Eine bittere Noth verkümmert allen Verständigen ihr sonstiges irdisches Glück;das ist der Mangel an guten deutschen katholischen Schulen, um die Nachkommenchristlich zu erziehen. Da hier Lehrfreiheit herrscht, könnten wir sogleich beginnen,wenn wir nur tüchtige Lehrer hätten. Aber woher anders, als von Deutschland können wir solche erwarten? Ich bin überzeugt, daß da mancher tugendhafteLehrer edelmüthig genug sein wird, um dem Zuge der Gnade hieher zu folgen.Aber entschieden für seinen Lehrerberuf muß er sein, damit er voll Eifer die ver-lassenen deutschen Kinder für die Religion und den Himmel rette und nicht Ge-fahr laufe, seinen Lehrerstand bei einem lockenden Vortheil ganz aufzugeben,um wie die Anderen nur den Boden zu cultiviren; obwohl es allerdings gutwäre, wenn er in beschränktem Maße für sich Oekonomie betreiben könnte. —Haben wir einmal etwas weiter vorangearbeitet, dann hoffen wir auch aus dieErziehung der weiblichen Jugend eine sorgsamere Pflege verwenden zu könnendurch deutsche Klosterfrauen, für die in unsern Picaden ein Klösterchen erbautwerden müßte, mit einem Schul- und Erziehungshause zur Heranbildung derjungen Mädchen in allen weiblichen Arbeiten und Tugenden. Denn wachsendiese unwissend und verwildert auf, wie geht es dann mit der Religion?
Die große Entfernung vieler Colonisten, die sich tief im Urwald angesie-delt haben, von Kirche und Priester hemmt ebenfalls das Aufblühen der katho-lischen Religion. Wir müssen es den guten Leuten in so fern erleichtern, daßwir von Zeit zu Zeit entweder die einzelnen Ortschaften besuchen, oder uns anirgend einem Mittelpuncte, wohin sie von verschiedenen Seiten kommen können,länger aufhalten. Letzteres habe ich neulich versucht, indem ich mehrere Wochenaus dem Buckerberge verweilte und während der Zelt Missions-Uebungen vor-nahm. Einen genaueren Bericht über dieses erste Unternehmen werde ich Ihnennächstens abstatten. — Der eben erwähnte Uebelstand würde schon durch Er-richtung guter katholischer Schulen auf verschiedenen Puncten bedeutend ver-mindert.
Hierzu kommt aber noch eine Noth, die gerade wegen der zweifachen ge-nannten noch fühlbarer wird, da sie eben deshalb nachtheiligere Folgen hat,nämlich der Mangel an guten katholischen Büchern. Wir brauchen nothwendigTausende von Katechismen, biblischen Geschichten, Gebet- und Gesangbüchern,sodann Erklärungen des Katechismus und der Evangelien, Leben der Heiligenund andere nützliche Werke zur Belehrung und christlichen Erbauung. Welchein kräftiges Mittel hätten wir hierin, um der Unwissenheit und' Verwilderungso vieler uns anvertrauten Seelen zu steuern! Wie eifrig würden es unsereguten Deutschen benutzen, denen in ihrer Waldeinsamkeit ein gutes katholischesBuch ein willkommener Freund wäre! Sie haben wirklich einen Heißhungerdarnach, und wären bereit, auch die ärmeren, große Opfer zu bringen. O wüßtedas manche edle Seele in Deutschland : wie Viele würden nicht bereitwilligihren katholischen Landsleuten in Brasilien zur Erlangung eines so nothwen-digen und heilsamen Mittels hilfreiche Hand bieten. Ach! muß denn überalldas Böse dem Guten voraneilen; muß denn Las Gift vor der gesunden Nahrunggereicht werden? Es ist unglaublich, was von Deutschland aus, namentlich inden Seestädten zur Verbreitung schlechter Bücher geschieht. Schon in Hamburg ,Bremen u. s. w. werden den unwissenden Auswanderern die gottlosesten undschändlichsten Bücher, Romane, Traktätleiu zugeschoben. In Masse werden solcheverpestete Schriften hierher geschickt, und unter den Protestanten bestehen ganzeLeihbibliotheken; ja bis ganz in den Urwald hinein habe ich in den Händender Katholiken die abscheulichsten Bücher gefunden. O! darf man es da demkatholischen Missionair verargen, wenn er mit blutendem Herzen seine klagendeund flehende Stimme über die Meere schickt?