Ausgabe 
9 (23.12.1849) 51
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und zwingt sie nicht mehr, ihre Versammlungsorte! zu verstecken. Aber,das Alles macht wenig aus, so lange das Wesentlichste fehlt. Holland ^muß Bischöfe haben. Ohne Bischöfe gedeiht kein kräftiges, den Verhält-nissen der Zeit gewachsenes Priesterthum; ohne Bischöfe ist rie Kirche voiftHolland verwaiset, sie ist nicht eingewurzelt in den vaterländischen Boden.Die Kirche muß in Holland die Schulen wieder haben. Einige Knabenseminare und Seminaranstalten reichen nicht hin, den Betüisnifsen undRechten der Kirche zu genüge». Die Niederlande besitzen 3 Universitäten;Wenigstens Eine muß katholisch werden. Die öffentliche» Gymnasien undAthenäen sind alle protestantisch, und werden doch vom Gelde dcS CtaatcS,also auch großen Theiles von dem Gelde der Katholiken unterhalten, dasmuß aufhören; 2 Fünftel der öffentlichen Anstalten müssen einen katholischenCharakter bekommen. Die Volksschule ist der Kirche entrissen, und istwesentlich in den Händen der Protestanten.

Wenn man sagt, die Schulen in Holland sind überhaupt nicht kon-fessionell, es wird auf das religiöse Bekenntniß des LehrerS gar keine Rück-sicht genommen, so ist damit das, waS wir sagen wollten, nur bestätigt.WaS keine konfessionelle Farbe hat, ist eben dadurch schon der katholischenKirche feindlich. Zudem hat man in Holland die Cvnfessionöschulen nurdeßhalb aufgehoben, um die unabweisbaren Ansprüche der vielen ganzkatholischen Gemeinden vereiteln zu können. Unter dem Vorwande, auf dieConfesston dürft nicht gesehen werden, setzt man protestantische Lehrer in ganzkatholische Gemeinden. Die Kirche muß ferner das freie AffociationS- undCorporationSrechl haben. Mit der vom Staate gegebenen Erlaubniß, ineinigen Klöstern Novizen aufnehmen zu können, ist der Kirche wenig gehol-fen. Dann muß ferner die gränzenlose Parteilichkeit bei der Anstellungder Beamten aufhören. Die holländischen Zeitungen haben im vorigenJahre die Listen aller niederländischen Beamten, hoher und niederer, mit-getheilt, und die Welt hat gestaunt. Ein solches Mißverhältniß ist mehrals Ungerechtigkeit; es ist eine wahre Verhöhnung, und die Katholiken inHolland müßten wahrlich keine Manneskraft und kein Ehrgefühl besitzen,wenn sie länger mit einer solchen Stellung sich begnügen wollten.

