Ausgabe 
20 (25.3.1860) 13
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Auch Fossombrone hatte daS Glück eine Heilige derselben Classe zu besitzen,Maria Bordonr, welche im Jahre 1852 blühte, vier Jahre früher, als KatharinaFanelli berühmt wurde. Auch sie wurde dem h. Officium denuucirr, und ihre Schulderwiesen durch eine Untersuchung, welche selbst ein an ein langsames Gerichtsverfahrengewöhnter Engländer nicht übereilt nennen wird.

DaS sind einige der Fälle, wie sie zur Criminal-Jarisdiction deS h. Osficiumsgehören. Die Freunde deS Wunderbaren, welche die römische Inquisition nur ausspannenden Romane» kennen, oder nach den Berichten über das strenge und blutige, halbpolitische, halb religiöse Tribunal beurtheilen, welches früher in Spanien bestand*), würdendie römische Inquisition, wenn sie dieselbe kennen lernten, wie sie wirklich ist, fürein langweiliges Institut erklären, welches kein romantisches oder dramatisches In-teresse darbietet. Die römische Inquisition röstet keine Juden, foltert keine Ketzer,spannt keine abtrünnige Priester auf die Tortur, und mauert keine Nonnen ein; in der Thatmuß denjenigen, welche an aufregenden Berichten von Grausamkeiten und Quälereien Ge-fallen finden, die Milde und Nachsicht der römischen Inquisition wahrhaft langweiligund uninteressant vorkommen. Da der eigentliche Zweck derselben Besserung nicht Bestra-

*) Man mag in unserer milderen Zeit die Maßregeln der spanischen Inquisition nochso strenge beurtbeilen, es darf dabei nickt übersehen werden, was die Geschichte fast allereuropäischen Völker beweist, daß religiöse Verfolgnngssncht in frühern Jahrhunderten einallgemein verbreiteter Fehler war. Das grausame Verfahren gegen die Häretiker in Spanien unter Ferdinand und Jsabclla läßt sich einigermaßen erklären, freilich nicht entschuldigen.Dieses letzte Sckauspiel, das Autodafe", sagt Prcscott in seinem Leben Philipps II.,wareine natürliche Folge der langen Kriege mit den Moslemin, welche die Spanier dem religiösenUnglauben gegenüber sehr intolerant machten." Man wußte, daß die Juden den Ungläubigen,welche so lange die schönsten Theile der spanisckeu Halbinsel in Besitz, gehabt hatten, gewo-gener waren, als den Christen; und Unwissenheit und Vorurthcilc verstärkten den Widerwillen,den man damals in der ganzen Christenheit gegen die Nachkommen derjenigen empfand, durchwclcke des Menschen Sohn dem sckmählichsten Tode preisgegeben worden war. Die Spanierdes fünfzehnten Jahrhunderts sahen in den Juden Feinde Jesu Christi , und hielten es füreine Pflicht, dieselben zu bekehren, oder für ihre Hartnäckigkeit zu bestrafen; 'Aber wendenwir unsere Blicke von Spanien im fünfzehnten Jahrhundert nach einem andern Lande imsechszehntcn Jahrhundert. Unter Heinrich VIll. von England wurden Leute dcnuncirt undvcrurtheilt, nicht weil sie an die Erlösung der Menschen durch den Sohn Gottes nicht glau-ben wollten, sondern weil sie an dem Glauben ihrer katholischen Vorführer festhielten, oderweil sie in ihren Ansichten noch etwas weiter von dem Glauben der altchristlichen Kirche ab-wichen, als die herrschende Partei. Es war eine Zeit, wo die Menschen, nachdem sie densichern Ankergrund des Glaubens verlassen, auf dem Meere der Meinungen und Zweifel hinund her getrieben wurden, und wo oft heute etwas Anveres gelehrt wurde, als gestern. Manhätte erwarten sollen, daß die Ungewißheit, in welcher sich die Reformatoren hinsichtlich dessen,was zu glauben und was nicht zu glauben sei, befanden, sie zur Toleranz und Milde stimmenwürde; sie schien aber im Gegentheil die Vcrfolgungssucht nur zu befördern.

In den Annalen der spanischen Inquisition findet sich schwerlich ein schrecklicherer Fallvon Härte oder Grausamkeit, als die Hinrichtung des Londoner Schulmeisters Lambert, welchenvr. Barnes, ein Lutheraner, wegen irriger Meinungen über das Abendmahl denuncirt hatte.Nack den jetzt geltenden Gesetzen", sagtHumc,war Barnes geradeso schuldig, wie Lambert;aber so groß war die damals herrschende Verfolgungssucht, daß er auf die Bestrafung diesesMannes drang, weil derselbe in der Abweichung von dem alten Glauben einen Schritt wei-ter ging, als er selbst... Lambert wurde auf einem langsamen Feuer verbrannt; seine Füßeund Beine waren schon ganz vom Feuer verzehrt, da machten einige voir der Wache, welchemitleidiger waren, als die Ändern, seinen Qualen dadurch ein Ende, daß sie ihn mit ihrenHellebarden ganz in's Feuer warfen."

Man lese ferner die Berichte über den Justizmord zweier berühmten Männer, Fischers,den Hallam als denunbeugsamsten und ehrlichsten Prälaten jener Zeit" bezeichnet, undMorc's,dessen Name", wie derselbe Schrifstcller sagt,keines Beiwortes bedarf", und mansehe, ob die spanische Inquisition je ungerechtere Urtheile gefällt hat. Huinc erzählt ihre Geschichtealso:John Fischer, Bischof von Röthester, war ein Prälat, ausgezeichnet noch mehr durch seineGelehrsamkeit und Tugend, als durch seine hohe kirchliche Würde und die Gunst, in welcherer lange bei dem Könige gestanden hatte... Er wurde angeklagt, vcrurkhcilt und enthauptet,weil er die Suprematie des KönigS gcläugnet hatte. Die Hinricktung dieses Prälaten solltezugleich eine Warnung für More sein, dessen Nachgeben wegen des großen Ansehens, das erin England und st, andern Ländern genoß, und wegen des Ruhmes seiner Gelehrsamkeit und