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Neunter Jahrgang.
^ SL
SL December
Schreiben des Benediktiners Bonifaz Wimmer in
St. Bincenz
an einen Theologen in München.
8. Vineonr neor 4soungstoävn ^Vesimorelonil Lountz-, 4. 4uni 1849.
Euer Wohlgcboren!
Die Ueberbringerin Ihres so werthen BriefchenS traf ich mit ihrenGefährtinnen zu meiner großen Freude und Uederraschung in Baltimore den 14. Mai gerade den Tag zuvor, ehe ich vom Concilium weg wiederzur Heimreise mich schickte. Sie waren alle wohl und gingen voll Ver-trauen und freudigen Muthes ihrer Bestimmung entgegen, obwohl ihnenlängs deS Ohio und Missisippi die Cholera überall den Weg zu verlegensuchte. Der hochwürdigste Bischof von Dubugne erwies ihnen die Gnave,daß sie unter seinem Geleite bis St. LouiS reisen durften. Ihren Brieferhielt ich erst zu Hause, weil sie ihn von Nerv-Volk auö an michgeschickt hatten.
Ich sehe daraus, daß Sie und noch mehrere Ihrer Freunde gesinntseyen, Benebictiner zu werden, und einst hier an meiner und meiner Mit-brüder Seite für die heilige Kirche zu wirken. DaS freut mich ungemein,und wird auch Sie nie gereuen, wenn der Wille zur That wird.
ES freut mich ungemein, sage ich. Meine Misston schien Anfangsvielen, auch meinen besten Freunden, etwas abenteuerliches; und wenn siedie Schwierigkeit der Sache selbst und mehr noch meine Persönlichkeit sichbetrachteten, so mußten sie fast zu einer solchen Ansicht kommen. Ichkannte beide so gnt und bester, als Andere; ich sah aber darüber hinwegauf die Bedürfnisse der amerikanischen Kirche und die unendliche GüteGottes, der in den Schwachen stark ist, und folgte, meiner redlichen Ab-sicht eben so bewußt, als anderseits meiner Unwürdigkeit und Unfähigkeit,dem innern Dränge, und fand wohl die Schwierigkeiten, die mir begegnenmußten, aber bisher allzeit auch, durch eine wunderbare Fügung der gött-lichen Vorsehung, die nothwendigen Mittel, sie zu überwinden und zu be-seitigen, und ehe noch 3 Jahre verflossen, konnte ich schon 3 Niederlassun-gen unseres Ordens hier zu Lande begründen, die mit der Zeit von unge.meiner Wichtigkeit für die amerikanische Kirche werden müssen, wenn Got-tes Segen ferner auf ihnen und der Geist deS heiligen Beneblet in ihnenwaltet. Ihr Brief bestärkt mich in dieser Hoffnung, weil er eine ZunahmedeS OrdenSpersonaleS an Zahl und Kraft und gutem Geiste in Aussiehtstellt — und deßwegen, sagte ich, freut er mich ungemein.
ES wird auch Sie nie gereuen, hier zu wirken und zwar als Bene-dictiner: Hier entscheidet sich das Schicksal der Welt und die Geschicke der, Kirche Gottes, und zwar schnelle. In Jahrzehnten wird da gethan, waSdraußen in Jahrhunderten nicht geschah. Die ganze christliche Kirchenge-schichte, glaube ich, wir» sich in einem Jahrhunderte Lurch alle Phasenwiederholen, wenn auch in einer neuen Auflage, weil unter ganz neuenVerhältnissen: wir gewinnen oder verspielen Alles, je nachdem wir zurrechten Zeit, oder zu spät auf dem Kampfplätze erscheinen. Wie Deutsch land nichts von Amerika erhielt, weil eS zur Zeit der Entdeckung undBesetzung keine Colonisten sandte, so würde die Kirche ausgeschlossen oderim Keime erstickt, wenn sie keine Missionäre schickte, oder nicht Anstaltmacht, daß die hier wirkenden immer ersetzt, vermehrt und allen Feindengewachsen seyen. Nur wer keine Augen hat, oder damit nicht sehen will,kann dieß verkennen.
