Ausgabe 
20 (6.5.1860) 19
Seite
149
 
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stellen, sowohl um die Wahrheitsliebe unseres Missionärs zu bezeugen, als auchden Lesern anschaulich zu machen, was texanische Pfarrer sind.

Während die Pferde beschlagen wurden, ritt ich", so erzählt Herr Olm-stedt,nach der alten mexanischen Stadt La Bahia oder Alt Goliad hinüber,um die Kirche und die Mission zu besehen. Sie scheint in dieser Gegend diebedeutendste gewesen zu sein."

Ich ritt durch Dorf und Fort und hielt vor den Thüren der zertrümmer-ten Kirche still. Ueber eine Mauer guckte das Gesicht eines Mannes, welchemich einen guten Abend bot; ich fügte die Frage hinzu, ob ich mir das Inneredes Gebäudes betrachten könne.Gewiß, gewiß; warum denn nicht?" war dieAntwort. In einem Glockenstuhle hingen zwei alte spanische Glocken; dort bandich mein Pferd an. Jener Mann konnte mich für einen Banditen oder einentexanischen Ranger halten, wenigstens sah ich einem solchen ähnlich. Wir warenin dieser Gegend vor Pferdedieben gewarnt worden; in meinem Gürtel steckteneinige Revolver und ein Bowiemesser; als der Nordwind kam, hatte ich einenKittel von blauem Flanell übergeworfen und meine Kappe bis dicht an die Nasegezogen; am Sattel hing meine Flinte. Der Mann, mit welchem ich in solcherWeise zusammentraf, mochte etwa-40 Jahre alt sein; er war mager, von dunkelerGesichtsfarbe und schien intelligent zu sein. Ich lüftete meine Kappe zum Gruß,sagte, ich sei gekommen, um die Ruinen zu sehen, wollte aber nicht etwa einerFamilie Störung verursachen. Er entgegnete, daß er allein wohne und keineFamilie habe, fragte, woher ich komme, und meinte New-Dork sei recht weitentfernt. Dann fuhr er fort:Es freut mich, Sie hier zu sehen; kommen Siedoch herein und betrachten Sie sich die Ruine. Die Kirche war früher sehrhübsch, aber die Amerikaner haben Alles zerstört, dort jene Gallerie verbrannt,die Schnitzereien vernichtet. Alles ist zu Trümmern geworden. Es ist bitter,daß meine Landsleute hier so arm sind; Sie können sich kaum ein Begriff da-von machen; Alle zusammen haben gewiß nicht dreißig Dollars im Vermögen.Ich bin vor acht Tagen hier angekommen, während der letzten Tage war ichunterwegs und habe Kranke besucht. Sehen Sie, hier habe ich einen Anfang ge-macht, um die Ruinen etwas Zu beseitigen."

Er hatte an dem einen Ende der Kirche die Wände geweißt, den Bodengereinigt, einen Theil der Mauer mit Kattun beschlagen, ein beschädigtes Hei-ligenbild wieder aufgestellt, vor welchem einige Glasleuchter mit Kerzen standen.Aber der Regen war schon hineingeschlagen, die Weiße Wand von Schlamm wiederverunreinigt und der Kattun hing schlaff herab; der Nordwind hatte ihn amheutigen Morgen zerrissen und der Geistliche, denn das war der Mann, hattenoch nicht Zeit gefunden, ihn auszubessern. Von der Geschichte dieser Kirchewußte er nichts zu erzählen, außer daß die Amerikaner Kirche und Fort einge-nommen und große Zerstörungen angerichtet hatten. Er führte mich in seineWohnnng, die er in einer vormaligen Capelle aufgeschlagen hatte.

Hier ist mein kleines Zimmer, ich konnte kein anderes bekommen. DieMexicaner leben wie die Hühner, alle ohne Unterschied des Geschlechtes schlafenin einem und demselben Zimmer. Die Leute sind recht gutmüthig, aber arm;wenn sie mit ihrer Aussaat fertig sind, wollen sie mir hilfreich an die Handgehen, die Kirche wieder säubern und ausbessern und ein Haus bauen. Dannbekomme ich auch wohl irgend eine alte Person, die mir etwas kocht. Es thut mirleid, daß ich Ihnen nichts zur Erfrischung anbieten kann; wenn mich hungert,muß ich im ersten besten Hause vorsprechen und essen, was ich eben vorfinde;aber ich kann Ihnen eine sehr gute Cigarre geben." Der Mann wohnte ineinem feuchten Gewölbe bei offenen Kisten und Kasten, und einigen hundert guteingebundenen Büchern, welche schon zu schimmeln anfingen, einer Pritsche, aufwelcher Kleider lagen, und einem Stuhle; den letzteren bot er mir an, und wir