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bis zum späten Abende beständig in Athem find, nnd kaum die nöthige Ruhe zurErholung finden können. Nebstdem huben sie ihre Obliegenheiten als Ordensleutenoch zn erfüllen, wie die Regel sie vorschreibt. — In einem gewissen Stadttheilefinden sich nahe an 500 Familien oder vielleicht darüber, von denen etwa nur, 200regelmäßig in die Kirche kommen, da diese zu weit von jenem Stadtthcile entlegenist. Eine neue können wir nicht bauen, denn nur haben die Patres nicht, nm siezu versehen. Vor etlichen Jahren richtete man dort eine eigene Schule ein; das istAlles, was wir vorläufig bei unserem besten Willen zn leisten vermochten. Esgehen Hunderte von Seelen verloren, die, wenn sie eine Kirche in der Nähe hätten,vielleicht angezogen und so gerettet würden. Was ich von hier sage, gilt in nochgrößerem Maße von vielen andern Städten, und ist überhaupt ein allgemeines Bildvon ganz Amerika . Die Bischöfe begehren Hilfe. Viele haben sich schon an michgewendet um Patres; aber die traurige Antwort, die ich jederzeit geben mußte, war:„Ich, kann nicht helfen, unsere Zahl ist schon viel zu gering für die uns auferlegteArbeit." Es gibt Diöcescn, wo es Deutsche zn Tausenden gibt, die in kleinen Ort-schaften lebend oder aus dem Lande zerstreut kaum Einmal im Jahre einen Priestersehen. Da ist die augenscheinlichste Gefahr, daß sie im Glauben erkalten, wenn sieihn nicht ganz verlieren und daß ihre Kinder ohne alle Religion aufwachsen. DieBesorgung der religiösen Bedürfnisse solcher in kleinen Gemeinden zusammen oderauch familienweise anf dem Lande zerstrcnt lebenden Katholiken fällt natürlicher Weiseam besten religiösen Orden zn, wie unsere Congregation ist. Ju der That werdenauch von allen unsern Häusern überall solche kleine Stationen besucht nnd versehen,aber die Zahl der so pastorirten Stationen steht mit dem allgemeinen Bedürfnissein noch gar keinem Verhältnisse. Mögen darum unsere Wohlthäter mit ihren Ge-beten in dieser Beziehung uns fleißig beistehen! Es ist uns das Almosen des Ge-betes noch viel nothwendiger, als selbst Unterstützungen in materieller Weise, so dank-bar wir auch für diese sein müssen. Wie uncrforschlich sind doch die RathschlüsseGotteS! Während die Zahl der Arbeiter so gering ist, vermindert er dieselbe über-dieß durch öftere Todesfälle unter den Unsrigen! Die verlassenen Katholiken schreiennach dem Brode des Lebens, und von den Wenigen, die es ihnen brechen könnten,werden auch noch mehrere durch den Tod hinweggerasft! Derlei Heimsuchungen sindhart, härter als Alles und möchten einem fast das Herz brechen. Man hatseinen ganzen Glauben, und alle seine Ergebung in den Willen GotteS aufzubieten,um solche Schläge ertragen und sagen zu können: „Der Name deS Herrn seigebenedeit." (Schluß folgt.)
Gedächtnißtafel,
gut für zaghafte Katholiken.
Im Beginn von 1809 stand der erste Napoleon, ein anderer Kriegsheld wiesein Neffe, anf dem Gipfel seiner Macht; Frankreich und fast ganz Italien gehorch-ten ihm, Deutschland mit Preußen lag zn seinen Füßen, in Spanien war er siegreichund hatte das meiste Land besetzt. Oesterreich hatte zwar mit der Kcrnhastigkeitseiner Völker zum neuen Kriege sich erhoben, war aber in einer Schlacht nach derandern geschlagen worden, und am 13. Mai hielt der Gewaltige seinen Einzug inder Kaiserstadt Wien . Da wagte er sich an den Stellvertreter Christi. Am 17. Mai1809 raubte er dem heiligen Vater Pms VIl., dem ehrwürdigen milden, Greise, iuvielen Stücken ähnlich dem gegenwärtigen Pius lX., den Kirchenstaat mit den All-machtworten: , „Der, Papst hat aufgehört, ein weltlicher Regent zu sein." Rom wurde für die zweite Stadt des napoleonischen Kaiserreichs erklärt, dem Papst einansehnlicher Gehalt angeboten und die Wahl gelassen, ob er zu Rom oder zu Paris sich aufhalten wolle. Schon fünf Tage nach diesem Frevel traf den Gewaltigen ein