Ausgabe 
20 (29.1.1860) 5
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Die Gaben der Leopoldinen-Stiftnng schreibt P. Rnland werden nurzur Erziehung unserer Novizen und Studenten verwendet. Der Unterhalt des No-viziats und StudendatS kostet uns jährlich bei der gegenwärtigen Zahl von Studen-ten und Novizen über 6000 Dollars. Woher die Mittel allesammt kommen, weißich selber nicht. Ich habe oft keinen Cent Geld in der Hand, wenn 200, 300, 400und 500 DollarS zu zahlen find. Seither hat uns Gott immer wunderbar geholfen.Obgleich der Bau des StndendateS uns mehre tausend DollarS Schulden zurückließ,so hoffe ich doch, daß der Herr die Schuld wird zahlen helfen. Gott hat bisjetzt so viele junge Leute zur Congregation berufen, daß wir bereits ein blühendesStndendat haben, in dem gegenwärtig 47 Jünglinge den verschiedenen Zweigender Studien obliegen, nm sich zu fähigen und tüchtigen Arbeitern im Weinberge desHerrn heranzubilden. Ueberdieß zählt unser Noviziat in diesem Augenblicke 18 No-vizen. ES gränzt diese Erscheinung in einem Lande, wie Amerika , fast anö Wunder-bare, und unsere kühnsten Erwartungen hätten sich vor wenigen Jahren noch einensolchen Zuwachs kaum zu träumen gewagt. Unser Stndendat zu Cnmberland istdas drittstärkste unter den Seminarien in den vereinigten Staaten. Dabei habenwir die gegründete Hoffnung, daß der Zngang von jungen Leuten in den nachfol-genden Jahren wenigstens gleich stark, wenn nicht noch viel bedeutender sein wird.Denn von den Knaben, die unsere deutschen Schulen besuchen, zeigen alljährlich fast immermehr Lust zum Studiren, und dann, wenn sie das gehörige Alter haben, bei unseinzutreten. Eine bedeutsame Thatsache bei dem Materialismus der großen Masse,bei dem ewigen Haschen nach Geld und Gewinn! Insbesondere sind eS die Deut-schen, unter deren Söhnen sich der Herr Arbeiter für seinen Dienst auSerwählt,während er die Eltern bewegt, demselben ihre Kinder freudig darzugeben und deß-halb sogar manches zeitliche Opfer zu bringen. Denn es kostet ziemlich viel, hiereinen Knaben bis zu sein-m 16. Jahre, wo er erst bei uns aufgenommen werdendarf, studiren zu lassen. Dank der göttlichen Vorsehung, die Alles so ordnet! Ruhmdem deutschen Namen, der über Kurz durch seine Abkömmlinge, die hier gebornenDeutschen, die Fahne des Glaubens ergreifen wird, um dieses Land der Kirche zuunterwerfen! Denn daß die Bekehrung Amerikas vorzüglich durch das deutsche Ele-ment zu geschehen hat, ist meine festeste, innigste Ueberzeugung.

Was unsere Arbeiten im vergangenen Jahre betrifft, so sind sie ohne Verän-derung dieselben gewesen, wie in den früheren Jahren. Nur nehmen sie in einerWeise zu, daß wir schon Manches angethan lassen müssen, zu dem wir uns unterandern Umständen verpflichtet halten würden. Um z. B. nur von dem allernächstenPlatze, von Baltimore selbst zu reden, so sind wir bei Weitem das nicht mehr zuleisten im Stande, was die deutsche katholische Bevölkerung in und um die Stadt er-fordert, die in ihren geiftlichenBedürfnissen ausschließlich aufunS angewiesen ist. NacheiuerBerechnung, die sich auf eine Zählung der Familien und Personen der Stadt grün-det, gibt eS wenigstens 16,000 Deutsche in Baltimore , die katholisch sind. Sie findin der ganzen Stadt zerstreut d. i. auf einem Terrain, daS in einer Richtung IVi,in der andern 1^ Stunoeu, im Durchmesser hat. Wenn nun 8 Priester diese16,000 Katholiken in 3 Kirchen zu versehen haben, wenn 2 dieser Kirchen excurranckobesorgt werden, wenn die Patres zum Versehen und Besuchen der Kranken, die be-sonders im Sommer bei der großen Hitze sehr häufig sind, Stunden weit gehenmüssen, so begreift man sehr leicht, daß das Feld zu groß, die Arbeit über ihreKräfte ist und Vieles nicht gethan werden kann, was sie zu thun wünschen. DiePredigten, die Conferenzen für die Bruderschaften alle Sonntage, der KatechiSmuS-unterricht in den Schulen und an den Sonntagen in der Kirche, der Unterricht derBrautleute, deren im vorigen Jahre hier 226 Paare getraut wurden, der Unterricht derKonvertiten, die oft nur einzeln kommen und darum einzeln vorgenommen werdenmüssen, Versehnng der Kranken, die 3, 5, 6, 7 englische Meilen im Lande wohnen,

, dieß Alles nimmt die Zeit der Patres so in Anspruch, daß sie vom frühen Morgen