Ausgabe 
20 (12.2.1860) 7
Seite
50
 
Einzelbild herunterladen
  

-M.7

50

t,'/ >'

N

»k.>

IM

W

W-N Z

W

LÄc-^

ihre zärtliche Matter, welche von ihr so vnanssprechlich geliebt warde. Nan standsie wirklich einsam nnd verlassen, ohne Rath and Erfahrung da in dieser Welt.Lange war sie unschlüssig, ob sie zu einer oder der andern ihrer Schwestern, nachLucca, Modena oder Wien sich begeben solle; jedoch kam sie zarter Rücksichten derConvenienz oder der jungfräulichen Zurückhaltung wegen hievon ab, nnd hing dafürimmer mehr dem Lieblingsgedanken ihres Herzens nach, das klösterliche Leben znwählen, wie schon andere savoyische Prinzessinnen vor ihr, um daselbst eine neueFamilie zu finden, und fern von der Welt nur Gott allein unter den himmlischenWohlgerüchen der Lilien und Rosen seines Gartens leben zu können. Nachdem siesolches lange bei sich erwogen hatte, eröffnete sie es ihrem Seelenführer, Pater Terzi,und zugleich den festen Entschluß, in den Orden der ewigen Anbetung zu treten, wosie hier auf Erden schon das Amt der Engel erfüllen könnte, gui staut i» eiroiütitllrorii ot acioraiit Deum.

Obwohl Niemand eigentlich wissen kann, wie diese kindliche Eröffnung ausge-nommen worden wäre, wenn sie selbe dem mütterlichen Herzen selbst hätte mittheilenkönnen, so wäre doch, nach dem, was im vorigen Artikel von den hohen Tugendender königlichen Frau erzählt wurde, leicht anzunehmen, daß sie ihr bei diesem schönenVorhaben hilfreiche Hand geleistet haben würde. Die süße Abhängigkeit von einerliebenden Mutter hatte sich zu einer pflichtgemäßen Unterwerfung unter einen neuen,ihr entfernt verwandten König gestaltet, der schon einige Vornrtheile gegen sie gefaßthatte; inglcichen auch unter eine neue Königin, welche noch vor wenigen Monateneinem im Vergleich zn ihr niedrigeren Stande angehörte. Mit König Karl Felir'STode war die erste königl. Linie von Savoyeu auSgestorben, und wurde Carl Albertvon Carignano aus der jüngern Linie auf den Thron gesetzt. Als König von Sar-dinien war nun Carl Albert auch das Oberhaupt der ganzen königl. Familie, undseine Gemahlin Maria Theresia von Toscaua theilte mit ihm dieses Vorrecht. Beidenun, sei eS, weil sie mit der früher regierenden Familie so selten Umgang pflogen,oder daß sie, wie es bei den Höfen oft geschieht, aufgehetzt und falsch benachrichtigtgewesen, waren der Meinung, daß Christina durch die überaus große Liebe derMutter verzärtelt, immer nur den eigenen Willen und ihre Launen durchsetzen wollte,und waren nicht wenig erstaunt, die Sache ganz anders zu finden, als sie sich dachten.Als man ihrer Ehrendame auftrug, mit aller Emsigkeit es dahin zu bringen, daßdie Prinzessin bescheiden und unterwürfig sich benehme, erwiderte diese sogleich: »Se.Majestät möge sich versichert halten, daß die Prinzessin äußerst gut sei, und daßder König nie ein befehlendes Wort ausznsprechen veranlaßt sein werde, da sie schonjedem Wunsche bereitwilligst nachkommen würde." Und es dauerte nicht lange, daßman schon bei der ersten Ankunft ChristinenS in Turin ihre Gesinnungen gegen dieNeuen Regenten erkannte, welche noch kurz vorher nicht auf so hoher Stufe standen,wie sie. Bei der ersten Zusammenkunft mit der Königin, welche sie eben umarmenwollte, beugte Christine das Knie, und küßte ihr ehrfurchtsvoll die Hand. DieKönigin aber, auch eine ausgezeichnet tugendhafte Frau, bedurftd nicht jenes ActeS,um zu erkennen, wie viel Sanftmuth, Demuth, Liebenswürdigkeit und GotteSliebein jenem unschuldigen Herzen wohne. Sie gewann sie so lieb, daß sie auch nachihrer Vermählung oft mit zärtlicher Zuneigung von ihr sprach, und ihr Porträt iuihrem Zimmer behielt, ja nach ihrem Tode sie wie eine Heilige verehrte.

Trotz dieser Zuneigung aber hatte Christine dennoch oft manche Unannehmlich-keiten zu ertragen, wodurch sie die auserlesensten Tugenden zu üben, nnd die Nebli-gen, besonders die Königin, sich von der Gründlichkeit derselben und von ihrervollendeten Selbstbeherrschung zu überzeugen Gelegenheit hatten. Es mag hier amOrte seiu, eines Falles zn erwähnen, der anstatt aller übrigen, die beinahe täglichvorkamen, znm Beweise dienen kann.

Der Ehrencavalier am Hofe ihrer Mutter, welcher auch thr ganzes Vertrauengenoß, verließ, kaum hatte Carl Albert den Thron bestiegen, plötzlich die Königin-