Ausgabe 
20 (20.5.1860) 21
Seite
168
 
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Hunger quälte sie selbst entsetzlich. Das empörte den Wütherich. Ihre mitlei-digen Fragen wegen seiner Wunden hielt er für Hohn; denn das Gewissen warlaut. Er mißhandelte seine alte Mutter. Sie mußte nun die Schläge,die sie in ihrer Blindheit von dem Sohne abgehalten hatte, in ihrem Alterselbst erleiden. Nach einigen Wochen war sie, von Alter, Gram und Mißhand-lungen getödtet, eine Leiche.

Einige Tage nachher fand man im Dickicht des Waldes den Förster todtin seinem Blute. Nach dem Tode seiner Mutter, die noch das einzige mensch-liche Wesen war, das bei ihm ausgehalten hatte, wilderte er ganze Nächte imWalde herum; denn mit wahrer Tigerwuth verfolgte er die Raubschützen. Diesehingegen hatten sich vorgenommen, Jagd auf ihn zu machen, wie auf eine all-gemein gefürchtete Bestie. Und wahrlich, sein Betragen war ein wahrhaft bestia-lisches. Denn selbst gegen arme Leute, welche von der Herrschaft die Erlaubnißhatten, dürre Aeste zu brechen und zu sammeln, hatte er seine Rohheiten ausge-übt. Kurz, er war so verachtet und gehaßt, daß sich der Pfarrer nicht getraute,ihm ein öffentliches, ehrenvolles Begräbniß zu gestatten. In der Stille trugenihn einige Männer aus dem Walde auf den Kirchhof und in aller Stille seg-nete ihn der Pfarrer ein. Keine Thräne floß ihm, kein Vater unser ward fürseine Seele gebetet. Seufzend gedachte der Pfarrer in der heil. Messe seinerarmen Seele.

* Mein lieber Leser und besonders liebe Leserin, bedenke dies Lebensbildernst und still.

Siehe da die entsetzliche Frucht einer Sünde, die schreckliches Wehe nachsich zieht, und diese Sünde heißt: die Sünde vertheidigen. Ein Unrecht,über das sich Manche so leicht hinaussetzen, ja, das sie gar oft für recht halten.Die Sünde vertheidigen, heißt den Bösewicht ärger machen, als er ist und war,und Jeder, der es thut, ladet schreckhafte Schuld aus seine eigene Seele.

Besonders im Ehestände, in häuslichen Verhältnissen, ereignet es sich so oft,daß verblendete Mütter die Fehler ihrer Kinder bemänteln, sie auch bei dengröbsten Fehlern in Schutz nehmen und vertheidigen, oft sogar, wie es hier ge-schah, dem eigenen Vater gegenüber vertheidigen.

Solche Mütter, die größten Theils selbst keine Erziehung haben, bedenkenes nicht, daß sie sich selbst die Ruthe binden, mit der sie in alten Tagen vonihren eigenen verzogenen Söhnen und Töchtern gestraft werden.

Möge diese kurze Erzählung manchen so verblendeten Eltern die Augenöffnen, und sie sich das Wort der Schrift zu Gemüthe führen, die da sagt(Sprüchw. 17, 15J:Der den Gottlosen rechtfertigt und der den Gerechtenverdammt, die sind beide ein Gräuel vor dem Herrn."

H. S. R

Für den Kirchenban der armen Katholiken in Stargard nnd

Köslin.

Uebertrag.33 fl. kr.

Von einem Eaplane in Obersranken".10 fl. kr.

Summa: ä3 fl. kr.

Redaction und Ncrlaq:

Oiv M. HutNcr. Druck von I. M. Kleinlc.