Also Priester, brave, tüchtige Priester sind hier nothwendig —und sie sind nicht hier! Wohl sind ihrer ziemlich viele; aber die hier ge-bildeten sind meistens sehr mangelhaft gebildet, auS Mangel an Bil-dungSanstalten; und der andern sind wenige, und alle zusammen sind weit,
weit zu wenige. Tausende von Alten gehen jährlich an die Sccten „nvmehr noch an die Freimaurer verloren; und ln noch größerer Gefahr suhldie Jugend! ES ist ein entsetzliches Foclum, daß bisher die katholisch, Re-ligion selten im dritten Gliede noch in der Familie forterbt, und man be-rechnet 6,000,000 Apostalenü Trotz der ungeheueren Einwanderungenzählen wir nicht viel über 1,000,000, weil die Jugend immer verlor, ngeht. Das ist zwar schlimmer noch unter den Irischen ; aber schlimm genugauch unier den Deutschen. Und die Ursache ist nur der Mangel anPriestern; leicht könnten wir im entgegengesetzten Falle eben so vi.leEonvertiien haben.
Wer soll also nicht wünschen, hier als Priester zu wirken, wenner so viele Verluste verhindern, so viele Eroberungen hoffen kann?
Aber als Priester — allein, verlassen, ein aufgegebe-ner Posten — waS kann er viel thun? Er kann wirken für die Seel n;was kann er aber wirken für die Priester, daß Priester nicht fehlen, laßsie sich mehren? Auf Tagreisc» weit hat er selbst keine» Priester, den erberathen, dem er beichten, bei dem er Trost und Aufmunterung sud enkönnte! AIS Welipriester ist er in Gefahr, in der größten Gefahr, selbstzu verweltlichen, weil gänzlich dem Einflüsse der Well bloßgestcUt. Wissendoch selbst die Bischöfe nicht, wa« zu thun, um einen frischen Nachwill! San Geistlichen zu bekommen: haben entweder feine Seminarien, oder keineProfessoren', oder keine Zöglinge, oder überall zu wenig!
Da müssen die geistlichen Orden tnS Mittel treten. Sie waren esallzeit, die Bekehrungen im Großen gemacht und erhalten haben. Fi runsere Deutschen in den Städten sind eS auch vorzüglich die Redemptv-risten, die sich unschätzbare Verdienste erworben und erwerben.
Aber auch sie können nichts thun für Heranbildung eines jungenKlerus — eö ist gegen ihre Ordensregeln; sie haben eS versucht — ohneErfolg — und ein- für allemal aufgegeben. Sie nehmen nur Philosophenund Theologen an. Jesuiten erziehen vorzüglich nur für die hohe Welt;Lazaristen haben im Dienste der Bischöfe deren höhere Seminarien. FürDeutsche besteht gar nichts, gar nichts, und sie sind '/, oder ^ allerKatholiken!
Hört das, ihr deutschen Jünglinge, ihr deutschen Theologen undPriester! unsere deutschen LantSIeule haben hier keine deutschen Priester,oder nur sehr wenige, und unsere deutschen Knaben, die Priester werdenwollten, keine einzige Anstalt, wo sie studiern könnten, wo sie zuPriestern gebildet werden könnten, um ihre deutschen Brüder und Sckwe»stern im katholischen Glauben zu erhalten!
Doch nein — sie haben eine, jetzt nur eine einzige, aber einesolche, worin auch der Arme, der ganz Arme, der nicht einmal Bücherund Kleiber mitbringen kann, zum Priester gebildet werden kann, unddiese ist in St. Vincenz, wo 5 Bcnedictinev Priester und 36 Benedictiner-Brüder mit dem Schweiße ihrer Hände ein Seminar eröffnet haben, indem Heuer 13 Knaben Unterricht und Unterhalt fanden, nachdem sie mitden Kreuzern, welche bayerische HauSväter und Dienstboten zum MissionS-verein beigesteuert, ein armes Klöstcrlcin erbaut und eingerichtet hatten!
DaS ist daS erste und einzige deutsche und zugleich daS erste undeinzige katholische Knabenscminar für katholische Priester in der neuenWelt, und Benebictiner sind eS, die eS eröffnet, die eS leiten, die eSmit GotteS Hilfe zu einem großen Kollegium, zur Metropole vieler ähn-licher Institute machen werden.
Wer sollte nicht gerne ein Benebictiner werden, wäre eS auch nur,um an einer so nothwendigen Anstalt mitzuarbeiten? In welchem Vergleichekann das Wirken, auch des gesegnetsten Missionärs stehen zu dem Wirkeneines Lehrers an einer solchen Anstalt, auS der einstens Hirten für Tau-sende von sonst Verlornen, weil zerstreuten und hirtenlosen Schafen hervor-gehen werden!
1 ^
'V
') Neue Sion.