Die ehrwürdige Maria Christinn von Savoyen, Königin Leider
Stellten.
esttolies.)
(Ueberletzung der Kathel. Blätter aus Tirol.)
(Fortsetzung.)
Da sich aber mit zunehmendem Alter und durch Entwicklung der Kräfte undBildung des Geistes im jugendlichen Herzen Leidenschaften erzeugen, welche in de«-selben eben Nahrung finden, so ist eS eine weise Einrichtung der christlichen Erziehung,daß in den verschiedenen Stadien dieses Alters die heiligen Sacramente gespendetwerden, welche Schutz und Stärke gegen deren Andrang gewähren. Mit 8 Jahrenging Christin« zur ersten heiligen Beicht, , und mit 12 empfing sie die heil. Firmungund die heil. Commnnion, nach welcher sie hernach eine solche Sehnsucht fühlte, daßeS eine große,' nur durch den Gehorsam einigermaßen gemilderte Entbehrung für siewar, Anfangs nur einmal monatlich sich derselben nahen zu dürfen. Dies war injener Zeit der einzige Neid gegen ihre Schwestern, denen solches wegen ihres höher»Alters öfters gestattet war.
Mit gleicher Andacht betete sie ihr Morgen- und Abendgebet vor drei heil.Bildern, welche sie sehr liebte, und vor denen sie das Leiden deS Erlösers betrachtete.Alle ihre Kammerfrauen bestätigen ihre Frömmigkeit, besonders eine in den Verhand.lungcn mit den Worten: „Ich sah sie immer knieend, unbeweglich, gesammelt undeifrig beten; ebenso während des heil. Meßopfers, so daß auch alle Uebrigen beiihrem Anblicke zur Andacht ermuntert wurden. Auch möchte ich behaupten, daß dieDienerin Gottes in allen Stunden, wo ich sie in ihren Gemächern sah, in sich ver-sammelt und nach meiner Meinung mit den Gedanken bei Gott verblieben sei."
Sie hatte auch die Sorge für die HauSkapelle mit großer Freude über sichgenommen; und wenn Abends die Stunde des Rosenkranzes nahete, war eS ihreFreude, mit einer Glocke von einem Zimmer zum andern zu gehen, nm die Königin,die Schwestern, Damen und Kammerfrauen zu demselben einzuladen.
Die größte Freude aber verschaffte ihr jährlich die Ausstattung der Krippe umWeihnachten, wozu sie schon mehrere Wochen vorher von ihrem ZeichnungSlehrerPläne zu neuen Anlagen und Grotten begehrte, und solche selbst äußerst geschmack-voll ausführte. Auch schnitt und nähte sie immer neue Kleider für die Hirten undKönige rc., und wollte sogar noch eine kleinere Krippe für ihr eigenes Zimmer, vorwelcher sie dann in heiligen Gesprächen mit dem göttlichen Kinde sich unterhielt.
Mit den Armen konnte Christina wohl nicht, wie eS ihr Wunsch gewesenwäre, verkehren, sie besuchen, trösten und in den Spitälern und ärmlichen Hüttenaufsuchen; dies hätte man ihr nicht gestattet. Dessenungeachtet war sie aber keines-wegs gleichgiltig oder unempfindlich gegen däs Elend; im Gegentheil, sie weinte,wenn sie davon erzählen hörte, und that ihr Möglichstes, um zu trösten und zuhelfen, manchmal zu viel, so daß die Königin ihr hie und da Einschränkung gebie-ten zu müssen glaubte. Sobald aber ihre kleine Börse leer war, nahm sie dennochdie große Liebe der Mutter in Anspruch, um auch außerordentliche Beiträge für ihreArmen zu erhalten. Auch beschäftigte sie sich vorzugsweise mit Verfertigung vonKleidern für arme Mädchen bei Gelegenheit ihrer Firmung oder der ersten Commu-nion, obwohl sie großes Geschick zu Stickereien und seinen Arbeiten besessen halte.Diese liebevolle Aufopferung bei oft groben und gemeinen Handarbeiten ist nochmehr hervorzuheben, weil Christina auch große Geistesfähigkeiten und lebhaftes Ge-dächtniß besaß, so daß ihre Lehrer ob der Leichtigkeit und Schnelligkeit bei Erlernungder Sprachen und Wissenschaften staunten. Sie schrieb nicht nur das Italienischeund Französische mit Präcision, sondern auch daS Denssche und Englische, und ver-stand und las die berühmtesten Schriftsteller dieser Nationen. Auch hatte sie sehr