Ausgabe 
20 (15.4.1860) 16
Seite
128
 
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des Königs der Könige, des Herrn der Hcerschaaren, der sich gewürdigt hat, inBrodcsgestalt bei uns Armseligen zu wohnen. Umgeben von unsichtbaren Gei-stern, Engeln und Heiligen, thront er auf unserem Altare. Der allerhöchsteHerr gibt hier allezeit Audienz. Er steht auf seinem Throne und ruft Allen zu:Kommet zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!Rufet mich an zur Zeit der Noth, ich will euch erretten! Bittet, ihr werdetempfangen, klopfet an, es wird euch aufgethan werden; suchet, ihr werdet finden!"Siehe, Nachbar her zeigte ihn: ein Gebetbuch) hier habe ich einen ganzen BundBittschriften, Dankadressen, Huldigungsschrcibcn, auch Gesuche um Amnestie, danneine Menge Grüße an die königliche Mutter, sowie an die Herren und Damendes Hofstaates, Bitten um deren Fürsprache. Diese alle will ich jetzt vortragen.Aber Johannes, Du wirst ja so nachdenkend. Ist es vielleicht gefällig, mitzu-gehen? Ich darf mitbringen, wen und wie Viele ich will. Je mehr, destolieber ist es dem Allerhöchsten Herrn.

Joh. (ernst.) Ich bin jetzt zu einer solchen Audienz nicht gekleidet, auchnoch nicht vorbereitet.

Beruh. O, da mache Dir keine Sorgen! Dieser Herr sieht nicht ausdas Kleid; er sieht nur auf das Herz. Betrachte dort die arme Wittwe undhier den Bettler! Er empfängt sie alle mit gleicher Liebe und Güte.

Es dauerte nicht eine halbe Stunde, so betrat Johannes mit seiner Frauim Sonntags-Anzüge die Kirche: sie gingen zur Audienz und verrichteten Hof-dienst beim Könige des Himmels. X. 8.

Verachte das Gespött der Weltkinder, und trachte nach der

ewigen Glückseligkeit.

Der heilige Jvo, in Bretagne gebürtig, anfänglich beider Rechte Dvctor, hatteden TitelArmen-Advocat" bekommen, weil er die Armen um Christi willen stetszn seiner Tafel zog, ja sie nach Kräften in seinem eigenen Hanse unterhielt undnährte, nnd ihre rechtlichen Sachen unentgeltlich vertheidigte. Hernach aber entsagteer diesem müheseligen Amte, wurde Priester nnd war ein besonderer Verehrer Ma-riens, derer mütterlicher Fürbitte nnd Schutz er sich immerdar befahl. Er achtetekeineswegs das Gespött der Weltlente, die ihn in seinem Stande gering achteten,ja oftmals seiner ärmlichen Lebensweise spotteten; da er hingegen in der Welt einangesehenes Leben hätte führen nnd noch zn höheren Ehrenstellcn gelangen können.Denn die Weltkinder schätzen nur das, was glänzt, nnd urtheilen nach dem Acnßernschief. Allein ihm, dem GotteSmann, war die Ehre Christi über Alles, und dieSorge für sein nnd seiner Brüder ewiges Heil angelegener, als blos RechtShäudelder Menschen, des irdischen GewinncS wegen, schlichten; denn er betrachtete, daßJesus Christus die Seelen mit seinem Blute so theuer erkauft hatte. Nach diesemgöttlichen Mnster führte er deshalb ein armes Leben, liebte den Frieden und söhnteentzweite Herzen gerne aus. Einstmals, da er ebenfalls ein Brod von seinemMunde für einen Armen ersparte, geschah cS wundersam, daß eine ansehnliche Fraudafür ihm drei Brode brachte: welche er selber für mehr denn eine gewöhnliche Er-scheinung, ja für die allerseligste Jungfrau Maria selbst hielt, die er kindlich in allenNöthen anzurufen pflegte. Er fastete gewöhnlich an gebotenen Fasttagen beiWasser nnd Brod, nnd nährte so zu sagen seine Seele mit geistlicher Nahrung,mit dem Lesen und Betrachten der heiligen Schrift; besonders war er beständig indie Betrachtung des bitteren Leidens Jesu vertieft, und betete oft stundenlarrg beieinem Crucifire, wobei er auch zuletzt betrachtend gottselig seinen Geist aufgab.

So lebt und stirbt der Gerechte. Der Wandel des Gerechten ist im Himmel,d. h. nnr darauf gerichtet, einst den Himmel zu erwerben. Nicht auf der Welt,