Brandstälter abgehalten. Die Erzdiöcese St. Louis hat 67 katholische Kirchen, vondenen die meisten längs der beiden großen Ströme Missouri und Missisippi liegen.Von den deutschen Katholiken daselbst kömmt die Mehrzahl aus Niederdeutschland,doch gibt eS unter ihnen auch viele Bayern, Tyroler, Böhmen n. s. w. DieMissionsarbeilen begannen zu St. Louis in der St. Marienkirche, wo der hochw.Hr. Welcher, der eifrige Generalvicar der Diöcese, als Pfarrer wirkt. Während10 Tagen täglich wurde dreimal gepredigt und manche Seele, die sich jahrelang verirrthatte, kehrte wieder zum guten Hirten zurück. Nach der Mission gab ein Pater denUrsulinerinnen, die hier ein freundliches Kloster besitzen, eine blühende höhere Töchter-schule leiten und im Stillen sehr viel Gutes zur Erweiterung des Reiches Gottesbeitragen, während einer Woche die geistlichen Uebungen, sowie später auch denZöglingen des Instituts. Es sind diese Klosterfrauen theils aus Oesterreich , theilsaus Bayern durch den hochw. Hrn. Generalvicar Welcher hieher verpflanzt worden.
Unterdessen hielten die andern Patres im nördlichen Theile der Stadt eineMissionserneoernng in der St. Liboriuskirche, wo den Winter zuvor bereits eineMission statt gehabt hatte. In dieser Gemeinde zeigt sich, was eifrige und frommeKatholiken im Vereine mit einem guten Priester zu leisten im Stande sind. Obgleichdie Gemeinde noch ganz klein ist, weil erst entstanden, so haben die Mitglieder der-selben doch in kurzer Zeit eine große und schöne Kirche, sowie ein SchulhauS erbaut,haben dem Herrn im heiligsten Sacramente einen Altar errichtet, der allein 500Dollars (1250 fl.) kostet, und fahren mit unermüdctem Eifer fort, bis Alles vollen-det ist. Manche der Irrgläubigen sind daselbst schon zur katholischen Kirche zurück-gekehrt, wie es auch bei dieser Renovation wieder geschah und fast bei allen Mis-sionen vorkömmt. Nicht weit von der genannten Kirche steht ein protestantischesGesang - und Predigthaus, dessen Thurm mit einem Kreuze durch den orthodorenTheil der Mitglieder geziert war; Anderen davon war dies jedoch ein Dorn im Auge.Sie nahmen deßhalb Stricke, Leitern und Hammer und schlugen das Zeichen derErlösung von der Thurmspitze herab in den Koth der Straßen. Mitglieder der St.Liborius-Gemeinde kauften es und setzten es auf die katholische Kirche. Da riefendie Protestanten selbst aus: „Seht, wie die Katholiken das Kreuz ehren, das wirvernnehren." Dieß Ereigniß trug viel dazu bei, die Sache unserer heil. Kirche beiden Protestanten znr Veranschaulichnnq und Geltung zu bringen.
Die nächste Mission war 150 Meilen südlich von St. Louis, in Perry County,und zwar in der St. Josephskirche zu Apple Creck, wo meistens Badcnser undRheiubayern sich angesiedelt haben. In der Nähe wohnen eine Menge AltlutherauerauS Sachsen, die hier eine eigene Secte bildeten. Matt nennt sie auch Stcphanisten,da ihr Gründer oder Bischof Stephan hieß. Aber die Meisten sind schlecht auf ihnzu sprechen, weil er mit der ihm anvertrauten Kasse durchging. Sie gehören zu derKlasse der Pietisten, bei der jeder Bauer, der bibelfest ist, einen Prediger abgebenkann, und sind eben jetzt wegen des tausendjährigen Reiches in großer Uneinigkeituntereinander. Der Sohn eines protestantischen Predigers kam durch öfteres Beiwohnender katholischen Missionspredigten znr Erkenntniß der Wahrheit und bat um Aufnahmein die katholische Kirche. Da die Leute alle zerstreut wohnen und die Wege nichtfahrbar sind, so kommt in der Regel Alles, Männer und Frauen, reitend znrKirche, so daß die ganze Kirche von Reitpferden umringt ist. Obschon in Folgedes damals stark herrschenden Fiebers sehr viele krank waren, so schleppten sie sichdoch herbei; ja der Eifer war so groß, daß die Mehrzahl den ganzen Tag bisAbends 4—5 Uhr in der Kirche blieb. Man nahm sich ein kleines Mittagsmahlmit, um ja keine der Predigten zu versäumen.
Zwei andere Missionen wurden hierauf abgehalten in St. Charles Countynördlich von St. Louis in zwei Landgemeinden: zu Dardenne und Ellen Prairie,wo recht brave Katholiken wohnen. Sie haben aus eigenen Mitteln zwei hübscheKirchen erbaut, denen nur mehr Weniges zur inneren Vollendung fehlt.