Hierauf war eine Mission in St. Charles. Die Deutschen betheiligten sichmit großem Eifer an derselben und mehr als 550 empfingen die hl. Sakramente.
Die nächste Mission gaben die Patres in Weston, einer Stadt am Missouri ,noch 500 Meilen nordwestlich von St. Louis , dem in den letzteren Jahren so bekanntgewordenen Cansas Territorium gegenüber. Es war eine äußerst beschwerliche Reise,um auf dem Missonriflasse beim gerade herrschenden niedrigen Wasserstande mittelsDampfschiff aufwärts zu kommen und brauchte man deßhalb eine volle Woche, umWeston zu erreichen.
Die letzte Mission im Staate Missouri war die in Neu-Bremen, einer Vor-stadt von St. Louis , wo der thätige Pfarrer dortselbst gerade eine neue Kirche ge-baut und vollendet hatte. Am Eröffnungstage der Mission wurde sie von demhochw. Hrn. Erzbischofe feierlich consecrirt. Ueber tausend Gläubige nahten sich denheil. Sacramentcn. Ein reges katholisches Leben beseelt die ganze Gemeinde. Beidieser Gelegenheit wurde von den Patres auch ein Kreuzweg eingeweiht, dessenStationsbildcr die schönsten im ganzen Westen sind. Sie sind das Geschenk einesfrommen GemeindemikgliedeS.
Die erste Mission im Staate Illinois, 'Diöcese Alton, eröffneten die Patresin Bellville, einer Stadt von etwa 12,000 Einwohnern. Sie dauerte 12 Tage undGott wirkte dabei viele Wunder der Gnade. Bei der Erneuerung der Tausgelübdeentsagten sechs Protestanten ihrem Jrrihume, und wurden feierlich in Gegenwartvon Katholiken und Andersgläubigen, welche das geräumige Gotteshaus ganz an-füllten, in die katholische Kirche ausgenommen. Mehrere Andere erklärten den Ent-schluß, denselben Schritt thun zn wollen, und das um so mehr, weil die Leere desProtestantismus für Geist und Herz besonders dort im Westen schmerzlich gefühlt wird.
Darnach veranstalteten die Patres zwei andere Missionen, die eine in Ccntre-ville, die andere in Maskoutah. Am ersten Orte wagte es ein gottloser Mensch, einungläubiger Protestant, zn höhnen und zn spotten über die Misston und verschiedeneGotteslästerungen gegen die katholische Religion anSzustoßen. Er hatte kaum seineLästerungen vollendet, als eine Drehmaschine, an der er gerade beschäftigt war, ihmdie Arme wegriß. Jedermann sah dieß als ein Gottesgericht an. Die andere Ge-meinde, die wegen Priestcrmangel in religiöser Beziehung ganz heruntergekommenwar, wurde zu neuem Aufschwung begeistert und viele, die den hl. Sacramenten sichentfremdet hatten, nahten sich wieder ihrem Herrn und Gott. Auch eine öffentlicheschon seit 13 Jahren dauernde bittere Feindschaft zwischen mehreren angesehenen Fa-milien wurde bei dieser Mission aufgehoben. Nach einer brüderlichen, öffentlichenVersöhnung gingen Alle mitsammen zum Mahl der Liebe. Die Beobachtung derKirchengebote, besonders der Fasttage, wurde dringend eingeschärft, weil davon inAmerika oft die Gnade des katholischen Glaubens ganz und gar abhängt. Ueber-Haupt ist für den Westen Amerikas jetzt der kritische Moment, ob der katholischeGlaube das Volk durchdririgcn wird oder nicht; jetzt ist der Zeitpunct, wo die ab-gefallenen, aber nicht noch ganz erblindeten Katholiken zurückgebracht uud durch einlebendiges, thätiges, ächt katholisches Beispiel den gleichsam im Naturzustände leben-den Protestanten die Augen öffnen sollen.
Andere Missionen wirrten in der St. Marien-Gemeinde von James Will inder St. Michaelskirche zu Praierie du Long abgehalten. Die letztere Kirche warbis jetzt nur eine Blockkirche, d. i. aus zugehauenen Baumstämmen aufgeführt. InFolge der Mission einigten sich die bisher uneinigen Gemcindeglieder und wurdenvon solchem Eifer beseelt, daß sie auf der Stelle 2000 Dollars zeichneten, um eineueue schöne Kirche aus Backsteinen zu erbauen. — Die letzte Mission war in Waterloo,dem Gerichtsorte von Monroe County. Sie sckloß am St. Stephanstage.
So hatten die Patres Redemptoristen im Jahre 1858 in Nordamerika 13 Mis-sionen, 1 Erneuerung und 2 RetreatS gegeben, dabei 4—500 Predigten gehaltenund viele Tausende von Beichten gehört.