Ausgabe 
20 (8.4.1860) 15
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gebräunte Wange ein wenig, aber sein Auge funkelte in wahrhaft göttlichemFeuer und eine erhabene Entschlossenheit leuchtete von der Stirn des schlichten,einfachen Mannes.

Zurück Alle!" donnerte er mit seiner tiefen, kräftigen Stimme.Keinerrübre sich, denn Keiner kann das Thier zwingen außer ich. Ein Opfer mußfallen, um Alle zu retten, und dies Opfer will ich sein! Ich bändige das Thierund während ich's thue, entflieht!" Und der Schmied hatte kaum diese Wortegesprochen, so kam die Bestie von tollen Hund heran und gerade auf den kräch-zenden Mcnschenknäucl zu. Kam aber nicht weit.Drauf mit Gott !" rief derSchmied, und drauf stürzte er, packte es mit seinen Riesenarmen und warf eszu Boden-

Aber ach, das war ein entsetzlicher, schrecklicher Kampf, der nun folgte!Grimmig biß der Hund um sich und sträubte sich mit Stöhnen und dumpfemGeheul. Seine zolllangen Zähne zerisscn den Arm, den Schenkel des hochherzigenSchmieds, aber der Schmied ließ ihn nicht los. Nicht achtend des grimmigenSchmerzes, nicht achtend den gewissen schrecklichen Tod, der dem Kampfe folgenmußte, hielt er mit Riesenkraft die schnappende, beißende und stöhnende Bestienieder, bis Alle entflohen waren, bis Alle gerettet und in Sicherheit waren, nurer mit dem Hunde noch allein blieb. Da schleuderte er die halberwürgte Bestievon sich gegen die Wand und bluttriefend, mit giftigem Geifer besudelt, verließer das Zimmer und verschloß die Thüre hinter sich. Durch das Fenster schoßman den Hund todt. Aber, o barmherziger Gott, was sollte aus dem unglück-lichen, wackeren Schmied werden?

Weinend und wehklagend umringten ihn die Leute, die er gerettet hatte,gerettet auf Kosten seines eigenen Lebens.Seid still, Männer, weinet nicht ummich, Frauen und Kinder", sagte er,Einer muß sterben", um die Anderen zuretten. Dankt mir auch nicht, denn ich habe nur eine heilige Pflicht erfüllt.Wenn ich todt bin, so gedenkt meiner in Liebe und betet für mich, daß michGott nicht zu lange und zu sehr leiden läßt. Daß aber kein weiterer Schade

durch mich geschieht, da ich nun freilich toll werden muß, dafür will ich schon

sorgen!"

Und er ging geraden Weges zu seiner Schmiedewerkstatt und da suchte er-schwere Ketten heraus, die schwersten und festesten aus seinem ganzen Vorrath,dann sachte er ein mächtiges Kohlensauer an und glühetc dabei die Ketten undmit eigener Hand schmiedete er sie um Hand und Fuß und auch um den Amboß,welchen keine Menschenkraft aus der Erde reißen konnte, so wie keine Menschen-kraft im Stande war, die eisernen Ketten zu brechen.So, nun ist's geschehen",sagte er nach ernst vollbrachtem Werke,nun seid ihr sicher und ich bin unschäd-lich. So lange ich lebe, bringt mir meine Kost, das Andere füge Gott . In

seine Hände befehle ich meinen Geist!"> Nichts konnte den bravenSchmied retten, nicht Weinen, nicht Jammern, nicht Gebet. Die Wuth ergriffihn und nach den neun Tagen mußte er sterben, aber wahrlich, er starb nur,um an Gottes Throne zu einem schöneren, zu dem herrlichsten Leben zu er-wachen! Er starb, aber sein Andenken lebt fort von Geschlecht zu Geschlecht, vonKind zu Kind, und gesegnet sei es bis an der Welt Ende. Schaut Euch um inden Büchern der Geschichte der Menschheit keine That werdet Ihr finden,mehr des Ruhmes, des Edelsten Werth, als die That dieses einfachen Mannes,des Schmieds von Regenbach. In den Opfertod zu gehen mit der Gewißheitsterben zu müssen, und zudem auf den schrecklichsten Tod noch warten zu müssen,fürchterliche Stunden und Tage hindurch das heißt nicht ein Mal, das heißttausend Mal sterben. Und solchen Tod starb der Schmied, solches Opfer brachteder Schmied von Regenbach zur Rettung seiner Nebenmenschen! Darum sei unssein Andenken heilig! ._