Ausgabe 
20 (29.1.1860) 5
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schwerer Schlag; er, der bis dahin nie besiegt worden, wurde in der zweitägigenfurchtbaren Schlacht von Aspern (21. und 22. Mai) von Oesterreichs Helden-Ecz-herzog Karl zum erstenmal geschlagen und mit ungeheurem Verlust über die Donau zurückgeworfen. Pius VU. verwarf alle Anträge des DrängerS, der gegen Bittenund Vorstellungen taub blieb, und im Juni 1809 sprach der Stellvertreter Christiden Bann aus gegen Napoleon , so wie gegen alle, welche dessen ungerechte Befehlevollzögen oder die Bekanntmachung des BanueS hinderten. Wohl spottete Napoleon dessen, ließ den ehrwürdigen Greis im Quirinalpalaste gefangen nehmen und nachValence, dann nach Paris schleppen; aber von dort ab sank sein Stern. Durcheilends herbeigezogene Truppen hatte er sich zwar in Oesterreich so verstärkt, daßer bei Wagram auf dem Marchseld am 5. und 6. Juli eine wo möglich noch furcht-barere Schlacht als bei Aöpern schlug, aber den schweren Sieg nur mit ungeheurenOpfern erkaufen konnte, während Erzherzog Karl immer noch schlagfertig blieb, er-oberte Kanonen und Tausende von französischen Gefangenen mit sich führte. KaiserFranz verlangte Frieden, Napoleon gestand ihn gern zu: denn die Tapferkeit derösterreichischen Truppen hatte ihn erschüttert. Oesterreich verlor in diesem Frie-den viel, über 2000 Onadraimeilen Landes, nachdem schon in frühern Kriegennoch mehr von seinem alten Gebiet ihm entrissen worden war. Aber trotzAllem, was Napoleon noch weiter im folgenden Jahr an Land und Leutenzusammenraubte, glaubte das katholische Volk schon damals nicht mehr an dieDauer seines Glückes: denn er hatte zu seinen andern Gewaltthaten noch die Ver-folgung der Kirche gefügt und das Maaß voll gemacht; er hatte die göttliche Ge-rechtigkeit herausgefordert und der Bannspruch lastete auf ihm. Und das katho-lische Volk hatte Recht. Im Jahr 1812 endlich sollte der furchtbare Glücks-umschwung beginnen, welcher in der ganzen Weltgeschichte seines Gleichen nicht hat.Während der englische Herzog v. Wellington und die spanischen Guerillas die fran-zösischen Marschälle in Spanien im Schach hielten, begann der Krieg mit Rußland ,dessen Kaiser Alexander I. der so lange gepflegten Bnndesbrüderlichkcit mit Napo-leon durch dessen Schalten und Walten über ganz Europa satt geworden war. Einehalbe Million auserlesener Krieger mit 1200 Geschützen unter erprobten Feldherrnund tüchtigen Officieren brachte er gegen Rußland . Der deutsche Rheinbund, Oester-reich, Preußen, Schweiz und Polen hatten ihm zusammen über 200,000 M. stellenmüssen. Nach blutigen Schlachten zog er in Moskau ein, aber kaum dort, so steck-ten die Russen selber ihre alte Stadt in einen Brand, der Alles verzehrte, Obdach undVorräthe hinraffte. Der Rückzug mußte angetreten werden über 300 StundenWeges durch eine Wüste von Eis und Schnee, wo Fleisch von gefallenen Pferdenfast die einzige Nahrung war. Es gehört nicht hierher, all' die furchtbaren Leidenund Schrecknisse oder die ungeheuren Verluste dergroßen Armee" auszumalen, beider sich die Deutschen vor Allen durch ihre Ausdauer wie durch ihren Muth fort-während auszeichneten. Am 13. Febr. 1813 rief der König von Preußen seinganzes Volk zu den Waffen auf und sagte sich los von Napoleon . Die Jahre derNoth und der Schmach hatten Preußen geläutert, das am 28. Febr. ein Bündnißmit Rußland schloß. Aber Napoleon hob auf'ö Neue 300,000 Franzosen aus,100,000 Mann hatte er noch in den Festungen von Danzig bis Wesel und derdeutsche Rheinbund stellte abermals ihm seine Schaaren. Mit harter Müh' siegteNapoleon bei Lätzen und Bautzen ; dann schloffen die ermüdeten Streiter 6 WochenWaffenstillstand, nm sich beiderseitig zu verstärken, aber noch schwankte die Waagesehr. Da gab Oesterreich das in all' seinen schweren Kämpfen im Stich ge-lassene, von Preußen wiederholt verrathene Oesterreich die Entscheidung und er-.klärtd am 12. August den Krieg. Zugleich kam aus Spanien die Botschaft, daßWellington in einer Schlacht nach der andern dort über die Franzosen gesiegthatte. Schlacht auf Schlacht folgte jetzt in Deutschland , fast ohne Ausnahme un-glücklich für die französischen Heere. Am 8. Oct. erklärte auch Bayern den Krieg,