welcher der zerstreuten Schäflein seiner großen Heerde in Liebe gedachte und sie,die hülfslos Umherirrenden, mit zärtlicher Sorgfalt aufsuchen ließ.
Den ersten Brief, den wir hier mittheilen, schrieb P. Schwerter noch inBordeaux kurz vor seiner Abreise aus Europo.
II
Brief des P. Schwerter.
Den 18. October früh um 5 Uhr trafen wir hier ein und erfreuten unseiner sehr herzlichen Aufnahme. In Paris trafen wir einen Priester aus Chile,der eine Wallfahrt nach Jerusalem und Rom gemacht hat, und nun im Begriffeist, nach Chile zurückzureisen. Seine Begleitung ist uns namentlich für dieLandreise sehr erwünscht, da er die Gewohnheiten und Sprache des Landes gutkennt. Wir erhielten in Paris ein für einen Missionär höchst werthvolles Möbel:ein schönes verschließbares Kästchen von 2 Fuß Länge, IV, Fuß Breite undVr Fuß Höhe, das alles für die heilige Messe Nothwendige auf's Beste geordnetenthält: Kelch, Kännchen, Albe, Meßgewand, Meßbuch, Leuchter, dazu nochCiborium, Gefäße für die heil. Oele, ein Eisen um Hostien zu backen; freilichAlles so klein und dünn wie möglich, aber doch zum Gebrauch geeignet und füruns sowohl zur See, als später aus Excursionen sehr bequem. Der Kasten selbstdient als Altartisch und bedarf nur einer Unterlage, wie sie ein gewöhnlicherTisch bietet. Da wir in Paris den Altarstein nicht mehr konnten consecrirenlassen, mußten wir hier einen andern consecrirten mitnehmen. In jener Haupt-stadt lernten wir einen Mitbruder kennen, der mit drei andern nach Schanz- >Hai in China abreisen wird, so wie hier in Bordeaux den P. Cabus, der geradejetzt mit sechs andern Missionären die Reise nach Madure antritt. Gewiß sehrermunternde Beispiele für uns. Was uns aber so rechte Hochachtung für unsernheil. Beruf einflößte, war die Freundlichkeit eines ehrwürdigen greisen Priestersin Paris gegen uns. Es schien als wollte er durch Liebe zu den Missionärensein Unvermögen zu den Missionen selber ersetzen. Mit kindlicher Freude brachteer uns bald ein Bild, bald ein Büchlein, bald ein anderes Andenken.
Wir benutzten die Tage vor der Abfahrt des Schiffes, das Merkwürdigste !der Stadt, besonders was religiöses Interesse hat, in Augenschein zu nehmen.Vom St. Michaels Thurm hatten wir einen herrlichen Ueberblick über die Stadt 'und den Hafen. Unter den schönen Kirchen zeichnet sich der Dom vor allen aus:ein majestätisches altgothisches Gebäude mit 5 Schiffen, ganz aus Sandsteinen !gebaut. Die zwei Thürme an der Nordseite sind ganz von derselben Hohe und !Bauart, wie die am Kölner Dome werden sollen. Auch an der Südseite wollte lman zwei bauen, die aber nicht fertig geworden sind. Im Dome liegt der heil.Simon Stock , Gründer der Scapulier-Bruderschast, begraben. Zur Erlangungeiner Vollmacht behufs der Aufnahme in diese Bruderschaft kamen mir die hie- ^sigen Carmeliten freundlich entgegen. Wir besuchten ihre neue Kirche, die wirk-lich schön gebauet ist; in und außer derselben erscheinen die Ordensmänncr imweißen Habit mit braunem Mantel. Bordeaux war der Geburtsort des heil.Paulinus, dessen Namen noch ein Platz in der Stadt führt, und vieler andernHeiligen, namentlich auch des großen heil. Severin, Erzbischofs von Köln undFreundes des heil. Martin von Tours . Der Kirchhof in der Nähe des schönenalten Karthäuserklosters wird schwerlich in Frankreich oder Deutschland seinesGleichen haben an Größe und Schönheit. Auf sehr vielen Familiengräbernstehen kunstreich gebaute gothische Capellen mit Altären, an welchen von Zeit zuZeit die heilige Messe gelesen wird.