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Vereins fanden in den Herzen, welche durch die Sünde durchlöchert waren undLie kein Sacrament der Buße kannten, keinen Boden mehr. Beide, Vater undTochter — geriethen später ins Zuchthaus, wo sie wenigstens der Mitwelt un-schädlich gemacht sind. Den unsterblichen Seelen war wohl kein Heil mehr imGefolge der schwersten Versumpfung in Sünden des Vl. Gebotes, der Vaterst^-b — nicht einmal im letzten Augenblicke zu Gott gewendet, wie sein Weibdoch zuletzt gethan.
Was thut nun wohl Noth, daß der St.-Vineentius-Verein nicht blos leib-licher Armuth wehre, sondern der geistigen Armuth, die der leiblichen Noth sei-ner Pfleglinge vorausgegangen, zu steueru vermöge?! — Marianne weiß es,und betet. Gott wird helfen.
Der Schmied von Regendach.
Im Fürstenthume Hohenlohe-Langcnburg liegt ein Dorf, heißt Regendach,wo sich vor mehreren Jahren die folgende herzzcreißcnde, aber auch herzerhebendeGeschichte zugetragen hat.
Es war an einem Sonntag Nachmittag, da saßen in der Wirthsstube zuRegenbach viele Männer und Frauen aus dem Dorfe gemüthlich bei einanderbei ihrem Krug Bier und Keiner von ihnen hatte eine Ahnung, was an diesemTage noch Schreckliches und Furchtbares geschehen sollte. Auch der Schmied saßunter den Leuten, ein starker, rüstiger Mann, mit einem recht entschlossenen Ge-sicht und kühnen Blick, aber auch mit einem so gutmüthigen Lächeln auf denLippen, daß ein Jeder ihn lieb haben mußte, wer ihn nur ansah. Jederschlimme Gesell aber mochte ihm ja aus dem Wege gehen, denn der wackereSchmied konnte kein Unrecht leiden, und es war nicht gerathen, mit ihm anzu-binden, außer im Guten. Seine Arme waren wie Eisenstangen und seine Fäusteglichen Schmicdhämmern. Nur wenige Menschen gab es, die es an Körperkraftmit ihm aufnehmen konnten.
Der wackere Schmied saß nicht weit von der Thür und plauderte mit ei-nem Nachbar. Auf einmal springt die Thüre auf und ein großer Hund kommtin Lie Stube, ein großes, mächtiges Thier von grimmigem, schrecklichem Aus-sehen. Den Kopf mit den rothglühenden Augen hielt er gesenkt, das Maulstand ihm offen, die bleifarbene Zunge hing ihm weit aus dem Halse und denSchwanz hatte er zwischen den Hinterbeinen geklemmt. So kam das Thier zurStube herein, die keinen Ausgang weiter hatte, als nur die einzige Thür. Kaumhatte aber der Nachbar des Schmieds, es war der Chirurg vom Ort, das Thiergesehen, so wurde der Mann plötzlich todtenblaß; er sprang aus und rief mitentsetzter Stimme: „Gott sei uns gnädig, Leute, der Hund ist toll!"
Nun gabs einen Schrecken! Die Stube war fast von Menschen angefülltund das wüthende Thür stand vor dem einzigen Ausgang und Niemand konnteins Freie, außer daß er an ihm vorbeigemußt. Die Bestie aber schnappte wildnach rechts und links und Keiner vermochte an ihm vorüberzukommen, ohne vonihm gebissen zu werden. Das Angstgeschrci war entsetzlich; Alle wichen zurück,sprangen auf Tische und Bänke und schauten mit stieren Blicken voll Todesangstauf den tollen Hund. Wo gabs Rettung vor ihm?
Da stand auch der Schmied auf und wie er die Todesangst so vieler Men-schen sah, gedachte er sogleich, wie viele der glücklichen und zufriedenen Leutedurch den tollen Hund könnten grenzenlos unglücklich gemacht werden, und erfaßte einen Entschluß, wie es kaum seines Gleichen in der Geschichte der Mensch-heit gibt, der an Hochherzigkeit und Edelsinn ihm gliche. Freilich erblaßte seine