Ausgabe 
20 (13.5.1860) 20
Seite
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per wie Espenlaub, die Befallenen fühlen eine unerträgliche Last auf ihrer Brust,ein Gefühl von Erstickung ergreift sie, sie schlagen mit Händen und Füßen umsich, erholen sich dann nach einer gewissen Zeit und erklären nun, daß sie Gnadegefunden haben. Andere fallen gleich auf die Erde wie vom Schlage gerührt,ohne ein Wort zu sagen; Manche reißen sich die Haare aus; Andere sitzen stun-denlang im Gebete da, oder citiren in einem eigenthümlich nasalen Tone die hl.Schrift, lesen ihren Namenim Lebensbuche des Lammes" und haben Offen-barungen dutzendweise. Eine junge Frau schrie einmal ernstlich um Gnade, alsplötzlich ein Junge einen Lichtstrahl am Fenster sah und ausrief: Nun wird sieFrieden bekommen, ich sehe das Licht! die übrigen Anwesenden singen den Rufauf und wiederholten ihn, und obwohl die Laterne, welche den plötzlichen Licht-strahl veranlaßt hatte, bald deutlich sichtbar wurde, indem ihr Träger an's Fen-ster trat, so blieben doch die Revivalisten einmüthig dabei, daß sie ein über-natürliches Zeichen von Gottes gnädiger Aufnahme der Seele dieser Frau ge-sehen hatten. Einige Leute sind blind und taub und Andere vollständig verrücktgeworden; Andere zeigten Blutflecke und Wunden an ihren Händen und Füßen;Manche hatten sogar Zeichen und Symbole Plötzlich auf ihre Brust gedrückt unddas Wort 61 M 8 U 8 " (unorthographisch für Jesus) durch die Kraft des heiligenGeistes auf die Haut eingegraben; bei genauer Untersuchung dieser Fälle stelltesich heraus, daß Zeichen und Worte, wo sie sich überhaupt vorfanden, auf sehrrohe Weise mit einer Nadel und blauer Farbe eintättowirt worden waren.Auch Wunder sind vorgekommen; einer von den Bekehrten in Mopse in Irland, so schreibt ein Vater an seinen Sohn war stumm allezeit bis er zum zweiten-mal niedergeworfen wurde, und die Liebe Gottes breitete sich so in seinem Her-zen aus, daß er betete, der Herr möge seinen Mund öffnen und seine Zungeloslassen, damit er Andern sagen könne, was Gott für seine Seele gethan habe.Von der Zeit an erhörte ihn Gott und eröffnete seinen Mund, und er kann jetztso laut sprechen, wie irgend Jemand; bis er niedergeschmettert wurde, hatteNiemand jemals ein Wort von ihm gehört, selbst nicht seine Verwandten, welchesich mit ihm durch Zeichen verständlich zu machen pflegten.

(Schluß folgt.)

Jugendklänge von Franz von Sales Walk.

(Eichstätt , 1860. Eigenthum des Verfassers. Preis 30 kr.)

Nicht gar fern sind die Tage, in welchen unter andern traurigen Begeben-heiten unser armes Deutschland auch von einer heillosen schwarzen Fluth ausden jugendlichen Federn noch nicht flügge gewordener Gymnasiasten überschwemmtwurde. Seitdem ist in dieser Beziehung eine wohlthuende Ebbe eingetreten,zurückgeblieben aber ist ein gerechtes Vorurtheil. Möge man jedoch eine ehren-volle Ausnahme gestatten. Eine solche scheint durch vorliegendeJugendklänge"gerechtfertigt zu sein. Der Verfasser derselben zeichnet sich zwar keineswegs durchdie beliebten Gedankenblitze und überraschende Großartigkeit der Ideen aus,allein es liegt in diesen Tönen, abgesehen von der, einige wenige Unebenheitender Sprache ausgenommen, durchweg tadellosen Form, eine Zartheit und Kind-lichkeit des Gefühls, die unmittelbar zum Herzen spricht. Der Inhalt ist vor-wiegend religiös und das möchte leider muß man es sagen für ManchenGrund genug sein, das Büchlein zu ignoriren. Aber man höre, wie der Ver-fasser auch solche Stoffe anziehend zu machen weiß.