Ausgabe 
20 (29.4.1860) 18
Seite
143
 
Einzelbild herunterladen

Verfolgern der Päpste und der kathol. Kirche starb Theophilus aus purer Her-zensangst; Leo der Armenier wurde von den Verschworenen in der Kirche inStücke gehauen; Leo IV. erlitt schmerzlichen Tod wegen ekelhafter Kopfgeschwüre.Konstantin Kopronimus nahm ein ähnliches Ende, und Nicephorus ward imKriege von den Bulgaren getödtet. Papst Leo III - mußte von Denjenigen,welche seine treuesten Freunde und Mithelfer sein sollten, Verfolgungen leiden.Allein Gott beschützte den Papst aus wunderbare Weise; aus Rom vertrieben,kehrte er triumphirend in Mitte seines Volkes, das ihm entgegen kam, zurück.Karl der Große verurtheilte die beiden Verfolger des Papstes zum Tode. Leo III. rächte sich aber als hoher Priester, indem er vom Kaiser Gnade erbat und er-hielt. Papst Johann VIII. war genöthigt, in Frankreich eine Zuflucht zu suchen,um sich den Plackereien Lamberts, des Herzogs von Spoleto , zu entziehen, derin Rom unerhörte Gewaltthätigkeiten verübte. Jedoch bald darauf wurde Lam-bert aus seinem eigenen Herzogthume vertrieben. Crescentius, der gegen Endedes 10. Jahrhunderts in Rom den Aufruhr anzettelte, sich an die Stelle desPapstes setzen wollte, und dessen zeitliche Herrschaft usurpirte, endete damit, daßer auf Befehl Otto III. auf den Zinnen der Engelsburg aufgeknüpft wurde.Der Demagog Arnaldo da Brescia , welcher dem Papste sein zeitliches Besitzthumrauben wollte, wurde eingekerkert, verbrannt und seine Asche in die Tiber gewor-fen, während die Römer dem Papst Hadrian IV. vie Huldigung leisteten. ColaRienzi , der sich im Jahre 1354 ebenfalls der Usurpation der Oberherrlichkcitüber Rom schuldig gemacht hatte, wurde von dem wüthenden Volke aus der Stadtgejagt; ein Diener des Hauses Cölonua stößt ihm den Dolch in's Herz, und dieRömer hängen seinen blutigen Leichnam an den Galgen.

(Schluß folgt.)

Der gesellige Verkehr.

Je weniger die häusliche-und die in der Schule und in der Kirche erlangteErziehung für die Festigkeit der Denkungsweise gewirkt hat, je mehr diese Wir-kung durch die nachherige Uebergangszeit der Lehrjahre und des bewachtenJugendalters abgeschwächt worden ist, desto größer muß bei den verschiedenenClassen des Nährstandes die Einwirkung des geselligen Verkehrs auf die Volks-bildung sein; und diese Einwirkung ist, leider! in sehr häufigen Fällen auftraurige Weise entscheidend.

Willst Du wissen, wer du bist, sieh, wer Deine Gesellschaft ist. BöseGesellschaften verderben gute Sitten. Alte, vergeblich wiederholte Sprichwörter!

Aber welche Gesellschaft ist denn böse? Die ernste? In dieser ver-sammelt mau sich nur um der Geschäfte willen, und auch sie schließt gewöhnlichmit Heiterkeit. Vielleicht die heitere? Gewiß nicht; denn Heiterkeit ist jadie Würze des Lebens, die Erholung, welche jeder thätige Mensch sich gönnendarf, sich gönnen soll; sie ist eine Aeußerung der Gesundheit des Körpers undder Seele, und fördert sogar wieder diese doppelte Gesundheit. Aber Heiterkeitgeht nicht selten in Lustigkeit über, nud hier stehn wir an einer Grenze, wo dasrichtige Maß sehr leicht überschritten werden kann, um so mehr von der uner-fahrenen Jugend.

Uebrigeus ist jede Gesellschaft gemischt. In jeder werden Ansichten, Mei-nungen und Behauptungen vorgebracht, welche neu, anziehend, witzig, treffendsind und auf Kops und Herz ihre Wirkung nicht verfehlen, und das um so minder,je geringer die vorausgegangene Bildung des Zuhörers, je beachtenswerther, wirsagen nicht achtungswerther die Persönlichkeit, die Erfahrung des Sprechenden,