Ausgabe 
20 (27.5.1860) 22
Seite
169
 
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Hi. SS. 27. Mai 1860.

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Die Kirche in Piemont seit 1848.

(Schluß.)

Im Jahre 1854 im September quält man einen Pfarrer in der Grafschaft Nizza,um in seinem Hause einen Schatz zu suchen. Im Oktober werden die Servilen ausAlessandria vertrieben; im November wird der laich. Friedhof von Novara entweiht.Am 28. desselben Monates wird dem Parlament ein Gesetz gegen die Klöstervorgelegt, welches der Episcopat alsungerecht, ungesetzlich, antikatholisch undantisocial" erklärt. Im Jänner 1855 veröffentlicht derJndipendente" vonAosta ein Thema, welches ein Professor des dortigen Collegiums seinen Schülerndictirte, wo der Satz vorkömmt:Ich glaube weder an Gott, noch an denTeufel." Pius IX. beklagt in einer Allocution die zahllosen Uebel, welche dieKirche von Piemont zu erdulden habe. Am 6. Februar spöttelt GrafCavour inder Kammer über den Papst; das Ministerium sendet ein Circulare herum, daßdie Pfarrer überwacht würden, damit sie in der Kirche keine Anspielung aus diepäpstliche Allocution machten. Am 22. Februar erklärte Cavour in der Kammer:Wir werren anfangen, die wohlhabenderen Klöster aufzuheben." Am 9. Märzerklärte ein gerichtliches Urtheil 16 Pfarrer für unschuldig, welche angeklagtwaren, Unruhen im Val d'Aosta angezettelt zu haben, und aus dem fiskalischenRequisitorium ging hervor, daß der Klerus zu den Aufständischen sich nur ver-fügte, um die Ruhe wiederherzustellen. Am 26. April bot der Episcopat derRegierung die Summe von 928,412 Lire.Ein neuer Beweis, sagte GrafCavour , des patriotischen Gefühls, welches den Episkopat beseelt." Das Aner-bieten wurde zurückgewiesen, und die Klöster aufgehoben. Am 29. Mai wurdedie kirchliche Akademie von Soperga ebenfalls aufgehoben. Am 6. Juni pro-testirte der Erzbischof von Tnrin Wider das Klosteraufhebungsgesetz, sein Protestwurde aber sequestrirt. Am 29. Juni unterwirft ein Decret die weiblichen Kloster-schulen der Aufsicht der Regierungsbehörden, und zwar trotz einem widersprechen-den Decrete vom 18. Februar 1851. Am 12. Juli gewaltsames Eindringen indas Kloster der heil. Clara zu Cuneo ; am 20. erbrach man die Thore desKapucinerklosters; am 15. Oktober mußten die Klosterfrauen der Marchesa vonBarolo vermöge Ministerialverordnung den Unterricht der kleinen Kinder imABC einstellen. Am 1. Nov. verwandelte man das Kloster stell» llonüolata ineine Schenke. Am 13. erhielt der kgl. Senat einen Gesetzentwurf, welcher dieWucherfreiheit anordnet. Das Jahr 1856 beginnt mit einer Adresse der Pro-testanten an den König, worin sie sich Glück wünschen ob der Thätigkeit seinerMinister. Am 2. Jänner sendet dieMaga" von Genua als Angebinde nachRom die Mündung einer Kanone;" am 3. Jänner entließ der Magistrat vonTurin die Schulbrüder,weil sie geneigt seien, die kirchlichen Autoritäten zuunterstützen." Am 26. März wird in der Deputirtenkammer der Generalvicarvon Fossano beschimpft. Am 27. März haben die Pfarrer von Savoyen daszweite Semester 1855 ihrer Congrua noch nicht empfangen. Im Mai protestiren