Ausgabe 
20 (11.3.1860) 11
Seite
83
 
Einzelbild herunterladen

AilgMgtr ZWMgMatt.

Air. 1L. 11. März 1860.

Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburg er Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

RomS Name.

Höret ihr den Namen Rom,

Denkt nicht täppisch nur die Stadt,Die am gelben TiberstromHerrscht und einst geherrschct hat.

Römer sein und Herr der WeltGalt vereinst so ziemlich gleich.Ist das ird'sche Rom zerschellt,Kam des Geistes größeres Reich.

Und es bleibt die Stadt der Welt,Herrschet selber ohne Rom.

Wo das Haupt ist, steht und fälltChristi Stadt, sein Geist, sein Dom.

Die römische Inquisition

Kein Institut der römischen Kirche ist so angefeindet worden, als die Inqui-sition. Wenn schon in neuerer Zeit viel Fleiß nnd Mühe angewendet worden ist,auf dem Gebiete der Geschichte das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Zweifel-haften, das Wirkliche vom Enstelltm und Uebertriebenen zn sondern, nnd wenn schoninsbesondere über die Inquisition berühmte Gelehrte, wie Graf Maistre, ganz andereAufklärungen geliefert haben, als von protestantischen Autoren und ihren Nachbeterngewöhnlich zu Markte gebracht werden, so ist eS noch lange nicht an dem, daß über be-sagtes Institut genuine Begriffe allgemein verbreitet wären. Feinde der Religion undder Kirche spekuliren noch immer auf die Unwissenheit und die Borurtheile der Menge,um durch recht grelle Ausmalung der Gränel der Inquisition das Papstthum verhaßtzu machen. Wie die römischen Republikaner von 18^9 jene Gräuel in grauserWirklichkeit den Römern in Erinnerung zu bringen versuchten, ist im Juden vonVerona zu lesen, und wird auch im Verlaufe dieser Abhandlung gemeldet. Wirentnehmen dieselbe dem interessanten Werke Maguire's:Rom und sein Beherscher",zweite Abtheilung, welche erst kürzlich erschienen ist; und zwar nicht, als wenn wirbei unsern geehrten Lesern auch irrige Vorstellungen in Betreff der römischen Jnqui-fition voraussetzten, sondern weil in unseren Gegenden die Bedeutung und der Wirkungs-kreis derselben Wenigen näher bekannt ist, und unsere Zeitverhältnisse eine sichereKenntniß päpstlicher Einrichtungen erwünscht zu machen scheinen. Maguire beginntüber diesen Gegenstand folgendermaßen:

An einem der letzten Tage des Monats Oktober im Jahre 1858 stand eineGruppe von vier oder fünf Fremden vor einem der schönen Gemälde, welche dieVaticanische Galerie, wiewohl sie au Ausdehnung und Manchfaltigkeit von andernSammlungen übertreffen wird, weltberühmt gemacht haben. Das fragliche Gemäldeist merkwürdig, aber nicht besonders lieblich anzusehen, sondern macht vielmehr eine»peinlichen Eindruck: eS ist eine sehr anschauliche Darstellung deS Martyriums derheiligen ProccssuS und Martiniauuö, au welchen die heidnischen Henker mit crstu-