Ausgabe 
20 (15.4.1860) 16
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dahin gesendet. Mehrere Tausende junger Heiden, welche die Taufe überlebthaben, wurden in unseren Anstalten oder bei Christen auferzogen; gegen 5000Kinder besuchen unsere Schulen und erhalten eine solide Erziehung; ein Kolle-gium, höhere Schulen und ein Semiuarium liefern uns Priester und Katechisten,und aus Allem können Sie entnehmen, daß die Arbeiten von einigen 30 Missio-nären nicht ohne Resultat sind. Fügen Sie noch zu ihrer Auserbauung hinzu,daß mit wenigen Ausnahmenein Christ" hier soviel sagen will, als einer, derseine Andachten fleißig verrichtet, der die hl. Sacramente empfängt, der die Ge-bote Gottes und der Kirche gewissenhaft beobachtet, der sehr besorgt ist, sich imStande der Gnade zu erhalten. So haben wir also den Trost, hoffen zu können,daß die Tausende von Christen, welche jährlich in den Missionen sterben, beinaheeben so viele Seelen seien, die wir in den Himmel schicken.

Glauben Sie auch nicht, daß unsere Christen, da sie im Allgemeinen sehrlenksam und eifrig sind, solches aus Stumpfheit oder einer Art Gleichgültigkeitseien, weßwcgen sie leicht geleitet werden können, indem sie uns nicht zu wider-stehen vermögen. Der Chinese hat wie jeder Mensch seine guten Eigenschaftenund seine Fehler, und ich möchte auf keiner Seite etwas übertreiben: allein diegöttliche Gnade, welche ebenso wenig in Europa als in China mangelt, beiseits,so glaube ich, daß der Grund, aus welchem die Chinesen in Erfüllung ihrerChristenpflichten genauer als viele Europäer sind, darin liege, daß sie mehrpositiv sind und folgerichtiger handeln. Ein Christ heißen, einige Religionsübun-gen vornehmen, und dennoch das nicht thun wollen, was zur Rettung deinerSeele nothwendig ist, das heißt dich einschiffen, und doch bis zum Hafen nichtHinsegeln wollen, es heißt eine Sache nur halb wollen, und sie nicht erlangenwollen. Unsere Chinesen räsonniren besser.Ich bin ein Christ", sagen sie,ich will es auch so sein, um die Vortheile davon zu haben, ich will es sein biszu dem Puncte, um Gott, meinem Herrn und Richter, zu gefallen, ich will folg-lich alle Gebote halten, und mich im Stande der Gnade erhalten." Einige be-obachten sogar die evangelischen Räthe, und arbeiten ernstlich an ihrer Vervoll-kommnung. Beten Sie für diese guten Leute, sowie für die zahllosen Heiden,für die Missionäre und insbesonders für mich u. s. w.

Audienz und Hofdienst.

Zwei Freunde, Johannes und Bernhard, begegneten sich in den StraßenWiens, und es entspann sich folgender Diseurs:

Johannes. Wohin Nachbar Bernhard in diesem Putze und mit dieser Eile?

Bernhard. Ich habe heute Audienz und Hofdienst.

Joh. Wie? was? Audienz und Hofdienst? Bist Du nicht bei Trost?Es ja Niemand vom Allerhöchsten Haf da, und wenn auch, wie kämest Du,Nachbar Bernhard, zum Hofdienste?

Beruh. Ich sage Dir, der allerhöchste Herr mit seinem ganzen Hofstaatist Wohl da und ertheilt -Audienz. Ich habe hier in meiner Seitentasche einenganzen Bündel Bittschriften, die ich alle vortragen werde. Ja, wundere Dichnur, ich darf zur Audienz kommen, wann und wie oft ich will und auch mit-bringen, wen ich will.

Joh. Entweder träumst Du oder ich

Beruh. Nun wir wollen sehen. Komm mit, Du sollst Dich von derWahrheit meiner Worte überzeugen.

Sie gingen mit einander noch eine Straße entlang; dann blieb Bernhardin der Nähe einer Kirche stehen und sprach:Siehe, Johannes, hier die Hofburg