Seit den Jahren 180610 gewahrte man, wie bemerkt, ein all-mäligeS Steigen der katholischen Bevölkerung, daS immer sichtbarer zu-nahm und bis auf den heutigen Tag beständig fortdauert. Dadurch istdas außerordentliche Mißverhältniß, welches 1750 80 zwischen beidenRcligioiiSparteicn stattfand, so ziemlich wieder ausgeglichen, und es läßtsich der Zeitpunct voraussehen, wo völlige Gleichheit eintreten wird. Manhat im AuSIande, wo man gewohnt war, die ganze Masse der Bevölkerungfür protestantisch zu halten, gestaunt, als die ersten Zähluugen der einzel-nen Provinzen veröffentlicht wurden. Nordbrabant und Limburg , die bei-den südlichsten Provinzen, sind vorherrschend katholisch. -Die Protestantenmachen in der einen den achten oder neunten, in der andern etwa denzwanzigsten Theil der Bevölkerung auS. In den mittleren Provinzen über-steigt die Zahl der Katholiken ein Drittel der Gesammibevötkerung undbeträgt in Geltcrland und Utrecht zwei Fünstheile. Selbst in dem Herzendeö niederländischen Königreiches, in Nord- und Südholland, ist ein großerTheil der Stammbevölkerung katholisch und beläuft sich aus 300,000 Seelen.Rund um Leyden und um den Haag gibt es große Dorfsckasten, in denennur vereinzelte Protestanten wohnen. In der Provinz Zeeland ist die In-toleranz und der Druck gegen die Katholiken wohl stäiker als irgend wogetrieben worden, und man hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, daöAuskommen von Gemeinden zu verhindern. Dennoch hat sich die Zahl derKatholiken vermehrt und ist durch die Verbindung mit Distrikten aus derflantern'schen Seite zu -4050 000 Seelen gestiegen, so daß die Provinzheut zu Tage beinahe zum dritten Theile katholisch ist. Die drei nördlich-sten Provinzen sind sehr überwiegend protestantisch und sichern dem Prote-stantismus noch für eine Zeit lang in den Niederlanden ein Uebergewicht.Dennoch kann man eigentlich nur die unbedeutende Provinz Drcnthe(67,000 Einwohner, darunter 56000 Katholiken) als protestantisch be-zeichnen, während in Vricsland und Groningen die Anzahl der katholischen Gemeinden sehr bedeutend ist. Im Ganzen rechnet man jetzt in dem Königreicheder Niederlande über 1,200,000 Katholiken Wollte man Luremburg, wel-ches freilich keinen Bestandtheil deS Königreiches ausmacht, hinzurechnen,so würde sich eine Zahl von 1,400,000 Katholiken ergeben.

Daß bei einem solchen AuSsaugungssysteme die Katholiken noch nichtsammt und sonders an den Bettelstab gebracht sind, ist in dcr That zuverwundern. Andererseits aber flößt eS uns eine hohe Achtung vor derGewissenhaftigkeit und GlaubenStreue der Katholiken ein, wenn wir sehen,daß sie so unerschütterlich an ihrer Religion festhalten, obwohl katholischeFamilien keine Hoffnung haben, daß ihre Söhne je zu einer StaatSanstel-lung gelangen. Die Katholiken haben aber recht daran gethan, daß siesich endlich erhoben und ermannt haben. Sie haben gut gethan, daß sieden Druck, dem sie unterworfen sind, zur Kenntniß der civtlisirten Europa'S

gebracht haben. Selbst in der Türkei besteht heut zu Tage nicht mehrein solches System der Bedrückung gegen die Christen. Wenn auch nichtmenschliches Gefühl, wenn auch nicht Christenthum und Toleranz die Re-gierung antreibt, von ihrem bisherigen Systeme abzulassen, so wird dochdaS Schamgefühl sie zwingen, eine» andern Weg einzuschlagen. Mögendie Katholiken und ihre Vertreter in den Kammern ununterbrochen fort-fahren mit ihre» Veröffentlichungen. Mögen sie ihren katholischen Brüdernim AuSlande die genauesten Details über die dortigen Zustände geben.Mögen sie aber auch von dem VcrcinSrechte, so sehr man eS ihnen auchverkümmern mag, den ausgedehntesten Gebrauch machen. Möge ein gemein-samer Sinn sie alle durchkringen. Wo 1,200,000 Katholiken im vereintenSchrei deS Unwillens ihr gutes Recht fordern, wer wird eS wagen, eSihnen noch lange zu verweigern? Vor Allem aber mögen sie sich enge zu-sammenschließen mit den Katholiken in Deutschland. In Deutschland wirdder Kampf für die Freiheit der Kirche ausgefochten werden. Ein cngcrAnschluß an Deutschland wird den Katholiken in Holland eine große mora-lische Kraft verleihen, so wie die Trennung von Deutschland sie schwachgemacht, und sie der Knechtschaft überantwortet hat.

Blumen au- den, Schriftgarten des heiligen Vernarbn-.

(Fortsetzung.)

