AilgMzcr Amillagstlatt.
1S. 6. Mai 1860.
Das Augsburger Tonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur AugSburger Post»Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.
MisfionSleben in Texas.
Der überaus eifrige französische Missionär, Emanuel Domenech, hatin verschiedenen Berichten Interessantes aus seinem Missionsleben in Texas mit-getheilt. Das ist ein Land, wohin vornehmlich Deutsche auswandern, und derwackere Missionär hat sich auch vorzüglich unserer deutschen Landsleute dort ange-nommen. Es kann daher von doppeltem Interesse für uns katholische Deutschesein, einige Bilder aus dem Wanderleben des genannten Missionärs kennen zulernen.
Von Frankreich aus begab sich der noch jugendliche Missionär nach Galve-ston in Texas, dem Sitze des Bischofs, dessen Palast aus drei Hütten mit circasieben bis acht kleinen Zimmern besteht. Da bekommen wir nun gleich einenBegriff von dem Leben eines katholischen Bischofs in Amerika.
„Des Abends besuchten einige Katholiken den Bischof, und unter einemvon Feigen und Rosenlorbeeren beschatteten Gang versammelt, horchten wir aufdie Erzählung von seinen Reisen und die Entwicklung seiner Gedanken über dieBedürfnisse und Zukunft der Mission. Das waren die angenehmsten Stunden.Die Hauptkirche, welche sich jetzt in Galveston erhebt, war damals noch nichtvollendet, und der Gottesdienst wurde in einer kleinen hölzernen Capelle gehal-ten, welche die Gläubigen kaum faßte. Wenn es regnete, drang das Wasserdurch das Dach. An einem Sonntage regnete es während der Predigt desBischofs Odin sehr stark, das Wasser sickerte durch die Ritzen und fiel in Tröpf-chen auf die Gläubigen, so daß sie mitten in der Kirche ihre Schirme aus-machen mußten.
Wenn so die Kathedrale des armen Bischofs beschaffen war,, wie muß eserst um die übrigen Kirchen des Landes aussehen! Hier ist nicht Vieles, sondernnoch Alles zu thun.
Auf der Reise nach seinem Bestimmungsort kam unser Missionär auch nachdem bekannten Braunfels . Sehr naiv ist die Schilderung von einem Stückdeutschen Lebens, welches Domenech hier zu beobachten Gelegenheit fand.
Braunfels ist eine große deutsche Colonie. Wir langten daselbst am Abendan, und sahen nichts als Gruppen von Betrunkenen, welche schrieen und dis-putirten, durch den Wein und die Reden doppelt erhitzt. Ich getraute mir nicht,die Nacht in solcher Gesellschaft hinzubringen; allein man sagte zu mir: „AchtenSie nicht darauf, es ist heute Wahltag, der Lärm ist größer als der Schaden."In der Wirthsstube befanden sich tüchtige Weintrinker, welche mit der Cigarreim Munde und dem Glas in der Hand Politik machten. Ein Musikant erschienund wurde mit Hurrah begrüßt. Alle schrieen, er solle ihnen was zu tanzenaufspielen. Der Musikant erklärte, sein Instrument ginge nicht, so lange seineGurgel trocken wäre, es würde aber gehen, so lange seine Gurgel feucht wäre.Neue Hurrah's. Der Tisch bedeckte sich mit Wein- und Branntweinflaschen.Alsbald entströmen der Geige Walzer und Tänze mit kreischenden Tönen und