Ausgabe 
20 (1.1.1860) 1
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hebt ſich zuſehends; mit einem Worte: die kath. Miſſion hat in allen Verhältniſſeneine gänzliche Umwandlung bei dem verkommenen Volke hervorgebracht.

Die Bevölkerung der Seſchellen beläuft ſich gegenwärtig auf 9000 Seelen,wovon 7000 der kath. Kirche angehören; die übrigen ſind Proteſtanten, Heiden undUngläubige. Am 25. Aug. 1858 ſchrieb der Vorſtand der Miſſion, P. Jeremias;In Betreff der Religion ſtehen die Sachen gut; die Bekehrungen der Irrgläubigenmehren ſich. Der proteſt. Prediger, gegenwärtig ohne allen Einfluß, iſt nun aufdas Schulweſen beſchränkt; er öffnet ſeinen Tempel kaum einmal Sonntag Morgens.Die Zahl der Proteſtanten, die bis jetzt(1858) in die Kirche aufgenommen wurden,beträgt 400 und noch täglich finden Uebertritte ſtatt. Die noch übrigen Heidenſind faſt durchgängig ſolche, die man theils wegen ihrer Laſter, theils wegen ihrerUnwiſſenheit noch nicht aufnehmen konnte.

So ſind die Seſchellen​⸗​Inſeln mit ihrer kath. Bevölkerung nach kurzer Zeit einwenn auch kleiner, doch koſtbarer Edelſtein in der Krone der kath. Kirche geworden.Was aber dieſem kleinen Miſſionsfelde eine beſondere Wichtigkeit verleiht, iſt dieſes,daß es bei ſeinem geſunden Klima, fruchtbaren Boden und ſeiner nahen Lage ander Oſtküſte Afrikas ein Vorpoſten für die wichtige Miſſion der ausgebreitetenGallas​⸗​Länder wird, in welchen ſeit einigen Jahren die kathol. Miſſionäre mit un-glaublichen Mühen, aber auch mit außerordentlichem Erfolge das Werk der Bekehrungbegonnen haben. Von den Seſchellen aus können die Glaubens​⸗​Boten leicht zu denGallas hinüber gelangen, wie auch der ſchon genannte P. Leon von hier aus indie Miſſion der Gallas wieder zurückkehrte. Und wenn dann dieſe Arbeiter imWeinberge des Herrn auf den ungeſunden Oſtküſten Afrikas ihre Geſundheit geopfert,ihre Kräfte erſchöpft haben, und nichts mehr brauchen auf dem Kampfplatze dieſesLebens, als ein Plätzchen, um darauf ihre Abberufung in den Himmel zu erwarten;ſo finden ſte ein ſolches auf den nahen Seſchellen bei einem kathol. Völkchen, undhaben dabei noch den Vortheil, den Schauplatz ihrer Mühen nicht ganz aus demGeſichte zu verlieren.

Die Peſt der ſchlechten Bücher.Von P. K. Clemens.

Der als Miſſionär und Prieſter der Verſammlung des allerheiligſten Erlöſersauch in weiteren Kreiſen rühmlichſt bekannte P. Clemens, gegenwärtig zu Born-hofen, hielt vor einigen Jahren in der Jeſuitenkirche zu Coblenz eine Reihe vonVorträgen über die Peſt der ſchlechten Bücher, die gegenwärtig im Drucke erſchienenſind*), und denen wir den fünften Vortrag,die Widerlegung der falſchen Ent-ſchuldigungen entnehmen, während wir das vortreffliche und praktiſche Büchleinunſeren Leſern zugleich auf das Wärmſte empfehlen. P. Clemens fertigt die Ein-wendungen und Entſchuldigungen gegen das Leſen ſchlechter und verdächtiger Bücherin folgender Weiſe ab:

Man erzählt von einem aſiatiſchen Fürſten der Vorzeit, er habe eines Tagesmit einem ihm benachbarten Fürſten ein Freundſchaftsbündniß geſchloſſen. LangeZeit hindurch ging Alles gut, man gab ſich gegenſeitig Geſchenke und Niemand wärees eingefallen, zu glauben, der benachbarte Fürſt meine es nicht gut. Bald aberwurde der Fürſt über ſeinen Nachbar völlig enttäuſcht, denn er erkannte, daß ebendieſer ſo freundliche Nachbar ihm nach der Krone ſtrebte. Es kam nun zu einemheftigen Kriege, in welchem der Fürſt das Haußptheer ſeines treuloſen Nachbarn

*) Der vollſtändige Titel des Werkchens lautet:Die Peſt der ſchlechten Bücher.Sechs Vorträge von P. K. Clemens, Prieſter der Congregation des allerheiligſten Erlöſers.Nebſt einem Anhange: Die Lehre der katholiſchen Kirche über das Leſen der heiligen Schrift.Mainz, Verlag von Franz Kirchheim.(Preis 36 kr.)