104. Himmelfahrt Christi.

Da unser Herr JesuS Christus unS lchrcn wollte, wie wir in denHimmel auffahren sollen, lbat er selbst, waS er lehrte, und fuhr in denHimmel. Und weil er nicht auffahren konnte, wenn er nichtzuerst herab stieg: daö Herabsteigen aber oder das Auffahren die Ein-fachheit seiner Gottheit nicht gestattete, die nicht vermindert, nicht vermehrtoder verändert werden kann: nahm er in der Einigkeit seiner Person unsereNatur an, d. i., die menschliche, um hcrabzusteigcn und aufzufahren, undunS den Weg zu zeigen, auf dem auch wir auffahren sollten. Bleibendalso-, waS er seiner Natur nach war, stieg er herab und fuhr hinaufwegen unS, indem er in unserer Naturmächtig fortwirkte voneinem Ende zum andern, und alles lieblich anordnete."Er stieg so weit herab, daß es sich nicht weiter herabznstcigcn geziemte,er fuhr so hoch auf, daß er nicht mehr höher konnte, und sein Herab-steigen bewirkte er mächtig, weil er dieKraft" war: sein Hin-auffahren ordnete er lieblich an, weil er dieWeisheit" war.ES gibt aber Stufen im Herabsteigen und Stufen im Auffahren.Im Herabsteigen ist die erste Stufe vom hohen Himmel bis zumFleische, die zweite bis zum Kreuze, die dritte bis zum Tode.Siehe, wie tief er hinabstieg! Wir haben jetzt daS Herabsteigen gese-hen, wollen wir auch daS Auffahren betrachten! Die erste Stufedesselben ist die Herrlichkeit der Auferstehung, die zweite die GewaltdeS RichteramteS, die dritte das Sitzen zur Rechten des Va-ters. Vom Tode verdiente er die Auferstehung, vom Kreuze dieMacht deS Richters, damit, weil er zu jenem ungerecht vcrurtheiltworden war, er von diesem daS gerechte Strafamt erhielte. DieKnechtsgestalt aber, d. t., daö Fleisch, in dem er gelitten hat, weckte erauf und erhob eS über alle Himmel, über alle Chöre dcr Engel bis zurRechten des Vaters. WaS ist lieblicher, als diese Anordnung, wo derTod verschlungen wird im Siege? wo die Schmach des Kreuzesverwandelt wird in Ruhm, wo sogar die Niedrigkeit dcS Fleisches vondieser Welt hinübcrgehl zum Vater. Nichts Höheres und Ehrenvollereskann ausgesprochen oder auSgedacht werden, als diese Auffahrt. So istder Herr durch daS Geheimniß seiner Menschwerdung herab und hinaufgestiegen, und hat unS ein Beispiel hinter lassen, damit wirseinen Fuß stapfen nachfolgen.

Steigen wir herab auf den Weg der Demuth, und eS werde unSdie erste Stufe zu derselben gelegt, d. i., dcr erste Schritt dazu: nichtherrschen wollen; der zweite: unterworfen seyn wollen; derdritte: in der Unterwerfung selbst alle zugefügten Unbildengleichmüthig erdulden. Der Satan und der Mensch wolltenbeide verkehrt aufwärts steigen: dieser zur Erkenntniß, jener zurMacht, beide zum Stolze. Nicht so sollen wir auffahren wollen.Der erste Schritt beim Aufsteigen ist die Schuld losigkeit derHandlung, der zweite die Reinigkeit deS Herzens, der drittedie Frucht der Erbauung. Dieselben Stufen finden wir auf wunder-same Weise in den obern Graden deS HerabstcigenS. Dort nämlich warder dritte Grad die Ertragung der Unbilden. Sie ist eS, welcheden Lohn dieser Aufsteigung prüft, nämlich die Unschuld der Hand-lung. Dort war der zweite Grad die Geduld der Unterwerfung,