Ausgabe 
20 (5.8.1860) 32
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zurufen müßte:Du schläfst nicht, Du bist gestorben ?" Jesus brachte der Toch-ter des Jairus das Leben, als er zu ihr trat. Bringt er auch Dir das Lebender Seele, wenn er in Dein Herz einzieht, oder vielleicht ihren ewigen Tod,indem Du zum göttlichen Gastmahle gehst ohne ein hochzeitliches Kleid?

O mein Christ! Du genießest im heiligen Abendmahle Deinen Mittler,der den acht und dreißig Jahre lang Kranken gesund gemacht hat. Auch Dichwill er gesund machen, und wärest Du viel länger, viel ärger krank. An einemSabbathe heilte der göttliche Menschenfrend den Kranken, und deßhalb ladet dichdie katholische Kirche alle Sonnabende und Vorabende heiliger Feste zum ernstenBußgerichte, weil es ihm an Sonn- und Feiertagen die innigste Freude gewährt,Kranken die Gesundheit, Todten das Leben wieder zu schenken durch den Genußseines heiligsten Leibes und Blutes. Doch Du, machst Du nicht gerade an die-sen Tagen, die vorzüglich Deinem Gott gewidmet sein sollten, Dich krank durchübermäßigen oder unerlaubten Genuß von Weltsreudcn?

Jesus erquickt Dein Herz durch die heilige Communion mit himmlischemLabsale, Er, welcher der büssenden Magdalena die Sünden vergeben, nachdemsie seine Füsse mit köstlicher Salbe begossen. Siehe! Du bist nicht würdig,Deinem Herrn und Meister die Schuhriemcn aufzulösen, vielweniger seine Füssezu salben, zu küssen oder mit Thränen zu benetzen. Dennoch hat er Dir DeineSünden vergeben und reicht Dir nicht nur seine Füsse, sondern sich ganz, mitLeib und Blut in der heiligsten Brodgestalt. Du jedoch, benetzest Du ihn mitden Thränen wirksamer Reue, mit dem Oele der Gottinnigkeit, oder beschmutzestDu ihn nicht vielmehr mit dem Gisthanche Deiner Sünden?

Dein Heiland besucht Dich im allerheiligsten Altarssacramente, wenn Duihn in Dein Herz aufnehmen willst, Er, welcher dem Stnrme auf hoher Seegebor, daß er schweige, wird er nicht auch durch seine in Dir wirkende Gnadedem Sturme Deiner Leidenschaften gebieten können, sich zu legen, wenn Du nurnicht ihn wach erhalten willst? Warum also, Kleingläubiger! verzweifelst Duan der Kraft der göttlichen Gnade und Deiner eigenen ernsten Mitwirkung, undsagst:meine Leidenschaften sind zu tief eingewurzelt, als daß ich sie bekämpfenkönnte!" Verschließe der Gnade Dein Herz nicht, welche durch den Empfangder heiligsten Hostie Dich überströmt. Christus auf hoher See gebot uur Ruhe,Christus in Deinem Herzen aber gebietet nicht nur dem Sturme Deiner Be-gierden und Neigungen Ruhe, sondern er wirkt auch in Dir neue Kraft zur Tugend.

Jesus kommt zu Dir im heiligen Abendmahle, der einst zu Petrus gesagthat:Deinem Bruder sollst Du stebenzig Mal sieben Mal vergeben." Siehe!auch Dir vergibt er stebenzig Mal sieben Mal. Wann nun willst Du zum letz-ten Male sündigen? Jesus sättigt Deinen Liebeshunger in der hochheiligenBrodgestalt. Mit fünf Broden hat er Tausende von Menschen gespeist. O un-durchdringliches Geheimniß! Mit einem Brode speist er Millionen! Es istdies das Brod des ewigen Lebens für die nach der Tugend Hungernden undDürstenden, das Brod des ewigen Todes für die im Giftbecher der Sünde un-ersättlich Schwelgenden. O Geheimniß der Geheimnisse!

Jesus labt und stärkt Dich mit seinem heiligsten Leibe und Blute. Labstauch Du ihn mit der Inbrunst Deines Herzens, mit heißer Sehnsucht nach sei-nem Besitze? Siehe! die Kleinen, welche von den Müttern zu Jesu gebrachtwurden, mußten von den Jüngern des Meisters rauhe Worte hören, bis er ihnenzurief:Lasset die Kleinen zu mir kommen!" Doch Du? Deine Mutter, diekatholische Kirche führt auch Dich zu Deinem Mittler. Jesus und seine Jünger,die Priester, laden Dich mit den liebreichsten Worten, oft, recht oft zu kommen.Niemand drängt Dich zurück, und Du kommst dennoch nicht, oder vielleicht nurEin Mal des Jahres. Warum nicht? Weil Du nicht schuldlos und rein bist,wie diese Kleinen waren; weil Du nicht mehr werden willst, wie sie.