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Jesus geht ein unter Dein Dach, wenn Du auch seiner nicht würdig bist.Er spricht nur Ein Wort und Deine Seele wird gesund, aber er sprichtdies Wort nicht immer gleich. Die Mutter der vom bösen Geiste besessenenTochter hörte er Anfangs nicht, dann gab er ihr scheinbar unfreundliche Worte.Doch sie hörte nicht auf, nach ihm zu rufen. Und so sprach er: „Dein Glaubeist groß," und heilte ihre Tochter. Siehe! Du hast ihn aufgenommen in Dir,und Du fühlst nicht die Wirkungen seiner Gnade im Kampfe gegen den bösenGeist der Sünde. Du rufst ihn, und er schweigt. Du rufst nochmal und er ant-wortet Dir, wie jenem Weibe: „Erst müssen die Kinder, d. h. die Schuldlosensatt werden. Es ist nicht billig, daß man den Kindern das Brod, d. h. dasBrod des Lebens mit seinen Gnadenwirkungen nehme und es den Hündchen,d. h. den Unreinen und Sündern vorwerfe." Wenn Du nun in Herzensdemuthantwortest, wie jenes Weib: „Ich weiß es, Herr! allein die Hündchen bekommendoch Etwas von den Brosamen ihrer Herren," dann wirst Du gewiß in Dir dieStimme Deines Mittlers vernehmen, die da spricht: „Dein Glaube, DeineHoffnung, Deine Liebe sind groß, fest, wie Felsen, und auf diesen Felsen will ichmir eine Kirche bauen, eine Wohnstätte meiner Gnadenwirkungen bereiten.
(Schluß folgt.)
Ein protestantisches Zeugniß für -as katholische Ordensleben.
Gegenüber den vielen Angriffen und teilweise gemeinen Ausfällen, welchebesonders wieder seit neuerer Zeit gegen das Ordensleben gemacht werden, ist esgewiß nicht ohne Interesse, auch das Urtheil eines Mannes zu höreu, der sicheben so sehr durch das größte Wissen als die lauterste Wahrheitsliebe ausgezeichnethat, — nämlich des größen sächsischen Philosophen Leibnitz . Dasselbe lautetalso: „Da Jeder auf verschiedenerlei Art entweder durch Befehl oder durch Bei-spiel, nach Stand und Fähigkeit, die Ehre Gottes fördern und seinem Mitmen-schen nützlich sein kann, so ist es offenbar, daß es nebst denen, welche als Staats-beamte und Privatpersonen leben, zum größten Nutzen auch in der Kirche aske-tische und contemplative Männer gebe, die losgetrennt von allen irdischen Sorgenund abgeschält von den Vergnügungen, sich ganz in der Anschauung des göttlichenWesens und in die Bewunderung seiner Werke versenken, oder auch aller eigenenGeschäfte entlöst, nur auf das bedacht sind, daß sie den Nöthen Anderer zu Hilfekommen, indem sie entweder die Unwissenden und Irrenden belehren, oder denDürftigen und MülMjgm beistehen, und dies ist nicht die geringste aus denEigenschaften, welche jene Kirche empfehlen, die allein den Namen und das Kenn-zeichen der Katholicität zu jeder Zeit behauptete und in der wir allein die hehrenBeispiele der herrlichsten Tugenden und des ascetischen Lebens allenthalben glän-zen und sich fortpflanzen sehen. Ich gestehe also, daß ich allzeit die klösterlichenVereine, die frommen Confraternitäten und Gesellschaften und andere dergleichenlvbenswürdige Anstalten vorzüglich gebilligt habe, denn diese sind gleichsam eineHimmelsmiliz auf Erden, wenn sie nur, ferne von Verderbniß und Mißbräuchen,nach den Satzungen ihrer Stifter regieret und vom obersten Bischof zum Nutzender allgemeinen Kirche angewendet werden."
Was sollte in der That ruhmvoller sein, als das Licht der Wahrheit durchFluthen, Feuer und Schwerter zu den entferntesten Völkern tragen, nur mitdem Heile der Seelen sich beschäftigen, auf verschiedene Vergnügungen und selbstauf den Reiz der Unterhaltungen und Gesellschaften verzichten, um der Betrachtungder unergründlichen Wahrheiten und der göttlichen Beschauung obzuliegen, sichder Erziehung der Jugend widmen, um sie zu den Wissenschaften und zur Tugendzu bilden; den Elenden, Verzweifelten, Unglücklichen, Gefangenen, Verurteilten,