Ausgabe 
20 (12.2.1860) 7
Seite
54
 
Einzelbild herunterladen

Der größte Segen dieser Missionen besteht offenbar in der Bekehrung nndWiederbelebung einer sehr großen Zahl von Katholiken, die in ihrem Glauben taugeworden, ja denselben ganz verloren hatten. Eine unzählbare Menge von Zurück-erstattnngen gestohlenen oder unrecht erworbenen Gutes wurde gemacht. Und wennauch viele der stattgehabten Bekehrungen von keiner Dauer waren ist das nichteine Folge menschlicher Armseligkeit überall? so wurden doch auch überaus rüh-rende Beispiele von Beharrlichkeit bekannt. Jedenfalls wurden Tausende und Tausendevon Sünden wenigstens für eine Zeit lang verhindert Gewinn genug, wenn dieMissionen auch sonst gar keinen andern gehabt hätten.

Auf die MifsionSthätigkeit der Jesuiten in Nordamerika werden wir in einemspätern Artikel zurückkommen.

Arm und Reich.

von. Karl Beycrl.

(Fortsetzung.)

Der Mann zögerte mit der Antwort.Was nützt mir", sagte er endlich,meine Sackühr? Sie geht schon lange nicht mehr. Trage sie zu einem Uhrmacher,es ist ein gutes altes Werk, das Silber ist vier Gulden werth."

Wie, deine Uhr?" entgegnete die Frau,dein einziges Andenken an Vaternnd Großvater? Nein, lieber Mann, die Uhr ist dein ganzer Reickthum, und erstgestern wünschtest da nur so viel zu haben, um sie wieder richten lassen zu können."So versetze sie!"

Dann ist sie auch für uns verloren, wir können sie nicht mehr auslösen.Nein, ich will zu der reichen Frau gehen und sie um Arbeit bitten, ich kann schönstricken."

Der Verwundete kehrte sich schweigend gegen die Wand. Die Frau küßte ihrKind und eilte dem Palaste zn. Sie wußte, daß ArbcitSauflräge nicht von Agnesenselbst, sondern von einer Kammerjungfer besorgt wurden; eine dunkle Hoffnung triebsie aber an, die Frau des HauscS selbst um Gehör bitten zn lassen. Diese erfüllteihren Wunsch und empfing sie freundlich. Unter häufigen Thränen schilderte dieArme ihre Noth. Agnes trug ihr eine ansehnliche Bestellung auf, und da sie gleichvorausbezahlen wollte, fragte sie um den Preis. Die Arme nannte ihn.So wenig?"rief Agnes verwundert.Und wie lange brauchen Sie zu der ganzen Arbeit?"

Vierzehn Tage!"Wie kann man von solcher Arbeit leben?"Wirleben nicht blos von dem," sagte die Arme,mein Mann arbeitet im Taglohn, undich stricke. DaS Spinnen wird noch schlechter bezahlt."Aber wer einzig vomStricken oder Spinnen leben muß?"Der mnß sich anf's Aeußerste einschränken,auch erhalten Viele Unterstützung aus der Armenkasse."

Agnes crröthete.Gott !" rief sie,einschränken bis zum Hungern, Unter-stütznng von der Armenkasse und für wen! Nein, gute Frau, schenken Sie mirnicht die Hälfte Ihres verdienten Lohnes, fordern Sie." Sie unterbrach sich selbst,öffnete rasch eine Chatonlle, nahm eine Geldrolle heraus, drückte sie der erstaunteuFrau in die Hand und sprach:Nehmen Sie! kaufen Sie die Wolle, das Uebrigeist für die Arbeit."

Die Arme fühlte die schwere Rolle kalt in ihrer heißen Hand, sie sah imGedanken den Trost, die Hilfe in ihr Stübchen einziehen, sie konnte nicht spreche«.Thränen rannen ihr die Wangen herab und auf die freundlich dargebotene Hand derreichen guten Frau.

Kaum war die Arme fort, so kam der Hausarzt, Doctor Helfer. Er fandAgnes in Aufregung; sie erzählte ihm den Vorfall. Des DoctorS Herz hob sich iu