171
6s85A ecclesisgtios hat lange schon Bankerott gemacht, die Klostergüter sind ver-schleudert, die Zehenten aufgehoben, und so muß genannte Cassa aus der StaatS-Cassa, d. i. aus dem Säckel der Unterthanen dotirt werden, und da sind dieGeistlichen die Letzten, die daraus etwas beziehen. So hat es nun auch Fariniin Modena gemacht, der dort im schönen herzoglichen Palast in Saus und BrauSdie anticipirten Steuern des unterdrückten Volkes verschlemmt. Er hat auchZehenten und Sammlungen aufgehoben, d. h. zu Gunsten der Staatscassa, in-dem dafür die Steuern verdoppelt werden; dann hat er den Gehalt der Pfarrerauf 800 Lire, also auf kaum 300 fl. erhöht (!), und glaubt wie großmüthiggehandelt zu haben, wenn diese miserable Ziffer auf dem Papier steht, und diemitten unter dem geplünderten Volke stehenden Seelsorger der Willkür einesjeden sreimaurerischen Cassaschreibers preisgegeben werden. In geistlicher Be-ziehung erleidet die Kirche Piemonts ebenfalls immerwährende Verluste. 10 —12bischöfl. Sitze sind erledigt, und unter gegenwärtigen Umständen ist nicht daranzu denken, daß die kirchlichen Verhältnisse geordnet werden könnten, denn dieRegierung bietet nur zu jenem die Hanv, wodurch der Kirche neue Wunden geschla-gen werden; so gestattet sie die unsittlichsten Darstellungen aus den Theatern, dieöffentliche Ankündigung und Schaustellung der obscönsten Bücher, Bilder u. s. w.,sie duldet, daß das Land mit verfälschten Bibeln, Traktätlein und Broschüren,welche mit wüthendstem Hasse gegen Rom erfüllt sind, überschwemmt werde; alleprotestantischen Agenten haben den freiesten Verkehr im Lande, öffentliche Aerger-nisse, auch die rohesten Ausschweieungen bleiben ungestraft; selbst Mordanfällegegen Priester, die das Allerheiligste zu Sterbenden trugen, ereigneten sich, ohnedaß man vernommen, daß solche Ruchlosigkeiten gezüchtigt, oder wenigstens aufdie Thäter gefahndet worden wäre. Daß Seelsorger in Aufrechthaltnng deröffentlichen Zucht und Sitte irgend eine Unterstützung vom Staate zu erwartenhatten, darf man sich ohnehin nicht einbilden, und so braucht es wohl ein un-erschütterlich katholisches Volk, kernfeste Gesinnung bei Hausvätern und Gemeinde-Vorständen, die treu den Seelsorgern zur Seite stehen, um den Strom der Ent-christlichung und Entsittlichung, der in diesem so schwer heimgesuchten Lande ausallen Ufern getreten, wenigstens nothdürftig einzudämmen, damit die Verheerungnicht allgemein werde. So ist es aber auch und der Herr erweckt, wie immer inden Zeiten allgemeiner Begriffsverwirrung und sittlicher Verkommenheiten, auchnun in Piemont Männer, die wie feste Säulen des Rechtes, der Religion undGerechtigkeit dastehen, von denen wir blos an einige bekannte erlauchte Namenaus dem Laienstande erinnern wollen, als Graf Solaro della Margherita, GrafRevel, Marchese Brignole, de la Motte u. s. w., welche durch die Kraft ihrerRede und die Gründlichkeit ihrer Schriften sich auszeichnen, wie vorzüglich Er-sterer durch seine Schrift gegen das Libell „Der Papst und der Congreß", diebereits in's Französische übersetzt ist, großes Aufsehen machte. Ebenso hütet derHerr und facht in den Herzen des Volkes immer wieder neu die Flamme deSGlaubens an, und die Verfolgung der Kirche muß selbst dazu dienen, in VielerHerzen das schlummernde kath. Bewußtsein zu wecken, und ihm lebendigen Aus-druck zu geben, wie wir solches in den vielen Adressen an den heil. Vater ausallen Theilen des Landes und den zahlreichen Geldbeiträgen für denselbenersehen. (Kathol. Blätter aus Tirol.)
DaS Testament.
Der alte Granson lag schwer krank. Er fühlte, daß die Zeit den letztenZoll von ihm fordere. Er nannte diese Krankheit schon das Anklopfen deS Todesbei ihm. Er hatte recht empfunden, denn bald war er nicht mehr. Doch vor