Franzens Bewahrung vor so augenscheinlicher Todesgefahr erfüllte dieFamilie mit unbeschreiblicher Freude. Der Kranke betete in seinem Bette,Veronika jedoch und Anna eilten in die Kirche, Gott zu danken, welcher ihnennicht nur ein Glied, sondern auch die Stütze der Familie erhalten hatte. Franzaber glaubte, mehr thun zu müssen. — „Wie leicht" — sagte er — „wäre ichnicht mehr zum Leben erwacht, und also unvorbereitet vor den Richterstuhl desHerrn getreten! Gott hat mich aus doppelter Gefahr errettet. Bezüglich einermnftigen Leibesgefahr stehe ich in seiner Vaterhanv. Was indessen die Gefahrder Seele betrifft, so soll mir dieser Vorgang eine ernste Warnung sein, meinganzes Leben so einzurichten, daß ich mit des Allerbarmers Hilfe mich möglichstvorbereitet seinem gerechten Richterstuhle nahen kann." — Er ging in's Gottes-haus, legte ein reuiges Sündenbekenntniß ab, und empfing das Brod des ewi-gen Lebens.
Am fünften Tage nach jenem Unglücksabende kehrt Franz äußerst erschöpftvon der Arbeit zurück. Es stellte sich Erbrechen ein, und die Miene des ge-rufenen Arztes ließ das Aergste befürchten. Wirklich, nach zwei Tagen qual-voller Leiden war der Unglückliche eine Leiche.
Mutter und Tochter weinten laut auf. Der Vater aber war still, in sichgekehrt. Ohne Zureden begehrte er seinen Seelsorger. — „Franz " — sagte er —hatte die ersten Tage nach seinem Unfälle keine oder nur geringe Schmerzen.Meine Brust brennt mich oft, als ob die Sünden meines ganzen Lebens in ihrnagten. Franz hatte Recht; das Heil der Seele, aber nicht des Leibes ist inunsere Hand gegeben."
Die Befürchtungen des Arztes erwiesen sich als falsch. Denn nach demEmpfange der heiligen Sacramente war das Gemüth des Kranken so ruhig, soheiter, daß es aus den Körper die wohlthuendste Wirkung übte. Als Valentinsanft in den Herrn entschlafen war, gestand der Arzt selbst, daß die gefaßteHaltung des Kranken nach seiner geistigen Vorbereitung ihm das Leben wenig-stens einige Tage verlängert habe.
Leser! Wohl dem, welcher den milden Zuruf Gottes in den heil. Gnaden-mitteln selbst aufsucht! Der Herr braucht ihm dann nicht mit ernster Prüfungzu nahen, damit er seine Seele rette. Möge diese Wahrheit nicht nur derKranke auf dem Todtenbette, sondern auch der Mensch in vollster Lebensblüthebeherzigen!
Fluche nicht!
Der Fluch einer unnatürlichen Mutter ist vor Kurzem auf eine schrecklicheArt an einem jungen, fleißigen Mädchen aus dem Veßprimer Comitate (in Un-garn ) in Erfüllung gegangen, welches schon seit mehreren Jahren an einer Dreh-maschine der dortigen Herrschaft arbeitete und ihre greise Mutter, ein boshaftes,unverträgliches Weib, durch ihrer Hände Arbeit ernährte. Diese entließ nuneines Morgens ihre Tochter eines geringfügigen Anlasses halber mit dem herz-losen Fluche: „Möae dir doch einmal die Maschine dein: Hand zerschmettern."Nächster Tage ging auch der furchtbare Fluch in Erfüllung. Das arme Mädchenstrauchelte nämlich am Tische der Maschine, griff mit der rechten Hand in dieRäder und verlor in einem Augenblicke den Arm bis an's obere Gelenk; dieherzlose Mutter machte ihren Gewissensvorwürfen in verzweifelten Verwünschun-gen Luft und das brave Mädchen tröstete seine Mutter damit, daß sie ihr auchmit der linken Hand allein das Brod zu verschaffen im Stande sei.