Ausgabe 
20 (12.2.1860) 7
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Wittwe, um bei der regierenden Königin in den gleichen Dienst zu treten. Es istleicht zu begreifen, wie schmerzlich dieses ehrsüchtige Benehmen Christi'nenS Mutterberührt haben mußte; sie fühlte die Kränkung tief und Christine, in deren Herz sichalle Freuden und Leiden der Mntter spiegelten, litt ebenfalls darunter, und weintedarüber bitterlich. Carl Albert, entweder das Vorgefallene nicht bedenkend, oderum ChristinenS Unterwürfigkeit zu prüfen, bestellte eben diesen Herrn zum Verwalterihrer Güter. Bei der Nachricht von dieser Anordnung erwiderte sie kein Wort,obwohl sich ein innerer Kampf deutlich kund gab; sie bestimmte ruhig eine Stundefür den folgenden Tag, nm ihren neue« Verwalter zu empfangen.Als dieser ein-trat" (so erzählt uns die Dame, die es verbürgt),und ich ihn bei der Prinzessinmeldete, überfiel sie ein unfreiwilliges Zucken; doch sie wendete den Blick zum Himmel,eilte an ihren Betschemel, betete einige Augenblicke, und schickte sich dann an, ihn zuempfangen, und zwar mit jener würdevollen Ruhe, welche der beleidigten Großmutheigen ist."

Es stand ihr aber ein weit größerer Kampf bevor, zu welchem sich die Jung-stau durch das gänzlich zurückgezogene Leben, das sie in Turin führte, vorzubereitenschien. Sie war viel bei der Königin, deren Tugenden und edle Ergebung in sovielen Widerwärtigkeiten, da sie noch dazu kinderlos war, sie stets bewunderte, be-gleitete sie auch bei ihren öftern Besuchen des GnadcnbildeSUnserer lieben Fraudella Consolata", vor welchem sie dann ihr Herz ergoß, und flehte, unter die An-beterinnen des Allerh. SacramenteS aufgenommen werden zu können- Dieser schönefromme Wunsch sollte aber nnr daS Verdienst der Darbringuug haben!

Wenn es sonderbar schien, einer schon erwachsenen Prinzessin einen Verwalterzu bestimmen, ohne sie hierüber zu befragen, so wird noch viel auffallender die Be-stimmung ihrer Zukunft scheinen, da man ihr sogar die Person, an die sie sich ihrLeben lang binden sollte, erwählte, ehe sie Etwas hievon nur geahnt hätte. Aberwie schon gesagt, so ist cS Sitte bei den Höfen, wo zu allen andern unvermnthetenWiderwärtigkeiten noch besonders jene hinzukömmt, die berechtigtsten und edelstenNeigungen des Herzeus und des Geistes den gegenseitigen Beziehungen der regieren-den Häuser, den Plänen zukünftiger Vergrößerung rc. und dem Gleichgewichte derVerwandtschaften opfern zu müssen; mit einem Worte, allen jenen allgemeinen oderPrivatrücksichten, die man Politik nennt. Kann aber nicht selbst diese oft denFügungen der göttlichen Vorsehung dienen? Kann ein unschuldiges Herz, wenn esdiesen nachkömmt, nicht auch auf diesem Wege die Vollkommenheit erreichen? Chri-stine gibt uns hiefür ein Beispiel, da sie ein Vorbild der Gattinnen und Königinnenwurde, wie Neapel es beweisen kann.

(Fortsetzung folgt.)

Die Jesuiten und Redemptoristen in den Vereinigten Staaten

von Nordamerika .

(Schluß.)

Im verflossenen Jahre wir legen den folgenden Mittheilungen die BerichtederAnnalen des Glaubens" zu Grund veranstalteten die Redemptoristen inNordamerika in zwei Hauptpartieen Missionen: englische und deutsche,deren letztere vorzüglich im Westen stattfanden, während die englischen in den öst-lichen Staaten gegeben wurden und mit Ausnahme der Sommermonate das ganzeJahr dauerten.

Die deutschen Missionen und nur von diesen soll hier die Rede seinwurden in der Erzdiöcese St. Louis und in der Diöcese Alton vom Anfang Septem-ber bis zum Schlüsse des Jahres 1858 durch die hochw. Patres Lüthe, Clauß und