Ausgabe 
20 (5.8.1860) 32
Seite
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Du genießest Jesum im heiligen Abendmahle, ihn, der dreißig Jahre langin stiller Einsamkeit lebte, gehorsam dem Willen seiner Eltern, sich vorbereitendauf seinen wichtigen Beruf als Stifter einer neuen Lehre, eines neuen Opfers.Doch Du, lebst auch Du nur Ein Jahr, Einen Monat, Eine Stunde in stillerZurückgezogenheit vor der Welt, gehorsam dem Willen Deines himmlischen Vaters,Dich vorbereitend zu dem ernsten und heiligsten Berufe, ein Bürger zu werdender von Gott gestifteten triumphirenden Kirche?

Jesus kommt zu Dir in der heiligen Hostie, Er, der seine Jünger um sichsammelte, indem er ihnen zurief:Kommet und sehet!" und:folget mir nach!"Willst nicht auch Du sein Jünger werden? O so komm recht oft zu seinem Tische,und siehe die Wirkungen seiner heiligen Gnade! Willst Du sein Jünger werden,so nimm Dein Kreuz auf Dich, und folge ihm nach!

Derselbe Jesus wird dir in der heiligen Kommunion zu Theil, der imTempel Gottes deir Viehhändlern und Wechslern zugerufen: Macht das Hausmeines Vaters nicht zu einem Kaufhause!" Siehe! Auch Dein Herz ist nun einHaus Deines Gottes geworden. Soll es noch ferner ein Marktplatz welt-licher Angelegenheiten, ein Tummelplatz irdischer Vergnügungen bleiben? DieViehhändler und Wechsler wurden nicht, weil sie überhaupt Handel getrieben,sondern nur, weil sie Gottes Haus zu einem Kaufhause gemacht, aus dem Heilig-thume des Herrn gejagt. Auch Du darfst Dein Herz weltlichen Geschäften, schuld-losen Freuden erschließen, nur nicht zu jener Zeit, welche dem Dienste Gottesgehört: sei es in versammelter Gemeinde, sei es bei stillem Gebete in einsamerKammer. Denn Jesus entfernt nicht die zeitlichen Sorgen und Zerstreuungenaus Deinem Herzen, welches sein Heiligthum sein soll, wie er einst die Verkäuferaus dem Tempel getrieben hat, sondern er entfernt sich selbst aus dem ihm fremdgewordenen Tempel Deiner Seele und überläßt sie weltlicher Verstrickung.

Jesus reicht Dir im heiligen Abcndmahle das Brod des Lebens, Er, welcherder Samariterin am Brunnen lebendiges Wasser versprach. Wer von diesem leben-digen Wasser trank, den sollte in Ewigkeit nicht mehr dürsten nach dem Becherder Lust. Und möchtest Du ein einziges Mal würdig von diesem Brode essen,Dich dürfte in Ewigkeit nicht mehr hungern nach den Fleischtöpfen der Welt.Allein leider unterscheidest Du nicht dieses lebendige Brod von einer gemeinenSpeise, und so issest und trinkst Du Dir selbst das Gericht und nach dem Gerichtedie Verdammung, wo ein ewig nagender Hunger, ein ewig brenender Durst Dichquälen.

Jesus naht sich Dir in der heiligen Communion, Er, der zu seinen Jün-gern sagte:Ich will Euch zu Menschenfischern machen." Auch Dich kann er zueinem Menschensischcr machen, wenn Du die Gnade, welche Dir durch die heiligeCommunion zu Theil wird, in Dir wirken läßest, so daß sie aus Deinem ganzenLebenswandel gleichsam herauslcuchtet und du in Andern die Sehnsucht erweckestnach einem Strahle dieser leuchtenden Gnade. Nur mußt Du zuvor, wie derheilige Petrus, Deinem Heilande zu Füssen fallen und ausrufen:Herr! geh'von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch!" d. h. Du mußt beichtennach vollkommenster Selbsterkenntniß, in tiefster Zerknirschung, mit festestem Vor-sätze zum Guten.

Jesus kehrt durch den Empfang der heiligen Hostie in Dein Herz ein, Er,welcher zu den Bewohnern Kapharnaums sprach, da er in ihrer Stadt weilte:Thut Buße! das Himmelreich ist nahe!" Wehe dir, wenn Du nicht schon Bußegethan hast vor seiner Einkehr bei Dir!

Christus und mit ihm das Leben wird dir am Tische des Herrn gereicht,jener Christus, der die Tochter des Jairus vom Tode erweckte. Bist du schuld-los, wie dieses Kind, von welchem der Heiland sagte:Es ist nicht gestorben,es schläft nur?" Oder schläfst du den Schlaf der Sünde so fest, daß Jesus dir