Ausgabe 
20 (29.4.1860) 18
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18. 29. April 1860.

Das Augsburger Sonntagsblatt (SonntagS-Beiblatt znr Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Deutsche Missionen in Chile,l

Auf den Wunsch mehrerer Freunde veröffentlichen wir hier einige Briefezweier Priester der Gesellschaft Jesu , P. Th. Schwerter und P. Bernh. Engbert,die mit dem Laienbruder Joseph Schorro im October 1858 von uns Abschiednahmen, um in Chile, einem Freistaate auf der westlichen Küste Südamerika's ,eine Mission unter den eingewanderten Deutschen zu gründen.

Groß war bis dahin die Verlassenheit dieser armen Colonisten, die wegendes großen Mangels an Priestern und der gänzlichen Unmöglichkeit, einen deut-schen Seelsorger zu erhalten, so verwahrlost waren, daß die Erwachsenen Jahrelang die heil. Sacramente nicht empfingen, die Kinder aber ohne allen Religions-unterricht aufwuchsen und in Folge dessen mit dem Verfall der Sitten auch derVerlust des Glaubens zu befürchten stand. Dringend und ernst war daher derHülseruf nach eifrigen Verkündigen: des göttlichen Wortes und Ausspendern derheil. Geheimnisse; inständig vor Allem die Bitten des hochw. Bischofs jener Ge-gend an die Obern der Gesellschaft Jesu , sie möchten doch, eingedenk ihrer treuenHingebung an den Statthalter Christi , der ihm diesen Theil seiner Heerde an-vertraut, seinen verlassenen Schäflein zu Hülfe kommen. So geschah es nun,daß die besagten Patres zu diesem gottgefälligen Werke bestimmt wurden.

Vielen Priestern und Gläubigen in den Diöccsen Münster und Paderborn find die Namen der beiden Missionäre bekannt; manche Familie, manche Ge-meinde und religiöse Genossenschaft nennt sie mit Liebe und Verehrung; sowohlhier als in andern Gegenden Deutschlands leben Freunde und Verwandte jenerdeutschen Colonisten; manche Andere haben durch Opfer christlicher Liebe unddurch Gebete innige Theilnahme an dem Unternehmen bewiesen: weßhalb wirhoffen dürfen, daß auch Dielen die hier mitzutheilenden Nachrichten willkommensein werden.

Denn selbst abgesehen von den angedeuteten Beziehungen nehmen ja allekatholischen Leser ein gemeinsames Interesse an den Schicksalen und der Verbrei-tung unserer heil. Kirche, deren göttliche Merkmale der Einheit und Katholicitätso herrlich hervortreten, wenn wie einst von den Gestaden des See's Genesarethdie frohe Botschaft durch die Apostel an den Indus und die Tiber gebrachtwurde, so 18 Jahrhunderte später durch Glaubensboten, die auf den Ruf derNachfolger der Apostel herbeieilen, von den Usern der Nordsee über Tausendevon Meilen hin bis an die Gewässer der Südsee auf der andern Erdhälfte dieLeuchte des Evangeliums getragen wird.

Und wie tröstlich ist es auch für den Sohn der Kirche, wenn er vernimmt,daß, während entartete Kinder den heil. Vater durch gottlose Frevel in seineneigenen Staaten tief betrüben, aus den Urwäldern des fernsten Südamerika'sDank- und Bittgebete zum Himmel emporsteigen für ihn, den treuen Hirten,