Ausgabe 
20 (8.4.1860) 15
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Die FregatteNovara" in Neu-Seeland .

Man schreibt aus Anckland (Nen-Seeland, Anstralien) demUniverS":Das österreichische KriegsschiffNovara" hatte vorzüglich eine wissenschaftliche Auf-gabe zu lösen; allein deßungeachtet erfüllten seine Officiere und Matrosen noch eine»ndere Sendung, nämlich: für einen katholischen Großstaat in fernen Gegenden, wokaum sein Name bekannt war, Gefühle der Bewunderung einzustoßen, und sowohldie Bischöfe als Missionäre zu erfreuen diese Glaubensheldcn, welche aus Eiferfür das Seelenheil sich zum Leben auf einer so vereinsamten Insel entschlossen,wohin nur selten Europäer kommen. Gegen Weihnachten des verflossenen Jahreswarf dieNovara" vor Nen-Seeland die Anker. Den folgenden Tag stattete derKommodore B. WüllerSdorf, begleitet vom SchiffScapitän, seinen Besuch in der höf-lichsten Weise unserem Bischöfe ab. Diese Aufwartung erregte unter den Eingeboruendesto größeres Aufsehen, weil mau in diesem Hafen niemals ein stattlicheres Kriegs-schiff und ein Osficiercorps von so guter Haltung erblickte, so daß unsere MaoriSvon der Nation, der die Soldaten angehören, einen hohenBegriff sich bildeten. Amnächsten Sonntage, dem ersten des Jahres 1859, wurde der Schifföcaplan vomBischöfe eingeladen, das Hochamt zu lesen, bei welchem der hochwürdigste Oberhirteine Predigt in der Landessprache hielt. Die gesammte Mannschaft, welche durch denDienst anf dem Fahrzeuge nicht verhindert war, wohnte in voller Parade demGottesdienste bei zur Erbauung des ganzen Volkes. Dieö gute Volk, das inseiner Abgeschlossenheit sich in Bezug des Glaubens mit seinen 1012 Mis-sionären so vereinsamt vorkömmt, war vor Freude fast außer sich, als es angeseheneMänner von so fernen Ländern an seinen religiösen Uebungen Theil nehmen sah,und dadurch den Beweis hatte, daß cS durch die Bande der gleichen Religion mitgroßen Nationen anderer Welttheile vereinigt sei. Alö unser Bischof den Officierender Fregatte den Gegenbesuch abstattete, ließ er sich von einigen der vornehmstenMaoriS (Nen-Seeländern) begleiten, welche durch die herrliche Einrichtung des Schiffesund besonders durch die ihrem Bischöfe erwiesenen Ehren ganz entzückt wurden. DerKommodore, in der Parade-Uniform, empfing ihn am Borde, stellte ihm daS ganzeOsficiercorps vor, und geleitete ihn in alle Theile der Fregatte. Zur Heimkehr boter dem Bischöfe seine eigene Barke an, begrüßte ihn bei der Abfahrt mit dreizehnKanonenschüssen, und ließ ihm durch den Marinecaplan das Geleite bis zur Wohnunggeben. Als der Kommodore nach einem Aufenthalte von zehn Tagen im Begriffewar, die Anker zu lichten, händigte er im Namen Sr. apostolischen Majestät desKaisers von Oesterreich dem Bischöfe einen ganzen Kirchcnornat von ausgezeichneterSchönheit, eine Monstranz von kunstvollster Arbeit und andere Gegenstände für denGottesdienst zum Gebrauche der Mission ein. Man kann sich die Ueberraschung undFreude nicht nur der Missionäre, sondern vorzüglich der eingeborenen Katholiken vor-stellen, welche nie etwas AehnlicheS gesehen, und sich durch einen mächtigen Kaisergeehrt fühlen, für den sie mit Inbrunst beten werden, seinen Namen dankbar segnend.Auch die Klosterfrauen unserer Mission, zwanzig an der Zahl, welche beiläufig drei-hundert Mädchen unterrichten, erhielten von dem Kaiser Franz Joseph ein herrlichesGeschenk: zwei schön geschmückte Statuen der unbefleckt empfangenen Gottesmutter.Eine dieser Statuen, in einer der heiligsten Jungfrau geweihten Capelle aufgestellt,bot den Anlaß, daß sich die Verehrung der Himmelskönigin verdoppelte; denn mankömmt aus allen Theilen der Stadt, um vor diesem Bilde zu beten. Unsere Kloster-frauen sind aus dem Orden zurErlösung der Gefangenen", und der Abstammungnach alle Inländerinnen, welche englisch und maorisch lehren. Unser Bischofschenkte dagegen den Officieren die Werke, welche er in englischer und maorrscherSprache für seine Diöcese herausgab, sowie einige Gegenstände der neu-seeläudischeuIndustrie, besonders Bildhauerarbeiten, welche, obgleich keine Meisterstücke, doch glück-