Ausgabe 
20 (17.6.1860) 25
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Hilfe, den noch Gesunden, aber vor Angst Beklommenen Trost und Ermunterung,so daß sie jetzt noch bei den dankbaren Einwohnern im gesegneten Andenkenstehen.

Bald nach ihrer Ankunft in Brasilien begannen die Missionäre das schwie-rige aber heilsame Werk, und es gefiel Gott , schon bei den ersten Bemühungendurch glücklichen Erfolg ihre Thätigkeit zu ermuntern. Da die Briefe, in denensie uns sowohl ihre Reise, als die Anfänge ihre Wirksamkeit schildern, höchstinteressante und zugleich erbauliche Nachrichten enthalten, die geeignet sein dürften,auch in weiteren Kreisen eine nützliche und anziehende Lectüre zu bieten, sowird es nicht unangemessen erscheinen, dieselben der Ocsfentlichkeit zu übergeben,zumal in unsern Tagen was ein erfreuliches Zeichen des wiedererwachendenreligiösen Lebens ist das Interesse für die Verbreitung des Glaubens unddie Missionsthätigkeit der katholischen Kirche aller Orten sich kund gibt, und dadie Gläubigen gerade durch diese innige Theilnahme, welche sie den Heilsbotenin fernen Welttheilen widmen, in der Liebe zur gemeinsamen Mutter der Kircheerstarken und deshalb auch für die Angelegenheiten der Religion im eigenenDaterlande desto regeren Eifer beweisen.

II.

Bries des k Kellner.

Rio de Janeiro , den 9. Juni 1858.

Wir gingen Samstag den 17. April eilf Uhr Vörmittag in Havre an BordderPetropolis." Dieser herrliche Dreimaster gilt allenthalben in Frankreich wie in Brasilien als eines der besten Schiffe sowohl wegen der Trefflichkeit seinesBaues und der Eleganz seiner Einrichtung für Passagiere, als vorzüglich wegender Tüchtigkeit seines Capitäns. Um 1 Uhr setzt sich das Schiff in Bewegung,die«Thore der Hafenbassins öffnen sich, bei dem letzten erwartet uns der DampferHerkules," um diePetropolis" in's Schlepptau zu nehmen. Bald liegt derHafen hinter uns, das Land verschwindet, zuletzt auch die Leuchtthürme von Havre;wir befinden uns auf der hohen See.

Sofort suchten wir uns in unsrer Reisegesellschaft zu orientiren uud ge-langten zu folgendem Resultat. Zur ersten Cajüte gehören dreizehn Personen:der Capitän nebst drei höheren Schiffsbeamten, wir drei*), ein junger Gold-arbeiter aus Paris, ein Juwelier aus Paris, der aber ein geborner Deutscheraus Heinsberg ist, ein Commis aus Elberfeld und drei Frauenzimmer, die Gattindes Juweliers, eine Schauspielerin, die auf dem französischen Theater in Rio ihr Genie will glänzen lassen, und eine stille, unbekannte Person. Es wirdvier Uhr, man geht zu Tische. Aber nur die Männer sitzen an der Tafel; dieUebrigen lagen schon im Kampfe mit der Seekrankheit. Wir indessen speistenwohlgemuth und hofften dem Erbfeinde der Seereisenden kühn die Stirne zubieten. Der Abend kommt; und wir schlafen das erste Mal auf dem Meereganz gut.

Sonntag früh nahmen wir Rücksprache mit dem Capitän, ob wir die hei-lige Messe lesen könnten. Mit französischer Artigkeit entgegnete er uns:Jawohl, Sie dürfen ganz frei über den Salon verfügen." Und es war sein Ernst;denn er ließ gleich ein festes Gestell aufrichten, nm darauf unsern Altar sicheranbringen zu können, und bedeutete dem Wärter, uns nicht im Mindesten zustören. Unsere Hoffnung, die Mannschaft und Passagiere würden wenigstens anSonntagen dem heiligen Opfer beiwohnen, wurde nicht ganz erfüllt. Allerdings,so viel ich sehen und hören konnte, wollen diese frazösischcn Seeleute und Rei-senden katholisch sein, sie rühmen sich dessen und .die höheren Schiffsbeamtennebst den drei Passagieren waren höchst erstaunt und entrüstet, wenn jene zwei

*) l'. Bonifacius Klüber, ?. Michael Kellner und der Laienbruder Franz Ruhkamp.