste, d. h. nicht dieGeisteSarmcn, sondern die Demüthigen, die er auch die Kleinen nannte.Jeder, der sich um daS redliche Verständniß dieser Worte bemüht hat,wird dann wissen, welche Wahrheit in jenen Worten Heine'S liegt, daihnen ja nur der Vorder- oder der Nachsatz fehlt. „Wo die Gesundheitaufhört, wo der gesunde Menschenverstand aufhört und wo das Geldaufhört, da überall sängt daS Christenthum an."
WaS ist der eigentliche Sinn dieser Worte? Wo die Kraft und FülledeS animalischen (thierischen) Lebens untergeht, wo der gemeine Welt-verstand, der nur das Materielle und Sinnliche versteht, und allesUebersinnliche verachtet, nichts mehr helfen kann, oder wo Körperkraft undSchlauheit von der dritten Weltmacht: dem Gelde, sich ganz verlassenfinden, da tritt die heidnische Gesinnung und der Götzendienst in denSchatten, und der geistige Gedanke beginnt im Gewissen und im Verlan-gen nach der wahren Religion sich zu regen; weil das Gefühl deS Ver-lassenseynS von den irvischen Oelgötzen die Sehnsucht nach dem wahrhaftenunendlichen, und daher persönlichen (wissenden und heiligen) Gotte hervor-ruft. Wer hingegen die rechte Gesundheit (im Glauben und in der Hoff-nung) schon besitzt, wessen Menschenverstand wirklich gesund genug ist,um sowohl Irdisches als UebersinnlicheS zu verstehen, und seines geistigsittlichen Verhältnisses zu Gott und den Menschen sich bewußt zu bleiben;endlich wem das Geld weder daS höchste Gut noch daS höchste Mittelist, so daß er, ob reich oder dürftig, jedenfalls auf Mäßigkeit und Entsa-gung sich einzurichten weiß — der findet sich eben schon mitten auf demWege deS Christenthums, und braucht nicht erst „anzufangen," sondernhat nur die Warnung zu beachten: „Wer da meint, daß erstehe, der sehewohl zu, damit er nicht falle," und dann wieder von neuem ansangen müsse.
Aus preußisch Schlesien . Am 7. und 8. November waren dieAbgeordneten der katholischen Vereine Schlesiens in Neiffe versammelt.
») Morphine oder Morphium, an« dem Opium bereitet, als Mittel zur Milder»»»der Schmerzen; da« Wort ist von dem Namen abgeleitet, womit einst der Gott de»Schlafe « bezeichnet wurde.
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