Ausgabe 
20 (6.5.1860) 19
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den Thron schänden. Dieser Fluch, der in allen Jahrhunderten sich findet, schontweder die Siegreichen, .noch selbst die Reuigen. Sie haben sich an dem Gesalb-ten des Herrn vergriffen!

Die Geschichte des Hauses Savoyen erzählt glücklicher Weise nicht vieleBeispiele von Attentaten gegen den heil. Stuhl. Diejenigen aber, welche viel-fältig Victor Amadeus tl. und dessen Widersetzlichkeiten gegen den Papst an-führen, mögen nickt vergessen, wie unglücklich er geendet, und wie bald daraufsein ganzer Stamm erloschen! Ludwig XIV. versündigte sich eben nicht durchallzu demüthige Unterwürfigkeit gegen den heil. Stuhl, und als seine Tage ausdie Neige gingen, schrieb er Vorsichtshalber um seines Scelenheiles willen denfamosen Brief an Clemens XI., der seinen Widerruf enthielt. Napoleon I. konnte wohl das Original, aber nicht die Copien davon verbrennen. Indessen,was Ludwig XIV. verschuldet, wie mußte Ludwig XVI . es büßen!>

Napoleon I., der Pius VII . fünf Jahre hindurch gefangen hielt, sah sichgezwungen, im nämlichen Palaste zu Fontainebleau der Krone zu entsagen, inwelchem er dem Statthalter Christi seine Gesetze dictirte, und nach fünfjährigerVerbannung starb er verlassen auf St. Helena. Joachim Murat , welcher indas Patrimonium des heil Petrus einfiel, und sich zum Herrn von ganz Italien machen wollte, wurde nach drei Monaten zu Pizzo erschossen. Napoleon II. , vonseinem Vater König von Rom genannt, führte keineswegs ein glückliches Leben,und starb im blühendsten Alter in jenem Palast zu Wien , in welchem sein Vater dasunselige Decret, das den Papst der zeitlichen Herrschaft beraubte, unterzeichnete.

So erging es den Verfolgern in früheren Zeiten, und so wird es Den-jenigen ergehen, die ihre gottesräuberischcn Hände gegen den heil. Vater erheben,sein Herz betrüben, und seine Rechte mit Fußen treten.

Eine exemplarische Mutter.

Vor nicht langer Zeit ließ sich in Valenee in Frankreich eine arme deutscheArbeiterfamilie nieder. Sie stammte aus der oberen Moselgegcnd, von wo sieschon seit 5 Jahren aus Mangel von Arbeit und Verdienst ausgewandert war,um in den benachbarten französischen Provinzen beides zu suchen.

Als sie zu den Thoren von Valence einzog, litt der Mann, NikolausHübschgen, bereits an einer auszehrenden Krankheit, die ihn für jede Arbeit un-tauglich machte. In einer elenden Wohnung am äußersten Ende einer jenerschaurigen Gassen, die in keiner größern Stadt fehlen, fand diese Familie, die außerdem kranken Manne noch aus fünf Köpfen, darunter vier Kinder, wovon das jüngstekaum zwei Jahre zählte, bestand, ein höchst armseliges, dürftiges Unterkommen.Die einzige Stütze dieses wandernden Elendes war ein dem Anschein nach jun-ger blasser Mensch von zwciundzwanzig Jahren, den man Michael nannte, derden Vater verpflegte und für die Kinder sorgte. Die Kinder nannte er seineGeschwister, wie er denn auch den kranken Mann als seinen Vater behandelte.Während der letztere nun zu Hause verweilte und auf die Kinder Acht hatte, gingMichael zu den Bauhandwerkern in Tagelohn , machte den Handlanger bei denMaurern, oder arbeitete an der Eisenbahn mit Hacke und Schaufel, wie er esschon seit 5 Jahren gewohnt war. Der Michael hatte dabei sein eigenes Wesen.Früh Morgens, noch bevor das Tagwerk begann, eilte er zur Kirche, um beimheiligen Meßopfer sich Trost und Stärkung zu harter Arbeit zu holen; bei derArbeit selbst war er still und eingezogen, hielt sich von allen Kameraden ferne,verzehrte unnöthig keinen Pfennig, ließ sich nicht einmal auf ein Geplauder ein,sondern schaffte so fleißig und ordentlich, daß man ihm endlich noch täglichzwei Silbergroschen zu seinem bedungenen Lohne zusetzte. Vielleicht wußte